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Streit ums Geld: Lebacher erst nach 18 Tagen beerdigt

Immer häufiger muss die öffentliche Hand für Beerdiungen aufkommen. Ein Lebacher wurde nun aber erst zweieinhalb Wochen nach seinem Tod bestattet, weil unklar war, wer die Kosten dafür übernimmt.

Saarbrücken/Lebach. „Ein 59-Jähriger ist am Freitag in Saarbrücken tot in seinem parkenden Wagen gefunden worden“, lautete eine Meldung der Polizei, veröffentlicht am 10. April. Der Lebacher erlitt zwei Tage zuvor, am 8. April, in seinem Auto einen Herzinfarkt und verstarb. Danach begann für den Sohn des Verstorbenen eine 18 Tage dauernde Tortur, bis er seinen Vater endlich bestatten lassen durfte. Der junge Mann konnte mangels finanzieller Reserven die Kosten der Beerdigung nicht übernehmen. Seine Eltern waren geschieden, also war die Ex-Frau auch nicht in der Pflicht zu zahlen. Wer trägt in solchen Fällen die Kosten? Was ist bei einer Bestattung zu beachten?

Das Bestattungsgesetz sieht vor, Leichen frühestens 48 Stunden nach Eintritt des Todes, spätestens sieben Tage danach erdbestatten zu lassen. Die Ortspolizeibehörde kann Ausnahmen zulassen, wenn keine gesundheitlichen Gefahren bestehen. Es gibt auch Ausnahmen im umgekehrten Fall, wenn also ein Leichnam früher bestattet werden soll. Ist ein Scheintod ausgeschlossen oder liegen gesundheitliche oder religiöse Gründe vor, kann die Ortspolizeibehörde eine Ausnahme zulassen.

Im Fall des Lebachers musste zunächst geklärt werden, wer die Kosten der Bestattung übernimmt. Ist die Ortspolizeibehörde nicht zuständig, kann der Angehörige einen Antrag auf Kostenübernahme beim Sozialamt einreichen. Sind keine Angehörigen mehr da oder können nicht ermittelt werden, hat die zuständige Ortspolizeibehörde die Bestattung anzuordnen und trägt dann auch die Kosten.

Sohn wartete zwei Wochen lang auf eine Nachricht

Der Sohn des Verstorbenen aus Lebach erhielt nach knapp zwei Wochen die Nachricht, dass die Saarbrücker Behörde die Kosten übernehme. Zuvor war jedoch bereits das Bestattungsunternehmen vom Vertrag zurückgetreten, weil die Kostenfrage so lange nicht geklärt wurde. Nachdem die Geschichte publik wurde, bot sich ein anderes Beerdigungsinstitut an, die Beisetzung zu übernehmen. Genauer gesagt eine Erdbestattung. Denn auch die Art der Bestattung sorgte für Aufregung. Der Sohn wollte ausschließlich eine Erdbestattung. Der Sarg mit dem Leichnam des Vaters wurde jedoch vom ersten Beerdigungsinstitut ins Fundleichenhaus, von dort in ein Krematorium gebracht. Der junge Mann befürchtete, dass der Leichnam seines Vaters nun doch verbrannt werden sollte.

Für die Art und den Ort der Bestattung zählt der Wille des Verstorbenen, falls bekannt, oder der Wunsch der Hinterbliebenen. Veranlasst die Ortspolizeibehörde die Bestattung, muss sie für eine „würdige, angemessene und ortsübliche Bestattung sorgen“, heißt es im Paragraf 26 des Bestattungsgesetzes. Im Fall des Lebachers wurde der Wunsch des Angehörigen berücksichtigt. Und wie aus dem Umfeld der Familie zu hören ist, durfte der 59-jährige Verstorbene nun endlich vergangene Woche seine letzte Ruhe finden.


Saarbrücken zahlte vergangenes Jahr 300.000 Euro für Bestattungen


Saarbrücken. Immer häufiger werden Verstorbene auf Kosten von Städten und Gemeinden bestattet. Diesen Eindruck hat der Leiter des Saarbrücker Amtes für soziale Angelegenheiten, Guido Freidinger, aus dem Gespräch mit Kollegen gewonnen und kann dies für Saarbrücken auch mit Zahlen untermauern. Waren es 2004 noch 73 ortspolizeiliche Bestattungen in der Landeshauptstadt, ist deren Zahl bis 2009 auf 193 gestiegen, wie eine Statistik der Stadt Saarbrücken zeigt. Damit einherging auch eine Steigerung der Kosten von 170.000 Euro im Jahr 2004 bis auf rund 450.000 Euro im vergangenen Jahr. Etwa ein Drittel davon kann sich die Stadt nach eigenen Angaben jeweils wieder über Angehörige sichern, allerdings verbleiben beispielsweise 2009 Kosten von etwa 300.000 Euro bei der Stadt.

Sozialamtsleiter Freidinger sieht als Hauptursache für diese Entwicklung, veränderte Familiensituationen. Die Familie als soziales Bezugsystem verliere vor allem in Städten an Bedeutung. „Je größer, je anonymer eine Stadt ist“, desto häufiger gebe es keine Angehörigen, die für eine Bestatung zahlen können oder wollen, sagt Freidinger.
pg
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