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Start der Fußball-Regionalliga: Der Pleitegeier über Liga vier

Saarbrücken. Die Fußballerweisheit „wichtig ist auf'm Platz“ gilt in der Fußball-Regionalliga nicht mehr. Wesentlich wichtiger scheint das Bankkonto des Vereins. Es hat anscheinend mehr Einfluss als Tore und Punkte, wenn es um die Auf- und Abstiegsfragen geht. Beispiel: Eintracht Trier hat in der Saison 2009/10 die letzten sieben Saisonspiele in der Regionalliga West jeweils zu null verloren, stand mit 29 Punkten am Ende auf dem letzten Tabellenplatz, blieb aber dennoch drin. Grund: Mit Waldhof Mannheim erhielt nach dem Bonner SC und RW Essen bereits der dritte Liga-Vertreter keine Lizenz mehr. Deshalb blieben alle drei sportlichen Absteiger – neben Trier noch Borussia Mönchengladbach II und Wormatia Worms – viertklassig. Im Süden erwischte es Eintracht Bamberg und den SSV Reutlingen, im Norden TeBe Berlin. Hansa Rostock II geht nach dem Zweitliga-Abstieg der Profimannschaft freiwillig eine Liga runter.

„Die Regionalliga ist eine Pleiteliga“, sagt Günter Erhardt, Trainer des Fußball-Regionalligisten SV Elversberg. Das Grundübel seien die zweiten Mannschaften der Bundesligisten. „Zehn von 18 Mannschaften sind zweite“, rechnet Erhardt vor. Und die sind für die Zuschauer so unspannend wie eine Abendandacht mit Rosamunde Pilcher.

Die Zuschauer bleiben weg, die Einnahmen sinken, die Fernseheinahmen sind mit 90000 Euro im Verhältnis zu den Gehältern und Kosten, die die Vereine zu tragen haben, ein Witz. Die Spieler trainieren meist unter Profibedingungen und wollen demnach auch so bezahlt werden. Die Auswärstfahrten sind teuer, Abgaben an die Berufsgenossenschaft und die Sozialversicherer sind ebenso zu bezahlen und auch die gestrengen Lizenzauflagen seitens des DFB lassen die Kosten wachsen.



„Das weiß man allerdings auch alles vorher“, sagt Peter Müller, Präsident des Aufsteigers FC 08 Homburg. „Dass das Wirtschaften in der Regionalliga nicht einfach ist, war und ist uns bekannt, darauf muss man sich einstellen. Wir freuen uns auf die Liga.“ Auch die zweiten Mannschaften der Bundesligisten möchte Müller nicht verteufeln: „Der FCH war so lange weg von der großen Bühne. Für uns bringen die Spiele gegen die Zweiten auch ein Hauch Bundesliga in Waldstadion“, sagt Müller, der natürlich auch weiß, dass der Drang zu Reformen vor allem bei den Traditionsvereinen sehr groß ist.

Inzwischen hat sich eine Initiative unter der Leitung der Vorstände von Darmstadt 98 und Hessen Kassel zusammengeschlossen. Sie beraten über die Zukunft der Regionalliga und sammeln Ideen die zweiten Mannschaft los zu werden. „Diese große Zahl an zweiten Mannschaften war sicher nicht der Ursprungsgedanke der neuen Regionalligen“, räumt DFB-Sprecher Stephan Brause in einem Interview mit sportschau.de ein. „Eine Diskussion ist jetzt absolut notwendig“, weiß auch DFB-Vizepräsident Hermann Korfmacher. Der Vorschlag der Initiative, alle zweiten Mannschaften in eine eigene vierte Liga auszulagern, findet Erhardt „gut. Sie können dort auch auftstiegsberechtigt sein“, sagt der SVE-Trainer.
 
Auf dem DFB-Bundestag am 30. Oktober in Essen sollen die Deligierten auch diesen Vorschlag diskutieren. Sollte sich der Verband auf eine neue Struktur der Regionalligen einigen, könnte diese aber frühestens zur Saison 2012/2013 greifen. Darüber hinaus gilt es aber nahezu als sicher, dass die Lobby der Bundesligisten versuchen wird, die Reform zu verhindern. Denn sie wollen, dass ihre Talente im Wettkampf mit gestandenen Profis stehen. „Dieses Argument kann ich nachvollziehen“, sagt Homburgs Trainer Alfred Kaminiski, der auch weiß, dass der Bundestag ein spannender wird. Spannender jedenfalls als ein Spiel zwischen Bayer Leverkusen II und VfL Bochum II.
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