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Studie: Jedes sechste Kind im Saarland lebt an der Armutsgrenze

  Vater, Mutter, Kind – das klassische Familienmodell wird seltener. Bundesweit hat das Saarland die höchste Quote an Alleinerziehenden: Fast jeder vierte Elternteil zieht sein Kind alleine groß. Besorgniserregend: Wer alleinerziehend ist, hat das höchste Armutsrisiko – im Saarland ist es noch höher als im westdeutschen Bundesschnitt. Jedes sechste Kind erhält hierzulande Sozialgeld und lebt damit an der Armutsgrenze . Das ist ein Ergebnis des Kinder- und Jugendberichts, verfasst vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz, den Familienminister Andreas Storm ( CDU ) gestern vorstellte. 2015 will er als Vorsitzender der Bundesfamilienministerkonferenz das Thema auf die Agenda setzen. „Hier gilt es bundesweit Lösungen zu finden, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.“

Ein weiterer Trend, der im Saarland besonders ausgeprägt ist: Es werden immer weniger Kinder geboren. Waren es 1970 noch 13 800, kamen 2012 nur 7000 zur Welt. Doch Storm hatte auch Positives zu vermelden: So schätzen Kinder das Saarland einer Unicef-Studie zufolge als besonders lebenswert ein. Auch in puncto Schulbildung kann das Land eine positive Bilanz vorweisen. 2011 verließen nur 5,2 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss – weniger als in allen anderen Ländern. Bei den „Frühen Hilfen“, einem Programm, bei dem belastete Familien von Familienhebammen unterstützt werden, nehme das Land zudem eine Vorreiterrolle ein, erklärte Storm und kündigte an, das Programm auszubauen. Kinder werden außerdem immer häufiger außer Haus betreut. Jedes vierte Kind unter drei Jahren besucht eine Kita oder eine Tagespflegeeinrichtung.

Und: Kinder und Jugendliche verbringen dreimal mehr Zeit mit digitalen Medien als etwa im Verein oder auf dem Sportplatz. Nach wie vor gilt: Kinder mit Migrationshintergrund haben es schwerer als ihre Altersgenossen. „Aber im Bundesvergleich haben sie im Saarland etwas bessere Bildungschancen “, sagte Storm. Damit das so bleibt, will er bestehende Sprachförderprogramme weiter ausbauen. 2012 wurden den Jugendämtern im Saarland mehr als 2000 Verdachtsfälle von Kindeswohlgefährdung gemeldet. Eine Steigerung – allerdings gehen die Experten nicht davon aus, dass es mehr Fälle gibt, sondern dass die Bereitschaft, Verdachtsfälle zu melden, gestiegen ist.

Auch hier will Storm aktiv werden: „Es gibt Überlegungen, ein landesweites Ombudssystem einzurichten.“ Damit hat Storm die grobe Richtung vorgegeben, über die in den kommenden Monaten diskutiert werden soll. Für Ende dieses Jahres ist eine Debatte im Landtag vorgesehen. Dabei wird es wohl auch um die Finanzierung gehen: Rund 400 Millionen Euro stehen der Kinder- und Jugendhilfe im Saarland jährlich zur Verfügung. Mehr als 80 Prozent davon werden von den Landkreisen und den Gemeinden aufgebracht. Die Experten fordern die Landesregierung auf, mit dem Bund eine stärkere Beteiligung an der Finanzierung auszuhandeln.
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