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Studie: Digitalisierung bedroht besonders viele Jobs im Saarland

Bei dem Automatisierungspezialisten Festo ist die Digitalisierung der Produktion schon weit vorangeschritten. Foto: dpa

Bei dem Automatisierungspezialisten Festo ist die Digitalisierung der Produktion schon weit vorangeschritten. Foto: dpa

Im Saarland, in Thüringen und in Baden-Württemberg sind laut einer Studie überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze wegen der Digitalisierung gefährdet. Wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gestern in Nürnberg mitteilte, arbeiten dort besonders viele Menschen in Berufen, die bereits heute zu mehr als 70 Prozent von Computern oder Maschinen erledigt werden könnten.

 

Im Bundesschnitt liegt der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in solchen Jobs bei 15 Prozent. Das Saarland nimmt unter den Bundesländern mit einem Fünftel die Spitzenposition ein, es folgen Thüringen mit 19 Prozent und Baden-Württemberg mit 17 Prozent. Der Anteil an Berufen, die weitgehend durch Maschinen zu ersetzen sind, sei vor allem in jenen Bundesländern mit viel Industrie hoch, so die IAB-Forscher. In Dienstleistungs-Zentren wie Berlin sei der Anteil mit acht Prozent dagegen vergleichsweise niedrig.

 

Die Wissenschaftler sehen aber keinen Automatismus. Ein hoher Anteil von Jobs, die von Computern und Robotern ersetzt werden können, „muss nicht unbedingt mit einem Beschäftigungsabbau verbunden sein“, heißt es in der Studie. Wie viele Arbeitsplätze verloren gehen, „hängt auch davon ab, inwiefern es gelingt, diese Arbeitskräfte auf die neuen, meist komplexeren Aufgaben vorzubereiten“. Auch sind die IAB-Forscher überzeugt, dass durch Digitalisierung auch „neue Arbeitsplätze entstehen“. So sieht Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes, die Ergebnisse der Studie „gar nicht so negativ“. Sicherlich seien „in einem ersten Schritt Einbußen“ an Arbeitsplätzen zu befürchten, sagt Klingen. Doch „ Digitalisierung bietet auch Chancen“ durch Steigerung der Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Dadurch könnten Jobs entstehen. Damit das so komme, müsse in Qualifizierung und Ausbildung investiert werden, sagt Klingen. Aus Sicht von Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer, ist es entscheidend, die negativen Folgen der Digitalisierung abzumildern und den Wandel der Arbeitswelt – nicht zuletzt über das Instrument der Mitbestimmung – zu gestalten und darauf hinzuwirken, dass Jobs erhalten bleiben und neue entstehen. Daher muss „ Weiterbildung zum Standard werden“, sagt Otto. Und die Ausbildung müsse die fortschreitende Digitalisierung im Blick haben.

 

Wolrad Rommel, Rektor der Hochschule für Technik und Wirtschaft, hält es für wichtig, sich nicht nur auf Industrie-Jobs zu konzentrieren. „Eine Industrie-Strategie, die einzig auf Produktion und IT-basierte Lösungen baut, wäre letztlich eine Arbeits-Abschaffungs-Maßnahme für Saarländer“, sagt Rommel. „Basis der Standortpolitik sollte deshalb eine übergreifende Innovationspolitik sein, die neben der Produktion auch mit neuen Dienstleistungen die Herausbildung neuer und weiterer Wertschöpfungsketten zum Ziel hat.“

 

Meinung:

 

Jobchancen durch Bildung

Von  Volker Meyer zu Tittingdorf

 

Die Digitalisierung kommt. Sie lässt sich nicht aufhalten, und sie wird die Arbeitswelt verändern – besonders im Industrieland Saarland. Den Arbeitnehmern wird der Wandel einiges abverlangen. Doch ein drastischer Jobabbau muss nicht die Folge sein. In der Digitalisierung stecken auch Chancen. Eine Qualifizierungsoffensive kann Arbeitsplätze retten und die Basis legen, um neue zu schaffen. Top ausgebildete Fachleute werden auch in der Industrie 4.0 gebraucht. Und natürlich täte es dem Saarland gut, wenn auch jenseits der Industrie neue Jobs entstehen. In den Hochschulen steckt gewiss Potenzial dafür.
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