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Statikprüfung war längst angeordnet

Wegen statischer Mängel ist die Fechinger Talbrücke vor einer Woche für den Verkehr komplett gesperrt worden. Foto: Becker&Bredel

Wegen statischer Mängel ist die Fechinger Talbrücke vor einer Woche für den Verkehr komplett gesperrt worden. Foto: Becker&Bredel

Nach einer Anfrage unserer Zeitung hat das saarländische Wirtschaftsministerium gestern eine Untersuchung eingeleitet, um eine „Kommunikationspanne im Zusammenhang mit den Prioritäten für die Sanierung von Brückenbauwerken“ aufzuklären. Das habe Staatssekretär Jürgen Barke in Abstimmung mit Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger ( SPD ) entschieden, teilte das Ministerium mit. Hintergrund ist: Die wegen statischer Mängel voll gesperrte Fechinger Talbrücke hatte das Bundesverkehrsministerium bereits vor sechs Jahren für eine „vordringliche“ Überprüfung der Statik vorgesehen. Das hatte das Saar-Wirtschaftsministerium bislang bestritten (wir berichteten).

Doch die 1963 erbaute Talbrücke wird auf der 2010 erstellten Liste des Bundes zur Überprüfung von 43 Brückenbauwerken im Saarland ausdrücklich aufgeführt. Die Liste liegt unserer Zeitung vor. „Neben dem Kommunikationsdefizit gab es kein Handlungsdefizit“, erklärte Staatssekretär Barke gestern. „In der Sache war auch die Brückensperrung richtig. Zuvor war eine Gefahr nicht erkennbar, unabhängig von Prioritätslisten, die in erster Linie auf zukünftige mögliche Belastungen angelegt sind. Eine frühere Statik-Überprüfung hätte zum gleichen Ergebnis geführt.“ Es gehe in Fechingen eben nicht um ein zunehmendes Verschleißproblem, sondern um ein konstruktionsbedingtes Statikproblem.

Im Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) seien „durch die unterschiedliche Interpretation von Listen und Dokumenten“ Unklarheiten entstanden, so Barke. Eine Ministerialrätin des Ministeriums werde ab sofort alle Vorgänge, die die Brückensanierung betreffen, im Landesbetrieb unter die Lupe nehmen. Ein Ministeriumssprecher teilte zudem mit, dass die Brücke aufgrund der Bundesliste „früher oder später“ statisch geprüft worden wäre.

Aufgedeckt worden waren die statischen Mängel der Brücke erst durch zwei Gutachten, die das Land nach eigenen Angaben 2015 aus eigenem Anlass und mit Blick auf den Denkmalschutz der Brücke in Auftrag gegeben hatte. Seit der Präsentation der Gutachten vor einer Woche ist die Brücke voll gesperrt, weil Pfeiler der Brücke ohne Vorwarnung einknicken könnten.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hatte bereits vor Jahren im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums eine Liste mit bundesweit 2200 Brückenbauwerken ausgearbeitet, „bei denen vorrangig statische Untersuchungen durchgeführt werden sollen“, wie es in der „Strategie zur Ertüchtigung der Straßenbrücken“ des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 2010 heißt. An 1229. Stelle der Liste ist die Fechinger Talbrücke aufgeführt. Das Bundesverkehrsministerium hatte den Ländern Anfang 2010 „die vorrangig zu untersuchenden Bauwerke“ benannt. „Zeitnah“ sollten daraufhin unter anderem folgende Arbeitsschritte von den Ländern durchgeführt werden: „Feststellung des aktuellen Bauwerkszustands, ggf. im Rahmen einer Brückenprüfung“ sowie Nachrechnung der Bauwerke, wie es in dem Strategiepapier heißt. Dort ist auch festgehalten, „dass allein die Nachrechnung (…) der vorrangig zu untersuchenden Brückenbauwerke nach heutiger Einschätzung über ein Jahrzehnt hinaus dauern wird“.

Vor drei Jahren hatte der Landesbetrieb für Straßenbau in Neunkirchen bereits gegenüber der SZ mitgeteilt, dass er bei den Vorarbeiten zur Sanierung von 270 Brücken im Land „an seine personellen Kapazitätsgrenzen“ stoße. Zudem sei es in den vergangenen Jahren schwer gewesen, qualifiziertes Personal zu finden.

Unterdessen haben die Grünen für den 11. April eine Sondersitzung des Verkehrausschusses des Landtages beantragt. Dort soll die Landesregierung Auskunft über den Zustand der Brücke und die damit verbundenen Auswirkungen für den Straßenverkehr berichten. Der ADAC im Saarland hat derweil angeregt, der Fechinger Talbrücke den Denkmalstatus abzuerkennen. „Vor dem Hintergrund der jetzt erkannten Baumängel und Statikproblemen erscheint die Einstufung als Denkmal fraglich“, teilte der ADAC Saar mit.
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