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Stijn Celis wird 2014 Ballettchef am Staatstheater

Was die Rahmenbedingungen angeht, so kann Celis ebenfalls an Bestehendes anknüpfen.

Was die Rahmenbedingungen angeht, so kann Celis ebenfalls an Bestehendes anknüpfen.

Die letzte Aufführung von Marguerite Donlons Now-Dance-Festival lag gerade mal ein paar Stunden zurück, da überraschte die Staatstheaterleitung gestern mit der Einladung zur Bekanntgabe eines neuen Ballettchefs. Man habe das Festival mit der Personalie nicht überschatten wollen, erläuterte Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) kurz darauf auf einer Pressekonferenz das ungewöhnlich kurzfristige Vorgehen. Neben dem Minister saß im Theaterfoyer der Mann, um den es an diesem Morgen ging: Stijn Celis, Jahrgang 1964, gebürtiger Belgier, zuletzt international tätig als freischaffender Choreograf. Er wird ab Herbst 2014 Direktor des SST-Balletts. Kein Unbekannter also – auf Einladung Donlons choreografierte der 49-Jährige 2012 „Cinderella“ am SST.

Aus 45 Bewerbungen habe sich Celis schnell als Favorit herauskristallisiert, sagte Generalintendantin Dagmar Schlingmann. Er sei ein „sehr renommierter, gefragter Choreograf“ mit eigener Handschrift, dessen Stärke nicht nur beim klassischen Handlungsballett, sondern auch beim abstrakten Tanz liege. Sie sei selbst ein wenig überrascht gewesen, dass er sich auf die Stelle beworben habe, gab Schlingmann zu. Celis, der fünf Sprachen spricht, sei ein Glücksfall, auch wegen seiner guten Kontakte in die Großregion.  

Der Sohn eines Belgiers und einer Mauritierin hat denn auch einiges vorzuweisen: Nach einer Tanzausbildung in Antwerpen tanzte Celis unter anderem im Königlichen Ballett von Flandern und in den Ballettensembles von Zürich und Genf. Von 2004 bis 2007 war er Ballettdirektor des Stadttheaters Bern, seither arbeitet er freischaffend.
Warum bewirbt sich jemand, der zuletzt erfolgreich in Montréal, New York, Den Haag, Göteborg und Essen arbeitete und aktuell „Romeo und Julia“ an der Semperoper in Dresden choreografiert, ausgerechnet in Saarbrücken? Die Entscheidung habe er schnell getroffen, sagte Celis. Für ihn sei nach sechs Jahren der richtige Zeitpunkt gekommen, sich wieder einem Ensemble zu widmen. „Die Arbeitsbedingungen in Saarbrücken habe ich als sehr gut empfunden.“ Die Arbeit seiner Vorgängerin lobte Celis – und kündigte an, keine großen personellen Änderungen im Ensemble vorzunehmen.

Das alles klingt kaum nach einer großen Zäsur. Tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass Celis in vielen Punkten an Donlons Arbeit anknüpfen wird, auch wenn er, was die künstlerische Arbeit angeht, „natürlich einen anderen Stil“ habe, wie er betonte. Ihm liege vor allem das Handlungsballett am Herzen, zudem seien seine Choreografien sehr von Musik und Literatur geprägt. „Ich bin kein kommerzieller Choreograf, trotzdem waren meine Choreografien bislang Publikumsrenner.“

Gespart wird jedenfalls nicht, die Zahl der Tänzer (16) soll laut Schlingmann nicht reduziert werden; außerdem wird Celis wie Donlon ein bis zwei Produktionen pro Saison selbst erarbeiten, ansonsten mit Gastchoreografen arbeiten. Und: Das Ensemble wird auch weiterhin auf Tournee gehen.

Lediglich die Frage, ob es weiterhin ein Tanzfestival geben wird, blieb gestern offen. Wichtig sei es zunächst, wieder Ruhe in die Ballettarbeit zu bringen, sagte Schlingmann. „Alles andere wird sich entwickeln.“
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