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Studienabbruch als Chance: Jeder dritte Student verlässt Hochschule ohne Abschlusszeugnis

Mehr als jeder vierte Bachelorstudent bricht sein Studium ab. Im Masterstudiengang sind es elf Prozent. Das geht aus einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung hervor. Zu ihnen gehört Michael Kamp, 27. Er studierte drei Semester Maschinenbau an der TU Berlin. Dann war Schluss. „Ich war schon immer technikbegeistert, doch dann war das Studium so theoretisch und die Anforderungen waren sehr hoch. In einer Prüfung war ich im dritten Versuch, da schmiss ich hin“, erzählt Michael. Danach wollte er unbedingt etwas Praktisches machen und Geld verdienen. Er hat sich schließlich für eine Ausbildung zum Industriemechaniker entschieden.

Zu hohe Studienanforderungen, fehlender Praxisbezug, mangelnde Motivation – die Gründe für einen Studienabbruch sind vielfältig. Doch wer tendiert eher dazu sein Studium abzubrechen und wer schließt es erfolgreich ab? Die Exmatrikulierten-Befragung des Qualitätmanagements der Universität Konstanz analysierte im Zeitraum zwischen 2010 bis 2014 die Daten von 3 327 Studenten, darunter sowohl Absolventen , Hochschulwechsler als auch Studienabbrecher. Dabei wurden soziodemographische Merkmale wie beispielsweise Geschlecht und Bildungshintergrund untersucht und inwiefern diese personenbezogenen Daten Einfluss auf den Studienerfolg haben könnten.

Dabei zeigte sich beispielsweise, dass die Abiturnoten bei Absolventen besser waren als bei Abbrechern. Außerdem beeinträchtigen Nebenjobs den Studienerfolg. So arbeiten Abbrecher im Schnitt mehr Stunden pro Woche als Absolventen . Zudem sind sie zu Beginn des Studiums schlechter informiert und haben in der Regel Probleme ihr Studium zu organisieren. Auch die Staatsangehörigkeit wirkt sich auf den Studienerfolg aus. So sind deutsche Studenten eher erfolgreich als Studierende mit einer anderen Staatsangehörigkeit . Keinen Einfluss auf den Studienerfolg haben hingegen Geschlecht, Art der Hochschulzugangsberechtigung, ob Studenten Kinder haben sowie die Frage, ob ihre Eltern studiert haben. Unterschiede zeigen sich dagegen wieder in der Studiumsgestaltung: Während es 61 Prozent der Absolventen leicht fiel, eigenständig und effizient zu arbeiten, stimmten dem nur 21 Prozent der Abbrecher zu. Rund 40 Prozent der Studienabbrecher gaben an, dass sie sich fachlich überfordert fühlten, 50 Prozent führten falsche Erwartungen als Grund an.

Esther Ottenbreit, 24, brach trotz eines Abiturs von 1,1 den Master in Konferenzdolmetschen an der Universität Heidelberg nach einem Semester ab, um in einen anderen Studiengang zu wechseln. Zuvor hatte sie den Bachelor in Vergleichender Sprach- und Literaturwissenschaft in Saarbrücken erfolgreich absolviert und immer davon geträumt Dolmetscherin zu werden.

„Die Dozenten , die größtenteils freiberufliche Dolmetscher waren, haben von ihrem Arbeitsalltag erzählt und schnell merkte ich, dass mein Traumjob wenig traumhaft ist“, erzählt Esther. Außerdem sei Kritik der Dozenten alles andere als konstruktiv gewesen. „Es gab einige Kurse, die ich nur mit Bauchweh und Angst besucht habe. Nicht wenige Kommilitonen sind weinend aus mündlichen Prüfungen gegangen“, berichtet sie.

19 Prozent der Hochschulwechsler und 25 Prozent der Abbrecher beklagten in der Konstanzer Befragung die fehlende Betreuung durch Dozenten , 36 Prozent der Abbrecher waren dem Leistungsdruck nicht gewachsen, während dies auf 22 Prozent der Wechsler zutraf. „Ich habe überlegt mir einen Job zu suchen, aber ich fühlte mich nicht bereit dazu, zumal mein Bachelor nicht berufsqualifizierend war“, so Esther. Nach zwei Fernlehrgängen im Fitnessbereich studiert sie heute Interkulturelle Europa- und Amerikastudien an der Universität in Halle. In ihrem späteren Beruf möchte sie aktiv zur internationalen Zusammenarbeit beitragen, statt eine Übersetzerstimme in einem Kopfhörer zu sein. Darum bereue sie ihren Entschluss nicht.

„Studienabbruch ist ein sensibles und komplexes Thema, aber kein Scheitern. Es ist vielleicht nicht optimal gelaufen, aber die Studierenden lernen aus der Situation und oft findet sich auch eine Alternative, die ihnen mehr liegt“, sagt Susanne Steinmann, Leiterin der Zentralen Studienberatung an der Universität des Saarlandes . Die Studienberater arbeiten unter anderem mit der IHK zusammen. Diese berät Studienabbrecher in Fragen einer Aus- und Weiterbildung.
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