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Studie: Deshalb werden Schüler im Saarland straffällig

Gewalt: Die Jugendlichen im Saarland sind statistisch gesehen weniger gewalttätig als ihre Altersgenossen andernorts – für Kinder gilt allerdings das Gegenteil. Bei der Befragung kam konkret heraus, dass 12,6 Prozent der saarländischen Neuntklässler im zurückliegenden Jahr eine Gewalttat begangen haben, im Bund 13,7 Prozent. „Die Ergebnisse zeigen einerseits, dass unsere bisherige Präventionsarbeit im Bereich der Jugendlichen Wirkung zeigt, dass wir aber andererseits die Gewaltprävention noch stärker in den niedrigen Jahrgangsstufen implementieren müssen“, sagte Sozialminister Andreas Storm (CDU). Denn die Studie besagt auch, dass jedes fünfte Kind (19,8 Prozent) im vierten Schuljahr binnen eines Jahres Gewalt angewendet hat, bundesweit nur 14,9 Prozent. Erfasst wurden Fälle, in denen ein Kind einem anderen Kind entweder absichtlich so sehr wehgetan hat, dass es geweint hat oder verletzt war, oder ihm gedroht hat, um etwas zu bekommen. Möglicherweise deute sich beim Wechsel der Generationen damit „ein Anstieg der Gewaltbereitschaft an“, so die Studie. Unsere Grafik zeigt die Gewalt an Schulen. Auffällig ist dabei vor allem das Mobbing, das zunehmend im Internet stattfindet.
 
Gewaltursachen: Jugendliche und Kinder neigen laut Studie stärker zu Gewalt, wenn sie als Kind selbst unter elterlicher Gewalt gelitten haben. 34,5 Prozent der Jugendlichen im Saarland berichteten von leichter Gewalt und 14,5 Prozent von schwerer Gewalt – diese Werte liegen aber unter dem Bundesschnitt. Unter Jugendlichen an der Saar sind aber häufiger als im Bund „Gewalt legitimierende Männlichkeitsnormen“ (Macho-Gehabe) anzutreffen.

Alkoholkonsum: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen im Saarland (53,6 Prozent) bekennt sich zum Rauschtrinken, trinkt bei einer Gelegenheit also gerne mal mindestens fünf alkoholische Getränke. Als Gegenmaßnahmen empfehlen die Autoren der Studie höhere Preise für Alkohol, Aufklärungskampagnen zur Wirkung von Alkohol, Zugangsbeschränkungen und Werbeverbote.

Schulschwänzen: 42,9 Prozent der befragten Jugendlichen im Saarland haben im zurückliegenden Schuljahr mindestens eine Stunde geschwänzt (Bund: 45,6 Prozent). Vom mindestens fünftägigen Schwänzen berichten 11,2 Prozent der Neuntklässler im Saarland und 12,6 Prozent der Neuntklässler im Bund. Das Schulschwänzen steht laut Studie „in direkter Beziehung mit dem Gewaltverhalten“. Die Kriminologen empfehlen „eine engmaschige Kontrolle des Schulbesuchs durch Lehrkräfte ebenso wie durch Eltern“. Schulschwänzen dürfe nicht als Bagatellverhalten eingestuft werden.

Integration: Die Gewaltquote von Ausländern liegt deutlich unter dem Bundeswert. So würden türkischstämmige Migranten in anderen Teilen Deutschlands deutlich häufiger Gewalt anwenden als im Saarland (21 Prozent gegenüber 12,2 Prozent). Die Forscher führen dies auf eine gelungene Integration zurück, insbesondere was die soziale Vernetzung – also etwa Freundschaften mit deutschen Jugendlichen – betrifft. Als problematisch wird jedoch die Bildungsintegration gesehen: So strebten nur 10,9 Prozent der türkischstämmigen Schüler im Saarland ein Abitur an. Bundesweit seien es 14,8 Prozent.

Ausländerfeindlichkeit: Fast jeder zehnte Jugendliche im Saarland (9,5 Prozent) ist laut Studie als „sehr ausländerfeindlich“ einzustufen, weitere 21,8 Prozent weisen tendenziell ausländerfeindliche Einstellungen auf. Die Quoten im Bund liegen mit 14,2 bzw. 26,5 Prozent deutlich höher. 2,8 Prozent der Jugendlichen gelten als rechtsextrem, im Bund sind es 5,0 Prozent.

Meinung
Die richtigen Schlüsse ziehen
Von SZ-Redakteur Daniel Kirch


Das Geld für die Untersuchung zur Jugendgewalt im Saarland – die Rede ist von 100.000 Euro – ist gut investiert, wenn die Studie nach ihrer medienwirksamen Vorstellung nicht einfach im Aktenschrank der Behörden verschwindet. Sie enthält nämlich Zahlen, aus denen Politik, Polizei, Staatsanwälte, Lehrer, Sozialarbeiter und Eltern nun die richtigen Schlüsse ziehen müssen. Wenn diese dazu führen, dass die Kriminalität dauerhaft sinkt, kann das Land am Ende sogar viel Geld sparen. Der Sozialminister hat bereits die Überprüfung der Präventionsarbeit in mehreren Bereichen angekündigt. Diesen Worten müssen Taten folgen.
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