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Studie kritisiert Hochleistungszüchtungen zulasten der Tiergesundheit

Durch den starken Kostendruck und damit verbundenen Hochleistungszüchtungen hat sich der Gesundheitszustand landwirtschaftlicher Nutztiere deutlich verschlechtert. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, die unserer Zeitung vorliegt.

Mager soll das Fleisch von Schwein, Huhn oder Rind sein und genauso wie Milch und Eier möglichst billig. Diese gängigen Kriterien beim Kaufverhalten vieler Verbraucher setzen den Tieren selbst offenbar immer stärker zu. Nach der Expertise, die der Eberswalder Professor für ökologische Tierhaltung, Bernhard Hörning, im Auftrag der Grünen erstellt hat, werden die meisten Nutztiere auf Leistung gezüchtet, ohne dabei deren Gesundheit zu berücksichtigen.

So habe sich etwa die Milchleistung von Kühen in den letzten fünf Jahrzehnten von knapp 4000 Kilogramm auf mehr als 8000 Kilogramm pro Jahr verdoppelt. Dies resultiert auch aus dem hohen Anteil an Kraftfutter. Ohne dieses Konzentratfutter würden die Tiere laut Hörning nur maximal 6000 Kilogramm geben. Die hohen Milchleistungen begünstigten jedoch verschiedene Leiden wie Fruchtbarkeitsstörungen, Euter- und Klauen-Erkrankungen sowie Stoffwechselstörungen bei Milchkühen, heißt es in der Studie. Allein diese Krankheitskomplexe verursachten mindestens die Hälfte aller vorzeitigen Schlachtungen. So habe sich die Nutzungsdauer einer Kuh in den letzten vier Jahrzehnten auf nur noch 2,2 Jahre halbiert. Ähnlich kurz sei die Nutzung von Zuchtsäuen. Ein Grund sei die hohe Anzahl von Ferkeln pro Wurf.

Auch bei Legehennen gäbe es enorme Leistungssteigerungen. Laut Studie legt ein Huhn heute im Schnitt 298 Eier im Jahr. 1955 waren es lediglich 118 gewesen. Die Nutzungsdauer von Legehennen liegt bei rund einem Jahr. Die hohe Legeleistung ist jedoch mit einem starken Kalziumbedarf verbunden, der die Knochen der Tiere entmineralisieren kann, was dann zu Knochenbrüchen führt. Derweil würden bis zu 90 Prozent der Masthühner und Puten an Gelenkerkrankungen leiden, weil die Zucht auf „übergroße Brustmuskeln“ zu einer Verlagerung ihres Körperschwerpunktes geführt habe.

„Die industrielle Landwirtschaft züchtet kranke Tiere. Wenn Verbraucher wüssten, wie Tiere durch ihre Zucht leiden müssen, würde vielen der Appetit auf Fleisch vergehen“, meinte der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, gegenüber unserer Zeitung.

Nach dem deutschen Tierschutzgesetz sind sogenannte Qualzuchten zwar verboten. Anders als bei Heimtieren sei der Begriff bei Nutztieren vom Bundeslandwirtschaftsministerium aber nie präzisiert worden, so die Studie. Darin wird allerdings auch den Verbrauchern eine Mitverantwortung attestiert. Würde zum Beispiel die Mastdauer bei Hähnchen oder Puten durch langsamer wachsende Zuchtlinien verdoppelt, müsse auch die Produktion etwa doppelt so teuer werden, da die Tierhalter dann nur die Hälfte im Jahr erzeugen könnten. Eine „Aufpreisbereitschaft“ der Konsumenten sei aber oft nur gering ausgeprägt, bemängelt die Studie.
 

MEINUNG

Irrwege der Zucht

Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf

Ein Bauer freut sich, wenn eine Kuh mehr Milch gibt. Schließlich hängt der wirtschaftliche Erfolg eines Bauernhofs von der Leistung der Tiere ab. Zucht hilft seit Jahrhunderten, diese Leistung zu steigern. Doch inzwischen hat sie Grenzen überschritten. Das auf Hochleistung getrimmte Vieh wird geradezu zwangsläufig krank. Man weiß darum seit Langem, Konsequenzen blieben aus. Es bedarf strenger Vorgaben, und zwar auf EU-Ebene. Aber auch die Kunden können etwas tun und beim Kauf auf Herkunft und Haltung der Tiere achten. Das hat seinen Preis, den bislang nur wenige Verbraucher zu zahlen bereit sind. Auch deshalb zählt in der Zucht fast nur eins: noch mehr Leistung.
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