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Studie: Zahl armer Kinder im Saarland hat sich erhöht

Saarbrücken. Das Otto-Blume-Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) empfiehlt Sozialministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), eine „Präventionskette“ im Kampf gegen Kinder- und Jugendarmut aufzubauen. In einer im Auftrag der Ministerin erstellten Studie forderte das Institut gestern einen Ausbau der gebundenen Ganztagsschulen im Saarland. Darüber hinaus sei „zu prüfen, ob die Ganztagsschule nicht für alle als verbindliches Regelangebot eingeführt werden sollte“.

ISG-Chef Dietrich Engels verwies darauf, dass es bei der Ganztagsschule im Saarland „eine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage“ gebe: Der Anteil der Ganztagsschulen im Saarland liegt bei 89 Prozent (gegenüber 47 Prozent im Bundesdurchschnitt), während der Anteil der saarländischen Schüler, die ein solches Angebot nutzen, nur 15,9 Prozent beträgt (gegenüber 26,9 Prozent im Bundesdurchschnitt).

Kramp-Karrenbauer äußerte sich dazu zurückhaltend. Sie verwies auf die eingeführten Ganztagsklassen, deren Angebot bei der Verzahnung von Unterricht und Betreuung mit dem der gebundenen Ganztagsschulen vergleichbar sei. Zudem setzten räumliche Probleme dem Ausbau gebundener Ganztagsschulen im Land Grenzen.



Engels regte ferner eine Kindergartenpflicht an. Bei Geringverdienern sei eine Ausweitung der Beitragsfreiheit auf die ersten beiden Kindergartenjahre zu prüfen.  Den Rückgang der Kinderzahlen sollte man dazu nutzen, den Personalschlüssel in den Kindergärten zu verbessern.

Ferner sei „zu prüfen, ob die personellen Ressourcen der Schulsozialarbeit nicht zu erhöhen sind“, um die Lehrer bei einer „teilweise schwierigen Schülerschaft“ besser zu unterstützen, heißt es in der Studie.
Um Minderjährigen aus sozial schwachem Elternhaus soziale Teilhabe zu ermöglichen, empfahl Engels, diesen den Beitrag für die Mitgliedschaft in Vereinen ganz oder teilweise zu erlassen. Dies könne man etwa im Zuge von Sozialpässen auf kommunaler Ebene regeln.

Er begründete seine Empfehlungen damit, dass das Saarland bei der Armut der unter 18-Jährigen sowie aufgrund eines vergleichsweise hohen Anteils der Hartz-IV-Bezieher stärker von Kinder- und Jugendarmut betroffen sei als die anderen westlichen Bundesländer.

Das Saarland habe zwar mit dem Programm „Frühe Hilfen“ den Anfang einer „Präventionskette“ im Kleinkindalter aufgebaut. Nun müsse man diese Kette aber „fortführen und auf biographisch folgende Bereiche ausbauen“. Engels warnte die Kommunen davor, die neuen Fördermaßnahmen im Zuge des Bildungs- und Teilhabepakets des Bundes dazu zu nutzen, um eigene Mittel in diesem Bereich einzusparen.



Über 80 Prozent der vom ISG befragten 75 Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendarbeit gab an, dass sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Saarland, die in Armut leben, erhöht habe.  Im Rahmen einer Schülerbefragung erfasste das ISG auch die Sicht von über 500 Kindern und Jugendlichen an saarländischen Schulen auf ihre Lebenslage. Ferner führten die Forscher persönliche Interviews mit 15 Jugendlichen, die ein Berufsgrundbildungs- oder ein Berufsvorbereitungsjahr im Rahmen der Werkstatt-Schule absolvierten. Dabei fanden sie heraus, dass Kinder in „belasteten Lebenssituationen“ (Arbeitslosigkeit eines Elternteils, Migrationshintergrund, Leben in einer betreuten Wohnform, Aufwachsen bei einem alleinerziehenden Elternteil) seltener Nachhilfe als andere Kinder erhalten und weitaus seltener Mitglied in einem Verein sind. Ebenso gaben diese häufiger an, sich absichtlich selbst zu verletzen, traurig zu sein und an Selbstmord zu denken.

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