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Straßenmusik nervt Geschäftsleute - kommt bald das Verbot?

Ganz im Zeichen der Straßenmusik steht der kommende Sonntag, wenn zahlreiche Musiker und Musikgruppen an verschiedenen Orten in der ganzen Stadt ihre Zuhörer mit ihren Beiträgen unterhalten. Seit gut zehn Jahren organisiert das städtische Kulturamt die „Fête de la Musique“, die den Straßenmusikern gewidmet ist.

Straßenmusik war auch am Donnerstagabend ein heiß diskutiertes Thema mit Bezirksrat Mitte im St. Johanner Rathaus. Dort machten sich die Kommunalpolitiker stark für diese meist spontane Kunstform, die das Ordnungsamt gern mit der Sondernutzungssatzung für den öffentlichen Raum in enge Grenzen zwängen würde. Der Leiter der Straßenverkehrsstelle beim Ordnungsamt begründet das so: „Wenn ich als Gerhard Darm durch die Bahnhofstraße gehe, dann gefällt mir der Vortrag des einen oder anderen Straßenmusikers auch.“ Als Bereichsleiter könne er aber auch die Beschäftigten in der Bahnhofstraße verstehen. Denn während der Passant als Zuhörer irgendwann weitergehen könne, seien die Beschäftigten der Dauerberieselung durch einen Musiker ausgesetzt. Folglich sprach er von einer „enormen Beschwerdelage“ der Geschäftsleute entlang der Fußgängerzone. Er recherchierte, wie es andere Städte mit der Straßenmusik anhand der Verordnungen von Heidelberg, Trier, Mainz, München und Stuttgart.

Das Ergebnis: eine große Verbotsliste. Wer mit Schlag-, Blechblasinstrumenten oder gar mit einem Dudelsack kommt, hat keine Chance. Wer zu viert oder mit noch mehr Leuten musizieren will, auch nicht. Sowieso soll nur noch an zwei Zonen in der Fußgängerzone musiziert werden. Nämlich vor der Europa-Galerie und auf dem Abschnitt zwischen Karstadt und dem St. Johanner Markt. Und auch nur zwischen 10 und 12.30 Uhr sowie von 14 bis 20 Uhr. Genauer: ab Beginn der vollen Stunde für eine halbe Stunde. Danach müsse müsse der Musiker den Ort wechseln.

Zu viele Zwänge für die Freigeister, meinen die Bezirksverordneten und schmetterten die meisten Punkte ab. Meist, weil sie die künstlerische Vielfalt in der Innenstadt in Gefahr sehen. „Dann hätte ja der beliebte Pipe-Drummer , der überall, wo er spielt, ein Anziehungspunkt ist, keine Chance“, sagt Anna Dorfner von den Grünen.

Jens Jacobi ( Die Linke ) findet: „Wenn einen Straßenmusiker nerven, muss man sie nicht verbieten, dann kann man mit ihnen reden.“ Der Vorschlag, die Spieldauer zu begrenzen, kam dagegen gut bei den Ratsmitgliedern an. Ebenso die Anregung, dass die Musiker auf der Bahnhofstraße nicht mit Verstärkern arbeiten dürfen.

Ohnehin gefällt manchem Kommunalpolitiker nicht alles, was dargeboten wird. Christdemokrat Hermann Josef Anton: „Gewerbsmäßiges Musizieren wie von diesen Anden-Indianern braucht Saarbrücken nicht.“ Bezirksbürgermeisterin Christa Piper bezeichnete die genannte Darbietung als „Anden-Schrammler.“ Wer aber soll entscheiden, was gefällt und was nicht? Pirat Markus Hansen nennt ein prominentes Vorbild: „In München gab es ein Gremium, bei dem Straßenmusiker vorspielen mussten.“

Dann ist da noch das Lautstärkeproblem. Darm nennt eine Höchstgrenze von 60 Dezibel, die ein Fünf-Watt-Verstärker am Standort Europa-Galerie rausblasen darf. Das müsse aber kontrolliert werden, weswegen die kommunalen Ordnungshüter mit Smart-Phones ausgerüstet werden können, die dann per App die Lautstärke messen können. Kosten: 2400 Euro in der Anschaffung, plus 300 Euro monatlich. „Das geht auch mit günstigeren Geräten, die nur für diesen Zweck bestimmt sind“, sagt Anton. Gerhard Darm hat jetzt die Aufgabe, dem Bezirksrat einen neuen Entwurf für eine Sondernutzungssatzung vorzulegen.
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