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Streit: Gibt es zu wenig Wohnungen für Arme in Saarbrücken?

Anständige Wohnungen für Arme sind im Regionalverband (RGV) keineswegs Mangelware – sagt der Geschäftsführer der Saarbrücker gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft (SGS), Christian Patzwahl. Damit widerspricht er dem spektakulären Hilferuf von Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (die SZ berichtete). Der hatte erklärt, im Raum Saarbrücken, sei es „praktisch unmöglich, kleinere Wohnungen zu bekommen“, deren Mieten niedrig genug sind, dass sie für Wohngeld- oder Hartz-IVEmpfänger in Frage kommen. Gillo: „Ganz schlimm ist es bei Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen. Was da angeboten wird, ist zum Teil dringend sanierungsbedürftig und den Menschen nicht zuzumuten.“

Daher müssten im Raum Saarbrücken dringend weitere Sozialwohnungen gebaut und alte wieder bewohnbar gemacht werden. Und das Land müsse „die Fördergelder des Bundes zielgerichteter einsetzen“. SGS-Chef Patzwahl sieht das ganz anderes und präsentierte der SZ folgende Zahlen: Die SGS hat 3656 Ein- und Zwei- Zimmer-Wohnungen. 88 Prozent davon, also 3210 Wohnungen vermietet die SGS so günstig, dass sie ohne Weiteres für Hartz-IV-Empfänger in Frage kommen. Patzwahl: „100 dieser Wohnungen – alle in einem zumutbaren Zustand – stehen derzeit leer. Ich könnte also auf der Stelle 100 Mietverträge abschließen.“

Insgesamt hat die SGS 6750 Wohnungen. 5330 davon – also rund 80 Prozent – sind „saniert oder weitgehend teilsaniert“. Von den übrigen, noch nicht sanierten 1400 Wohnungen sind rund 800 auf der Folsterhöhe, auf dem Eschberg und im oberen Malstatt. Deshalb will die SGS in diesen drei Stadtvierteln bis einschließlich 2017 insgesamt rund 50 Millionen Euro investieren. Auf Basis der Zensus-Erhebung von 2011 hat die SGS eine Hochrechnung gemacht. Danach müssten im Regionalverband insgesamt rund 6500 Wohnungen leer stehen. Die SGS selbst hat 618 unvermietete Wohnungen, 140 davon auf der Folsterhöhe und davon wiederum 110 in den beiden 13- geschossigen Blocks. Deshalb glaubt Patzwahl, es wäre Unsinn, weitere Sozialwohnungen zu bauen. Danach stünden nur noch mehr Wohnungen leer.

Patzwahl folgert: „Die SGS wird ihrem Auftrag besser gerecht, wenn sie saniert.“ Und diesen Auftrag definiert Patzwahl so: „Unsere Aufgabe ist es, Menschen zu helfen, die sich aus eigener Kraft keine ordentliche Wohnung verschaffen können. Wenn wir Wohnungen sanieren, geben wir erstens den Mietern ein Stück ihrer Würde zurück – und zweitens sorgen wir dafür, dass die Mieten in der Umgebung stabil bleiben.“ Daher sei es der SGS wichtig, dass ihre „gut sanierten“ Wohnungen städtebaulich möglichst „zusammenhängende Komplexe“ bilden. Patzwahl: „Dann können wir auch das Umfeld beeinflussen, Grünanlagen, Kindergärten und damit das soziale Miteinander.“

Dieses Engagement unterscheide die SGS von ihren privaten Konkurrenten: „Wir spenden jedes Jahr rund 300 000 Euro für die Saarbrücker Gemeinwesenprojekte.“ So wolle die SGS dazu beitragen, dass nirgends in Saarbrücken Zustände wie in Pariser Vorstädten entstehen. Patzwahls Lieblingsbeispiel ist der Verein Schülerhilfe Multikulti auf dem Rodenhof: „Kinder aus nicht ganz einfachen Familien hatten dort ein zweites Zuhause gefunden.“ Der Verein verlor seine Unterkunft, die SGS half: „Wir haben für rund 80 000 Euro ein Ladenlokal umgebaut und die Räume dem Verein kostenlos zur Verfügung gestellt.“
  Neues Gesicht für die Folsterhöhe Siedlungsgesellschaft schreibt schwarze Zahlen

Erstaunliche Visionen hat die Saarbrücker gemeinnützige Siedlungsgesellschaft (SGS) für ihre Siedlung auf der Folsterhöhe. Um sie zu verwirklichen, braucht die SGS Zuschüsse aus zwei Bundesprogrammen.

Saarbrücken.
Den beiden 13-geschossigen Beton-Giganten auf der Folsterhöhe will die SGS eine neue Silhouette verpassen – und damit der ganzen Siedlung ein neues Gesicht. Das erklärte SGS-Geschäftsführer Christian Patzwahl der SZ. Er könne sich beispielsweise vorstellen, die oberen Stockwerke der 13-Geschosser so abtragen zu lassen, dass die Gebäude den Umriss einer Treppe bekommen – mit Terrassenwohnungen in den Stufen. Denkbar sei aber auch, die zwei, drei oder vier oberen Geschosse der Giganten einfach komplett zu entfernen. Was genau passieren wird, ist noch offen. Um sich eine Auswahl von Ideen liefern zu lassen, hat die SGS einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben.

Kosten: 100 000 Euro. Neun Architekten-Büros machen mit, entwickeln Ideen. Der Gewinner bekommt 20 000 Euro und den Auftrag, der Zweite erhält 15 000 Euro, der Dritte 10 000. Und die SGS darf alle Ideen, die beim Wettbewerb entstehen, benutzen, um den Siegerentwurf zu ergänzen. Um ihre Visionen wahr zu machen, will die SGS rund 13 Millionen Euro einsetzen, eigenes und Geld vom Staat: erstens Zuschüsse aus dem Wohnungsbauförderprogramm für die Sanierung der Wohnungen und zweitens Zuschüsse aus dem Programm Stadtumbau West für das neue Gesicht der Folsterhöhe.

Dass die SGS Zuschüsse will – so versichert Patzwahl – sei aber kein Zeichen dafür, dass sie Geldprobleme habe. Ganz im Gegenteil. Laut Patzwahl hat die SGS „das Finanzloch“ – aufgrund dessen sie gezwungen war, von 2003 bis 2006 Wohnungen zu verkaufen – „zwischenzeitlich gestopft“. Die SZ hatte ab 2003 mehrfach über das „Finanzloch“ und über die Verkäufe berichtet. 2003 hatten die damaligen SGS-Geschäftsführer Engelbert Feld und Manfred Dörr in der Diskussion über die Verkäufe auf der Hohen Wacht erklärt, die SGS müsse Wohnungen zu Geld machen, weil sie sonst keine Kredite zur Sanierung anderer Wohnungen bekomme. Das Gleiche sagten Dörr und Feld-Nachfolger Peter Edlinger 2005 über die Verkäufe auf dem Wackenberg.

Laut Patzwahl ist dieser „Plan“ aber nicht immer aufgegangen. So seien die Einnahmen aus den „größten Verkäufen“ 2006 allein dafür draufgegangen, kurzfristige Kredite zu tilgen – und Grundschulden abzulösen, die auf den verkauften Wohnungen lagen. Heute jedoch verfüge die Immobiliengruppe Saarbrücken (IGS), die Mutterfirma der SGS, über „bilanzielle Rücklagen“ von 26,8 Millionen Euro. Damit sei die „gesellschaftsvertragliche Verpflichtung“ der SGS „erfüllt“. Außerdem werde sie 2013 einen „Bilanzgewinn zwischen 500 000 und einer Million Euro“ erwirtschaften. fitz



MEINUNG

Hurra, hurra, das Loch ist zu

Von SZ-Redakteur Jörg Laskowski

Jetzt steht Wort gegen Wort. Regionalverbandsdirektor Peter Gillo sagte der SZ, es gibt zu wenige anständige Wohnungen für Arme, vor allem zu wenige Einund Zwei-Zimmer-Wohnungen. Der Chef der Saarbrücker gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft (SGS), Christian Patzwahl, versichert, er kann dem Regionalverband (RGV) auf der Stelle 100 solche Wohnungen vermieten. – Ich bin sicher: SGS und RGV werden alles Weitere untereinander ausmachen. Und danach sparen wir alle wieder etwas Geld. Schön, dass die SZ dabei helfen konnte. Nächster Punkt: Patzwahl versichert, das legendäre Finanzloch bei der SGS ist zu.

Super! Weiter so! Ein Knüller ist es allerdings, dass die SGS den Erlös für den Verkauf ihrer Wohnungen 2006 benutzen musste, um kurzfristige Kredite zu tilgen und um Grundschulden zu tilgen, die auf den verkauften Wohnungen lagen. Die SGS hatte im vergangenen Jahrtausend also nicht nur keine Instandhaltungsrücklagen gebildet, wie man sie von Eigentümergemeinschaften kennt, nein, die SGS hatte auch noch einen Teil ihrer besten Wohnungen mit Grundschulden belastet. Umso beeindruckender ist die Leistung derer, die dafür gesorgt haben, dass diese Gesellschaft 2013 „einen Bilanzgewinn zwischen 500 000 und einer Million Euro“ erwartet. Wir drücken die Daumen, dass er kommt.
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