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Star-Violonistin Anne-Sophie Mutter gastiert in Saarbrücken

Anne-Sophie Mutter.

Anne-Sophie Mutter.

„Wenn sie  spielt, stellen die Engel im Himmel die Harfe beiseite.“ Wow, so klangen Musikkritiken vor 30 Jahren. Poetisch, aber ebenso pathetisch, jedenfalls nicht ins nüchterne 21. Jahrhundert passend. Doch die 80er-Jahre, in denen die Violonistin Anne-Sophie Mutter groß rauskommt, sind eine andere Zeit. Was die Kultur betrifft, ist es die Ära der Päpste und Maestros. Ältere, charismatische Herren, die im Brustton der Überzeugung festlegten, welche Künstler etwas taugen, welche nicht: Marcel Reich-Ranicki in der Literatur, Joachim Kaiser in der Musik.

Insofern war es für ihre Karriere sehr zuträglich, dass Kaiser die 1963 im badischen Rheinfelden geborene Geigerin schon früh als „ein Geschenk an die Welt“ bezeichnete. Entdeckt hat sie natürlich ein anderer Charismatiker: Herbert von Karajan, damaliger Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, lässt Mutter 1976 als 13-Jährige vorspielen. Ein Jahr später bei den Salzburger Pfingstkonzerten debütiert sie mit Mozarts G-Dur-Konzert. Es ist der Auftakt einer märchenhaften, von den Medien begeistert begleiteten und mitgestalteten Karriere. Das „Wunderkind“, das sich rasch vom Pummelchen zur schönen jungen Frau wandelt, gilt bald weit über Kultur-interessierte Kreise hinaus als „weltbeste Geigerin“. Es ist ihr weich schimmernder, brillanter Ton, der Faszination ausübt. Mutter gastiert in allen großen Häusern der Welt, spielt mit den Berliner Philharmonikern Violinkonzerte von Beethoven, Brahms und Mendelssohn für die Deutsche Grammophon ein, die bis heute zu den Referenzaufnahmen zählen.

Auch nach Karajans Tod 1989 verblasst Mutters Stern nicht, sie gilt als absolute Perfektionistin, wird mit Preisen überhäuft, tritt als Konzertsolistin ebenso wie in Kammermusikensembles in Erscheinung und widmet sich zunehmend der zeitgenössischen Musik, die bald einer ihrer Schwerpunkte wird. Es ist faszinierend, wie es Mutter trotz des Rummels über all die Jahre hinweg gelang, ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit abzuschirmen. Von 1989 bis zu seinem Tod 1995 war sie mit Detlef Wunderlich verheiratet, aus der Ehe stammen zwei Kinder. 2002 heiratete sie den Dirigenten und Komponisten André Previn, von dem sie sich 2006 scheiden ließ. Viel mehr ist nicht bekannt.

Wie wäre Anne-Sophie Mutters Karriere verlaufen, wäre sie 25 Jahre später geboren? Hätte sie sich heute, in einer Zeit, in der eine ganze Phalanx an großartigen jungen Geigerinnen wie Hilary Hahn, Midori und Julia Fischer den Markt dominieren, ebenfalls durchgesetzt? Fakt ist: Bereits in 90ern wurden erste Stimmen laut, die Mutters Ton trotz der Perfektion (oder vermutlich gerade wegen ihr) als zu maniriert empfanden.

Und auch heute gibt es eine ganze Reihe an Kritikern, die Mutter für überbewertet halten. Fakt ist aber auch, dass sie noch immer präsent ist, zu den gefragtesten Violonistinnen gehört und Platten aufnimmt, auf denen ihr Geigenton so brillant strahlt wie eh und je. Jüngstes Beispiel: Dvoraks Violinkonzert mit den Berliner Philharmonikern – es erscheint am Freitag.

 Anne-Sophie Mutter und die Berliner Philharmoniker (Ltg. Manfred Honeck): Dvorák (DG/Universal).

 Am Mittwoch, 30. Oktober, 20 Uhr, spielt Mutter ein Recital mit dem Pianisten Lambert Orkis in der Saarbrücker Congresshalle. Auf dem Programm stehen unter anderem Kreisler, Webern und Grieg. Karten unter Tel. (0 18 06) 57 00 70.

Johannes Kloth

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