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Stevie Wonder macht Mayas Eltern Mut

St. Ingbert. Maya liegt gemütlich im Schoß ihrer Mutter. Sie lächelt vergnügt, quietscht mal zwischendrin und greift nach allem, was ihr vor die Augen kommt. Ein süßes Baby. Kaum zu erkennen: Mayas linkes Auge ist aus Glas. Ob die Mediziner die vier Tumore im rechten Auge erfolgreich bekämpfen, muss sich erst erweisen. Das acht Monate alte Baby hat eine seltene Krankheit. Der Fachausdruck lautet Retinoblastom und steht für Krebs im Auge. Als die Krankheit diagnostiziert wurde, war es für Mayas linkes Auge schon zu spät. Die Ärzte mussten es entfernen, da der Tumor groß war und ins Gehirn überzugreifen drohte. Um das zweite Auge kämpfen sie jetzt. Fünf Chemoblocks hat das Mädchen schon hinter sich. Ein sechster wird folgen. Bei jedem Block wird das Auge unter Vollnarkose gelasert. Das Universitätsklinkum Essen behandelt die Kleine. Sein Zentrum für Augenheilkunde ist spezialisiert. Mayas Eltern, Kerstin (28) und Steven Wolter (31), berichten von dieser Krankengeschichte am Esstisch in ihrer St. Ingberter Wohnung. Ihre dreijährige Tochter Jill ist im Kindergarten.

Von dem Schock, der ihnen bei der Diagnose in die Glieder gefahren war, ist zumindest oberflächlich nicht viel zu spüren. Bei näherer Betrachtung zeigen sich die Belastungen, für die das Retinoblastom gesorgt hat. "Es war ein Schlag", sagt Steven Wolter im Rückblick. "Sie wäre zwei Monate später gestorben", fügt seine Frau hinzu. In der ersten Konfusion - als all die Informationen zu dem Krebs auf sie hereinströmten und eine lebenslange medizinische Betreuung wie ein Drohgespenst im Raum stand - waren die jungen Eltern erst einmal ratlos, wie es weitergehen sollte. Wie käme die Kleine mit dem Behandlungsmarathon klar? Wie wäre ihr Leben, wenn sie völlig blind sei? Steven Wolter: "Ich hatte den Doktor gefragt, ob Maya ein lebenswertes Leben vor sich habe. Er antwortete: ,Fragen Sie mal Stevie Wonder'. Und er fügte hinzu, er sage das als Vater, nicht als Mediziner. Nach dem Satz war für uns klar, wir kämpfen um Maya."

Maya ist am 28. Juni geboren. Bei der ersten Vorsorge-Untersuchung gab es keine Beanstandungen. Dann zeigte sich ein Grauschleier auf dem linken Auge. "Als das Auge dann ein bisschen größer wurde, dachte ich, sie hätte einen Zug bekommen", erzählt die Mutter. Merkwürdig fanden die Eltern den weißen Fleck, der sich auf mit Blitzlicht gemachten Fotos im stärker betroffenen Auge zeigte. Ein Punkt, der das Paar stark beschäftigt. "Über diesen weißen Fleck ist die Erkrankung so simpel festzustellen. Sie ist zu 95 Prozent heilbar, wenn sie schnell erkannt wird", sagt Kerstin Wolter. Die Eltern sprachen den Kinderarzt auf den Schleier im Auge an. Der überwies direkt zum Augenarzt. Von dort ging es ohne Verzögerungen in die Homburger Uniklinik und in der Woche drauf nach Essen. Am 29. Dezember wurde das linke Auge entfernt.

Maya lächelt, während ihre Eltern reden, drückt die kleinen Händchen ineinander. "Manchmal holt mich das schon ein", sagt Kerstin Wolter, "aber Maya lacht, wenn sie aus der Vollnarkose aufwacht." Also unterzieht sich die Familie der Strapazen, die die Klinik-Aufenthalte in Essen und in Homburg bedeuten. Er habe einen "super Arbeitgeber", sagt der Vater, die Großeltern unterstützen die Familie, damit auch die ältere Tochter nicht zu kurz kommt.

Und sie glauben an ein gutes Ende. Steven Wolter: "Wir filmen Mayas Entwicklung. Und wir hoffen, dass sie die Filme später auch sehen kann."

 

Hintergrund

Das Retinoblastom ist ein im Auge auftretender bösartiger Tumor, der von genetisch veränderten unreifen Netzhautzellen ausgeht. Unbehandelt führt er zum Tod.

Die Erkrankung kommt selten vor. Die Universitätsklinik Essen spricht von 60 Fällen, die pro Jahr entdeckt werden. Das Retinoblastom ist zugleich eine der wenigen bösartigen Krebserkrankungen, die heilbar sind. Wird es früh erkannt, so die Klinik weiter, überlebten mehr als 95 Prozent der Patienten. Der Tumor tritt in der Regel vor dem fünften Lebensjahr auf.mbe

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