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Studieren auf der Web-Insel

 Saarbrücken. Virtuelle Lehrveranstaltungen sind in vielen Universitäten an der Tagesordnung. An der Saar-Uni laufen etwa 15 Prozent aller Lehrveranstaltungen über das Internet. Videovorlesungen, die online übertragen werden, gehören längst zum Standard, und auch in Second Life hat die Saar-Uni eine Dependance eingerichtet. „Wir waren lange skeptisch, ob der Aufwand, den wir dazu betreiben mussten, sich tatsächlich lohnen würde. Aber die Studenten wollten das“, sagt Christoph Igel, Leiter der „Virtuellen Saar Universität“. Ein dreiviertel Jahr habe es gedauert, den Campus für die virtuelle Welt des Second Life zu entwickeln und anzulegen. Igel betont: „Uns geht es im ersten Schritt nicht darum, die Studenten-Zahlen hochzutreiben und für möglichst viele Neu-Einschreibungen zu sorgen. Mit unserer Dependance wollen wir die Aufmerksamkeit bei den jungen Leuten wecken und in neuen Lebenswelten präsent sein.“

Im Hörsaal auf der Saarland-Insel finden in Second Life immer mal wieder Vorträge statt, und auch die 60-Jahrfeier der Uni wurde übertragen – 60 Besucher waren per Internet dabei. Hörsaal im Internet Auf einer weiteren Second-Life-Insel haben Studenten der Universität Hamburg ihre Spuren hinterlassen. Sie haben auf einer Plattform im Wasser einen virtuellen Container-Terminal gebaut, mit dessen Hilfe die Lieferkette von Pharmaprodukten simuliert wird. Neben dem Hauptgebäude der Hamburger Uni steht eine weitere „Sehenswürdigkeit“: eine Flaschenabfüllanlage, die von Studenten konzipiert und programmiert wurde. Die Anlage läuft reibungslos – viele Besucher lockt sie aber nicht auf den Campus der virtuellen „University of Hamburg“. Den Second-Life-Präsenzen anderer Unis geht es augenscheinlich ähnlich. Auf der „European University Island“ kann man mit seinem Avatar durch die Hörsäle der Unis Darmstadt, Duisburg-Essen und Frankfurt spazieren, ohne einem einzigen Studenten zu begegnen. „Wer ohne Zielsetzung losgeht, für den ist es schwierig, interessante Veranstaltungen mitzubekommen oder Leute zu treffen“, erklärt Ralph Müller von der Goethe-Universität Frankfurt. „Man muss schon wissen, wann eine Vorlesung stattfindet oder wann ein Studienberater in seinem Second-Life-Büro sitzt.“

Einen großen Vorteil von Lehrveranstaltungen in virtuellen Welten sieht Müller vor allem, darin, dass sie ortsunabhängig sind: „Man kann beispielsweise Referenten aus Australien in den Hörsaal holen, ohne dass Reisekosten anfallen.“ Kommuniziert wird mit Kopfhörern und Mikrofonen oder per Textnachricht. Entdeckendes Lernen Schwierigkeiten bereitet bisher vor allem die Orientierung in der virtuellen Welt. Denn wer sich als Neuling plötzlich als Avatar auf dem Bildschirm wiederfindet, für den ist es nicht leicht, den richtigen Hörsaal zu finden. „Second Life ist eben eine Welt zum entdeckenden Lernen“, sagt Ralph Müller. „Und die Veranstaltungen sind noch in der Erprobung.“

Auch Wolfgang Boesche, Dozent an der Technischen Universität Darmstadt, hat den Schritt in die virtuelle Welt gewagt. In seinem Seminar „Gewalt in interaktiven Medien“ taucht er zusammen mit seinen Studenten in das Computerspiel Armed Assault (Arma) ein. Arma-Spieler hantieren für gewöhnlich mit Granaten und Maschinengewehren und sind in Panzern und Kampfhubschraubern unterwegs. Bei diesem Seminar werden in der virtuellen Spielwelt aber auch Vorträge gehalten, zum Beispiel über den „Erwerb von unerwünschtem Verhalten mit Gewalt-Computerspielen“. Die Figuren sind die virtuellen Stellvertreter von Psychologie-Studenten, die zu Hause vor ihren Computern sitzen. Eine aus psychologischer Sicht wichtige Erkenntnis hat Wolfgang Boesche während der vergangenen Monate bereits gewonnen: „Wer im wahren Leben nicht gern vor großen Gruppen referiert, dem geht es mit dem Avatar genauso.“
Christine Veenstra
 
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