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Streit um Sonderschul-Unterricht

Immer mehr Eltern wünschen die gemeinsame Beschulung ihrer behinderten Kinder in der Regelschule, sagen Integrations-Befürworter. Sie erheben Vorwürfe gegen das Kultusministerium: Es blockiere den Integrations-Prozess.

Saarbrücken. Bereits jetzt wird jedes dritte behinderte Kind im Land an Regelschulen unterrichtet, insgesamt etwa 1700. Seit 1988/99 ist ihre Zahl von 19 auf 32 Prozent gestiegen. Ein lobenswerter Anstieg, meint nicht nur die CDU-Landesregierung, sondern auch Ilse Blug, Geschäftsführerin des Vereins Miteinander leben lernen (MLL). Der Erfolg habe sich jedoch nicht wegen, sondern trotz der Arbeit des Kultusministeriums eingestellt, das "einseitig" berate und das bisherige Sonderschul-System zementieren wolle. "Nur der Beharrlichkeit der Eltern ist die hohe Integrationsrate zu verdanken. Die Integration läuft gut - aber mit hohem Energieaufwand", so Blug. Sie und MLL-Vorstandsmitglied Irmtraud Schnell erheben Vorwürfe gegen den zuständigen Referatsleiter Josef Görgen. Er ignoriere Studien, nach denen lernbehinderte Schüler in der Regelschule im Schnitt bis zu 1,5 Jahren Lernvorsprung erreichten gegenüber Kindern in Förderschulen. Görgen hatte sich in der Saarbrücker Zeitung kritisch gegenüber einer Schwächung oder gar Auflösung des heutigen Sonderschul-Systems geäußert. Dessen Existenz steht in Frage, wenn ab 1. Januar 2009 eine einklagbare UN-Konvention über die Rechte von Behinderten umgesetzt werden muss: Alle Bildungsministerien sind verpflichtet, für eine möglichst vollständige Einbeziehung behinderter Kinder in den Regelunterricht zu sorgen.  Nicht nur der Sprecher der Landeselterninitiative Bildung, Bernhard Strube, sondern auch die GEW und die SPD-Abgeordnete Isolde Ries fühlen sich dadurch in ihrer Forderung nach einem grundlegenden Umbau des gesamten Schulsystems gestützt: Alle - nicht nur behinderte - Kinder müssten gemäß ihrer Leistungsfähigkeit in individuellen Lerngruppen unterrichtet werden ("inclusive education").

Doch Ries sieht bei der Landesregierung eine "integrationsfeindliche Haltung". Woran ließe sich diese festmachen? Die Kompetenzen der früheren erfolgreichen sonderpädagogischen Förderzentren seien ans Ministerium zurückgeholt worden, sagt Blug. Ein Hauptschul-Abschluss nach dem 10. Schuljahr sei für Behinderte nur an Förderschulen, nicht an Regelschulen möglich. Die Lehrerzahl für Integrations-Maßnahmen sei zurückgefahren worden, dadurch verschlechtere sich die Situation für Förderbedürftige an den Regelschulen im Vergleich zur Sonderschul-Unterbringung. "Wir brauchen endlich ein echtes Eltern-Wahlrecht!", erklärt denn auch Strube von der Landeselterninitiative. Es gehe nicht um eine Abschaffung der Sonderschulen im Schnellverfahren, erklärt Schnell (MLL). Sie würden vielmehr umgebaut zu Ressourcen- und Kompetenz-Zentren. Vordringlich sei die Auflösung der Lernbehinderten-Schulen. Denn hier sei bereits die Diagnostik höchst umstritten.  Schnells Meinung nach brauchen diese Kinder lediglich die "Anerkennung ihres eigenen Tempos und ein lernförderndes Klima, das sie nicht immer an den Mittelköpfen in einer Klasse misst."

Dass Regelschul-Pädagogen durch den Zustrom von immer mehr Sonderschülern überfordert sein könnten, hält sie für die falsche Sicht. Sie fühlten sich nur dann überfordert, wenn sie, wie jetzt üblich, ihre Konzentration und Kräfte auf Effizienz und Leistungssteigerung, Tests und Zensuren lenkten. Doch eben dies würde sich beim integrativen Lehren und Lernen verändern.

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