A8 Neunkirchen Richtung Saarlouis Zwischen AS Schwalbach/Schwarzenholz und AS Schwalbach Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn (02:32)

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Studie: Litt Saar-Wirtschaft unter Vulkanausbruch?



Saarbrücken. Als der isländische Vulkan Eyjafjallajökull vor mehr als zwei Jahren seine Asche in die Atmosphäre stieß, war man bei beim Autobauer Ford in Saarlouis hoch nervös. Wichtige Teile, die für die Produktion gebraucht wurden, gingen zur Neige. Sie wurden mit dem Flugzeug geliefert und der Luftraum über Europa war gesperrt. Aufatmen, als sich Aschewolke rasch wieder verzog. Auch der Tsunami, der 2011 den Norden Japans verwüstete, hatte zur Folge, dass bei Kameras, Handys, Laptops oder LCD-Fernsehern der Nachschub ins Stocken geriet. Solche Ereignisse können international produzierende Unternehmen jederzeit treffen.

Dürren, Überschwemmungen, Stürme, Hurrikans oder schwere Erdbeben häufen sich. Es steigt auch das Risiko, dass von Menschen verursachte Katastrophen wie Terror-Anschläge oder Reaktor- Unfälle schwerwiegende Folgen haben. Für Firmen erhöht sich damit die Gefahr, dass ihre Fabriken ausfallen oder die Produktion ihrer Zulieferer in Mitleidenschaft gezogen wird. „Mehr als 50 Prozent aller Industrie- und Konsumgüter- Hersteller in Deutschland waren in den vergangenen drei Jahren durch mindestens ein Extremereignis betroffen“, heißt es in einer neuen Studie des Instituts für Handel und internationales Marketing (Hima) an der Universität des Saarlandes. Institutsleiter Professor Joachim Zentes und Autor Fabian Lehnert haben erforscht, wie gut global vernetzte Unternehmen auf solche Risiken vorbereitet sind.

Sie haben herausgefunden, dass sich die Firmen der Gefahr zwar bewusst sind, weil mehr als die Hälfte damit schon konfrontiert waren. Trotzdem „sehen nur 37 Prozent der Industriegüter-Hersteller und 29 Prozent der Produzenten von Konsumgütern Extremereignisse und deren Auswirkungen als Bedrohung für das Unternehmen an“. Befragt wurden 148 Firmen in Deutschland, darunter 87 aus dem Industriegüter-Sektor und 61 aus dem Konsumgüter- Bereich. Bei 55 Prozent ist zumindest klar, dass die oberste Führungsebene sich dieses Problems annehmen sollte. Einen konkreten Plan, wie die Produktion weitergefahren werden kann, wenn die normale Lieferkette gerissen ist, haben allerdings nur 20 Prozent.

Dies sei eine gefährliche Sorglosigkeit, meinen die Autoren. Denn die Globalisierung habe es mit sich gebracht, dass extrem lange Lieferketten entstanden seien. Außerdem sei die Lagerhaltung in vielen Unternehmen minimiert worden, so dass „schnell die ganze Produktion gefährdet ist, wenn bei einem wichtigen Zulieferer die Fabrik von einem Hochwasser lahmgelegt wurde“. Zentes und Lehnert sind überzeugt, dass die Zeiten der schlanken Produktion zu Ende gehen, wenn sich Extrem-Ereignisse häufen. „Die Unternehmen werden gezwungen sein, wieder mehr in die Lagerhaltung zu investieren und Pufferläger vorzuhalten“. Außerdem wird ihrer Meinung nach die Produktvielfalt sinken.

Denn je höher die Anzahl der Varianten, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Firma, die nur eine winzige, aber wichtige Komponente liefert, die Fertigung brachliegt. Durch eine stärkere Standardisierung werde es leichter, einen Ersatzlieferanten an der Hand zu haben, der in einer anderen Weltregion beheimatet ist. Gering ist die Neigung, sich gegen Extrem-Ereignisse ausreichend zu versichern. „Geld wiegt einen Produktionsschaden nicht auf“, so die Autoren.

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