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Streit um Gedenkstein für den kleinen Pascal

Zehn Jahre nach dem Verschwinden von Pascal wollen eine bundesweite Initiative und Pascals Tante mit einem Gedenkstein an sein Schicksal erinnern.

Zehn Jahre nach dem Verschwinden von Pascal wollen eine bundesweite Initiative und Pascals Tante mit einem Gedenkstein an sein Schicksal erinnern.

Burbach. Pascal war fünf Jahre alt, als er am 30. September 2001 verschwand – spurlos. Bis heute gibt es keine sicheren Hinweise darauf, was damals mit dem kleinen Jungen aus Burbach geschehen ist.

Schnell war von sexuellem Missbrauch die Rede, von Mord, von einem Kinderschänderring, der in der Burbacher Tosa-Klause sein Unwesen getrieben haben soll. Die Polizei ermittelt, vor dem saarländischen Landgericht nimmt einer der aufsehenerregendsten und längsten Prozesse der saarländischen Justizgeschichte seinen Lauf – an dessen Ende alle Angeklagten freigesprochen werden. Es bleiben Wut, Ratlosigkeit, Vermutungen, Verdächtigungen und die Fragen: Wo ist Pascal? Was ist mit Pascal passiert?
Diese Fragen dürfen nicht verstummen, Pascal darf nie vergessen werden, sagt Johannes Heibel. Deshalb will die „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen“, deren Vorsitzender Heibel ist, in Burbach einen Gedenkstein für Pascal aufstellen.

Bruno Harig, ein Bildhauer aus dem Raum Siegburg, hat sich bereiterklärt, den Stein zu gestalten. „Er will nächste Woche mit der Bearbeitung des afrikanischen Quarzit-Steins beginnen. Bis Anfang März soll der Stein fertig sein“, sagt Heibel. Bruno Harig habe selbst kleine Kinder. „Wir haben bei ihm offene Türen eingerannt“, sagt Heibel. Ob seine Initiative den Stein jemals aufstellen darf, ist allerdings fraglich. In Burbach selbst sind die Türen für seine Idee nämlich nicht so weit offen.
Bei offiziellen Gesprächspartnern sei er größtenteils auf Ablehnung gestoßen, sagt Heibel. Zum Beispiel bei Bezirksbürgermeister Claus Theres (SPD). Den Stein aufzustellen sei „total falsch“, findet er. Es sei wichtig, gegen sexuellen Missbrauch vorzugehen – „aber man darf das nicht mit Burbach in Verbindung bringen“, warnt Theres.

Im Fall Pascal habe „das Gericht für sexuellen Missbrauch auch keine Beweise gefunden, man kann also unter dieser Überschrift auch kein Denkmal für Pascal aufstellen“, sagt Theres. Es sei falsch „ein Denkmal zu errichten, wo man nicht weiß, was wirklich passiert ist“. So ein Denkmal sei „etwas, das den Namen Burbach beschädigt“. Die Mehrheit der Burbacher, vor allem die Geschäftsleute seien gegen so ein Denkmal.

Das sieht Sigrid Hübner, die Tante von Pascal, anders. Sie ist in diesen Tagen mit Unterschriftenlisten unterwegs, um für den Gedenkstein zu werben. „Ich habe da eine positive Resonanz“, sagt sie. Es gehe ja auch „nicht darum, jemanden anzugreifen“. Sigrid Hübner ist überzeugt, dass die Mehrheit der Burbacher für den Gedenkstein ist. Das sieht Heibel auch so. „Wir wollen schließlich nicht den Stadtteil stigmatisieren“, erklärt er.


Meinung
Vergessen ist der wahre Tod
Von SZ-Redakteur Alexander Will


Es ist ein grauenhaftes Ereignis: Mitten in Europa, im tiefsten Frieden, verschwindet ein kleiner Junge. Er ist einfach weg. Nicht mehr zu finden. Zuvor hat er in seinem kurzen Leben ein Martyrium durchstehen müssen. Weder dem Gericht noch der Polizei gelingt es, den Fall aufzuklären. Die Institutionen des demokratischen Staates versagen in diesem Fall ebenso, wie vorher bereits die soziale Umgebung des Opfers.

Daran kann man, daran darf man, daran sollte man, ja daran muss man vielleicht sogar erinnern. Auch mit einem Denkmal. Auch in Burbach. Damit es nicht noch einmal passiert. Damit die Menschen in Zukunft hinsehen. Dieser Schrecken hat sich nun einmal in Burbach ereignet. Die Furcht, der Stadtteil möge nun deswegen in einem schlechten Licht erscheinen, ist verständlich, sollte jedoch keine Ausrede sein, das Grauen zu verdrängen. Aufarbeitung braucht Orte der Erinnerung. Dem Image Burbachs könnte ein solcher sogar förderlicher sein als feiges Verdrängen. Er setzte nämlich ein Zeichen: Wir stecken den Kopf nicht in den Sand. Wir stellen uns dem Bösen.

Aus diesem Grund sollte sich die lokale Politik die Denkmalsinitiative sogar zu Eigen machen. Wegschieben und Leugnen sind keine Alternativen. Der kleine Junge, das Opfer, hat Vergessen nicht verdient. Es wäre, als töte man ihn ein zweites Mal.
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