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Streit um Ganztagsschulen: Wohlfahrtsverbände wollen nach Mittelstreichung nicht in die Bresche springen

Saarbrücken. Jürgen Wönne vom Resonanz-Theater Saarbrücken ist erstaunt, als er von der SZ erfährt, dass seine Kindertheater-Projekte im Zuge der Nachmittagsbetreuung an Schulen in diesem Schuljahr wohl ins Wasser fallen. Der Grund: Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne) hat zur Finanzierung zusätzlicher beitragsfreier Ganztagsgruppen die Mittel für Projekte mit Musikschulen, Sportvereinen und Theatergruppen gestrichen.

"Ich hatte noch auf Aufträge gewartet", sagt Wönne. Der Theaterregisseur hat im letzten Schuljahr mit Kindern an den Grundschulen Schmelz und Rastbachtal kleine Theaterstücke, Szenen und gespielte Witze eingeübt. Wönne schätzte daran, dass er dort anders als bei etablierten Theaterkursen etwa an der Volkshochschule nicht nur auf Kinder aus der Ober- und Mittelschicht traf. "Da geht es um Präsentation, Körperbeherrschung und Sprechtechnik - was ja auch im richtigen Leben wichtig ist", betont Wönne.

An der Saarbrücker Grundschule am Ordensgut waren Schüler und Eltern zum Schuljahresbeginn mit einem großen Aushang am Schwarzen Brett über die Hiobsbotschaft informiert worden: Alle geplanten vier Projekte mit außerschulischen Partnern fallen weg, ein Märchen-, ein Sport-, ein Farben- und ein Afrika-Projekt. Jetzt sollen Lehrerstunden umgewidmet werden, um wenigstens zwei oder drei Projekte als Arbeitsgemeinschaften - aber eben ohne außerschulische Partner - aufrecht zu erhalten.

Dabei war gerade die Vernetzung von Schule und Gesellschaft das Ziel der Projekte. Dadurch sollte die Persönlichkeitsentwicklung vor allem jener Kinder gefördert werden, bei denen das familiäre Umfeld als eher problematisch eingeschätzt wird - etwa Kinder mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernem Elternhaus. Zudem sollte so das Interesse an Vereinen und Einrichtungen aus dem Sport- und Kulturbereich gefördert werden.

Zwar schließt das Bildungsministerium nicht aus, dass am Ende vielleicht noch "Restmittel" für außerschulische Projekte bereit gestellt werden - nämlich dann, wenn die bewilligten Ganztagsschul-Plätze am Ende nicht komplett belegt werden. Aber sehr wahrscheinlich ist das nicht. Die Aussage des Ministeriums, dass die Finanzierung außerschulischer Projekte auch über die nun vom Land statt von den Eltern gezahlte Pauschale pro belegtem Angebotsplatz in Höhe von 440 Euro finanziert werden könnte, weisen die Wohlfahrtsverbände als Träger der Nachmittagsbetreuung als realitätsfern zurück. Nach ihren Angaben muss aus diesem Betrag nämlich das Regelangebot finanziert werden. Zwar ist die Kooperation Schule/Verein nicht von der Mittelstreichung betroffen. Doch das ist ein schwacher Trost für jene Schulen, die bisher über die Träger der Nachmittagsbetreuung mit Vereinen kooperieren.

Etwa die Grundschule Orscholz, wo der örtliche Tennisverein im vorigen Schuljahr vielen Schülern Tennis beibrachte. Nach Angaben von Vereinschef Paul Stach fand das Projekt so viel Anklang, dass fünf Kinder jetzt wohl dem Verein beitreten. "Kinder, an die wir sonst nie herangekommen wären", wie Stach unterstreicht. Dass das Projekt jetzt eingestellt wird, findet er schlicht "fies".

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