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Studie: „Saar-Jugend hat Vertrauen in sich selbst“

Auch Selfies gehören zum Selbstvertrauen.

Auch Selfies gehören zum Selbstvertrauen.

Ist der Vertrauensverlust von Europas Jugend in Politik, Kirche und Medien auch bei saarländischen Jugendlichen spürbar? Wie macht sich der Vertrauensverlust bemerkbar?

Becker: Auch an saarländischen Jugendlichen gehen die Ereignisse in Europa und der Welt nicht spurlos vorüber. Gerade junge Menschen sind sehr sensibel für Veränderungen und haben ein starkes Gerechtigkeitsempfinden. Terroranschläge, Kriege in Syrien, der Ukraine und im Irak, der Brexit, der Klimawandel, wachsende soziale Ungleichheiten sowie erstarkende rechte Gruppierungen lösen auch bei ihnen Verunsicherungen und Zukunftsängste aus. Viele saarländische Jugendliche sind jedoch ehrenamtlich in Jugendverbänden aktiv und machen dort positive Erfahrungen. Durch die Gruppenstunden und die offenen Treffs erleben sie eine gute soziale Eingebundenheit, die häufig dazu führt, dass sie auch Teil der Ortsgemeinschaft sind und diese mitgestalten können. Das wiederum führt dazu, dass viele junge Menschen im Saarland trotz allgemeiner Verunsicherung zumeist ein gutes Vertrauen in sich selbst und in die Gesellschaft haben.

Hat das Misstrauen gegenüber etablierten Einrichtungen etwas mit der Mediennutzung von Jugendlichen zu tun?Wird Youtube, Facebook und Co. mehr Vertrauen geschenkt?

Jugendliche nutzen andere Medien als die Erwachsenen. Das hat häufig den Grund, dass sie sich von den klassischen Medien nicht angesprochen fühlen. Junge Menschen sind jedoch nach wie vor auch für politische Themen zu erreichen – es scheint aber auch damit zu tun zu haben, wie Medien gemacht werden. So hat der Youtuber „LeFloid“ über drei Millionen Youtube-Abonnenten, Thilo Jung, der den Youtube-Kanal „Jung und Naiv“ betreibt, über 86 000 Abonnenten, aber auch die Sendung von Jan Böhmermann (ZDF/Neo Magazin Royal) ist bei Jugendlichen sehr beliebt. Diese Formate beschäftigen sich eindeutig mit gesellschaftskritischen Themen und Politik. Der Vertrauensverlust in die klassischen Medien ist bei den Jugendlichen sicher größer als bei den Erwachsenen, insgesamt jedoch handelt es sich dabei auch hier eher um einen gesamtgesellschaftlichen Trend.

Steigt das Vertrauen mit zunehmendem Alter wieder? Oder wird diese Distanz sich verfestigen?

Das kommt darauf an, wie sich die Institutionen in Zukunft gegenüber jungen Menschen verhalten. Wie ernst werden junge Menschen in Zukunft von Politik, Kirche und Medien genommen? (…) Wie gesagt, haben junge Menschen ein sehr gutes Gespür dafür. Wer sie für sich gewinnen will, der muss (…) sie ernst nehmen.

Wie ist Ihr persönliches Vertrauensverhältnis zu Politik, Kirche und Medien? Sie sind nicht mehr 18, gewinnen Sie mit zunehmenden Alter mehr Vertrauen?

Als Jugendliche hatte ich das Glück, zu erleben, dass man auch als junger Mensch etwas in dieser Gesellschaft bewegen kann. Es gab Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter im Verband Juz-united, die uns unterstützt haben und Politikerinnen und Politiker, die uns ernst genommen haben. Auch wenn sie sicher nicht immer unserer Meinung waren, war es möglich zu diskutieren. Das ist keine Selbstverständlichkeit. (…) Allerdings mache auch ich mir Sorgen um die Zukunft: Für mich sind weder Europa noch unsere Demokratie Selbstläufer. Wir alle müssen etwas dafür tun, und die Probleme angehen.

Catharina Becker, 35, ledig, aus Saarbrücken, Ausbildung: Magister in Literaturwissenschaft, derzeit Studium der Sozialen Arbeit, Arbeit: Mitarbeiterin bei der Fachstelle Antidiskriminierung und Diversity Saar. Parteienzugehörigkeit: Keine. Ehrenamt: 2006-2014 Vorsitzende von Juz-united (Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung), seit 2011 Vorsitzende des Landesjugendrings Saar.

 
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