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Starkes Geschlecht? Vielen Männern geht's gar nicht gut

Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Und viele Männer verdrängen ihn. Körperlich und seelisch geht es dem vermeintlich starken Geschlecht längst nicht so gut, wie es nach außen scheint.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Und viele Männer verdrängen ihn. Körperlich und seelisch geht es dem vermeintlich starken Geschlecht längst nicht so gut, wie es nach außen scheint.

Berlin. „Männer kriegen 'nen Herzinfarkt“ und „weinen heimlich“: Das hat Herbert Grönemeyer schon 1984 in seinem Lied über das vermeintlich starke Geschlecht gesungen. Der Erste Männergesundheitsbericht scheint das zu bestätigen: Bei Herzinfarkten, Lungenkrebs und Alkoholmissbrauch, aber auch Diabetes, Gicht und Fettleibigkeit liegen die Männer deutlich vorn. Außerdem neigen sie dazu, ihre Probleme für sich zu behalten, sagten die Autoren der Stiftung Männergesundheit und der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit, die den Report gestern in Berlin vorstellten.

„Die Sicht auf Männer muss sich ändern"

Sowohl die Vorsorge als auch die medizinischen Angebote erreichen die Männer viel zu selten. „Männer sind nicht die Gesundheitsidioten, als die sie oft dargestellt werden“, betont Mitautor Matthias Stiehler. Aber männerspezifische Probleme fänden gesellschaftlich bislang kaum Beachtung. „Die Sicht auf Männer muss sich ändern, auch wenn daran natürlich die Männer selbst mitarbeiten müssen“, saght Stiehler.

So stehen vor allem Männer mittleren Alters, vorzugsweise nach der Familiengründung, immer stärker vor dem Problem, sowohl „neuer Vater“ als auch Ernährer sein zu wollen. Ein Spagat, der sich oft in starker Arbeitsbelastung mit Überstunden, hohem Druck und wenig Freizeit ausdrückt. „Männer sind häufiger darauf ausgerichtet zu funktionieren, Erwartungen – auch ihre eigenen an sich – zu erfüllen“, sagt Stiehler.

Das führt seit den 70er Jahren nicht nur zu einem deutlichen Anstieg der erektilen Dysfunktion, also Potenzproblemen. Auch Übergewicht durch Stress-Essen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, starkes Rauchen und manchmal auch der Ausweichgriff zum Alkohol sind typische Folgen. „Es gibt eine eklatante Unterversorgung alkoholkranker Männer“, bestätigt Mitautorin Anne Maria Möller-Leimkühler von der Klinik für Psychiatrie an der Universität München. Seelische Schmerzen sind nach wie vor für viele Männer ein Tabu. In einer Umfrage der Techniker-Krankenkasse gaben jüngst 44 Prozent der Männer an, Probleme lieber mit sich selbst auszumachen. „Psychische Störungen sind bei Männern häufig unerkannt und unbehandelt“, sagt Möller-Leimkühler.

Männer haben heute eine fünf Jahre geringere Lebenserwartung als Frauen

Auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sieht Handlungsbedarf und kündigte einen staatlichen Bericht für kommenden Sommer an: „Männer haben heute eine fünf Jahre geringere Lebenserwartung als Frauen. Aber viereinhalb Jahre davon sind durch soziokulturelle Faktoren bestimmt. Wir können Bedingungen schaffen, die Männern helfen, gesünder zu leben.“

Zu erforschen ist dabei noch die Mischung aus soziokulturellen und biologischen Bedingungen. So ist bis heute unklar, welche Rolle das männliche Sexualhormon Testosteron etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt. Für einen eher nebensächlichen Effekt des Hormons sprechen jedoch die so genannten Klosterstudien. Dabei wurde die Lebenserwartung von Männern und Frauen verglichen, die im Kloster lebten. Unter diesen ruhigen Bedingungen wurden die Männer fast genauso alt wie die Frauen.

Die Deutsche Krankenversicherung will ihre Gesundheitsvorsorge speziell für Männer ausbauen. „Vielleicht sind Online-Angebote der richtige Weg, bei denen anonymer Rat mit Infos zum gesünderen Leben verknüpft werden“, sagt Professor Doris Bardehle, die Herausgeberin des Männerberichts.

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