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Strecke zu kurz: Taxis lassen Mädchen stehen!

Saarbrücken. Für Sabine Gettmann, Mutter von zwei Töchtern im Alter von 16 und 19 Jahren, begann das neue Jahr mit Sorge und Unruhe. Ihre beiden Mädchen sind in der Sylvesternacht in der Saarbrücker Innenstadt ausgegangen – damit die beiden sicher nach Hause kommen, gab sie ihnen Geld für das Taxi. Doch gegen halb vier Uhr riefen Madeleine und Melissa an: Zwei Taxifahrer hatten sie abgelehnt, weil ihnen die drei Kilometer lange Taxifahrt vom Saar-Center bis zum Homburg „zu kurz“ war. Erst der dritte Fahrer ließ sich erweichen, so dass die Zwei nach knapp anderthalb Stunden Warten zu Hause waren. „Es ist für Eltern sehr beunruhigend, wenn man glaubt die Kinder kommen sicher heim, weil man ihnen Geld für das Taxi gibt. Doch dann kommen mitten in der Nacht Hilferufe“, sagt Gettmann.

Nach dem Personenbeförderungsgesetz und der Taxiordnung sind Taxifahrer dazu verpflichtet, in ihrem Pflichtfahrbereich
Fahrgäste zu befördern. Wenn man also innerhalb von Saarbrücken gefahren werden will, nicht stark betrunken und gewalttätig ist und zudem keine stark verunreinigte Kleidung trägt, hat der Taxifahrer keinen Grund, die Fahrt abzulehnen. Andernfalls verstößt er gegen die Beförderungspflicht, wie Hartwig Schmidt, Geschäftsführer des Landesverbandes Verkehrsgewerbe Saarland, erklärt: „Ein Taxifahrer hat in seinem jeweiligen Pflichtfahrbereich eine Beförderungspflicht, eine Untergrenze gibt es nicht.“

Dennoch weisen Taxifahrer den einen oder anderen Fahrgast ab. Ein Problem, das Wolfgang Ramm, Geschäftsführer der Taxizentrale Saarbrücken, bekannt ist: „Die Mädchen hätten befördert werden müssen, das ist mir unverständlich“. Dass die Beförderungspflicht verletzt wird, käme in seinem Unternehmen nur „sehr selten“ vor, erklärt Ramm.

Der Verstoß gegen die Beförderungspflicht ist eine Ordnungswidrigkeit, die abgewiesene Fahrgäste beim Ordnungsamt anzeigen können – wenn sie die Ordnungsnummer haben. Die Ordnungsnummer ist in der rechten unteren Heckscheibe des Taxis zu finden. Nach Angaben von Stadtsprecher Robert Mertes sieht der Verwarn- oder Bußgeldkatalog keinen festen Betrag bei einem Verstoß vor. Der Betrag wird nach Tatbestand festgelegt. Diese Verfahren seien aber „sehr selten“, seit 2005 habe es kein Verfahren mehr gegeben. Für Hartmut Schmidt keine große Überraschung: „Sich beim Ordnungsamt zu beschweren, ist den Leuten zu kompliziert, das tun sie bei mir oder bei der Presse“. Allerdings häuften sichdie Verstöße gegen die Beförderungspflicht in den vergangenen Jahren, meint Schmidt. sop

Den Tipp für den Artikel bekamen wir von Leserreporterin Sabine Gettmann. Haben auch Sie Spannendes zu erzählen und sogar Fotos gemacht? Dann schicken Sie uns alles als Leser-Reporter per E-Mail an leser-reporter@sol.de oder über unser Onlineformular unter www.saarbrucker-zeitung.de/leserreporter.
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