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Stiefmutter kommt ins Gefängnis

Auch die Richter der Großen Strafkammer dachten an Aschenputtel, als sie gestern eine 44–jährige Stiefmutter für Jahre ins Gefängnis schickten. Aber die Märchenfigur hatte ein schönes Leben, wenn man es mit dem vergleicht, was einem Mädchen in diesem realen Fall widerfahren sein soll.

Saarbrücken. Das Landgericht hat gestern eine Hausfrau (44) aus dem nördlichen Saarland zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung, Misshandlung von Schutzbefohlenen und Freiheitsberaubung verurteilt.

Damit blieb die Kammer ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte Freispruch beantragt. Im Zeitraum zwischen 1998 und 2006 soll die Angeklagte ihrer heute 19-jährigen Stieftochter das Leben zur Hölle gemacht haben.

Insgesamt elf Vorfälle standen in der Anklageschrift, darunter Schläge mit einer Dachlatte, Tritte in den Bauch mit Stahlkappenschuhen und Faustschlage ins Gesicht. Aber das war nur die Spitze des Eisberges. Das Mädchen soll sogar in eine mit Brennnesseln gefüllte Tonne gesteckt worden sein.

Im Laufe des Prozesses wurde dem Jugendamt des Landkreises Merzig-Wadern Untätigkeit vorgeworfen. Eine Diplom-Sozialarbeiterin berichtete, dass es zwei unangemeldete Besuche in der Familie gegeben habe. Als sie die Betreuung der Familie von ihrer Vorgängerin übernommen habe, sei die Situation des Mädchens als „Bauchwehfall“ bezeichnet worden. Aber man fand nichts, was eine zwangsweise Herausnahme aus der Familie gerechtfertigt hätte. Es gab Gerede in der Nachbarschaft, aber keiner wollte etwas gesagt haben. Dennoch habe sie ein Einschreiten erwogen und entsprechende Informationen gesammelt. Heute sei sie froh darüber, dass das Saarbrücker Jugendamt das Mädchen in Obhut nahm.

Dazu kam es, weil die Personalsachbearbeiterin im Ausbildungsbetrieb des Mädchens – sie lernt dort Landschaftsgärtnerin – die Initiative ergriff. Sie hatte den Eindruck, dass mit ihr etwas nicht stimmt und informierte das Saarbrücker Jugendamt, welches sofort einschritt. Der Verteidiger kritisierte das Verhalten der Frau. Sie mache den Prozess „zu einem Event“, in dem sie andere dazu auffordere, die Gerichtsverhandlungen zu besuchen.
Helmut Jakob (SZ)
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