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Suche nach Arbeit: Mehr Italiener ziehen ins Saarland

Ins Saarland wandern im Zuge der EU-Finanzkrise wieder deutlich mehr Italiener ein. Das geht aus neuen Daten hervor, die das Statistische Amt der SZ auf Anfrage zur Verfügung stellte. Demnach sind im vorigen Jahr 571 Italiener ins Saarland gezogen und nur 337 von hier weggezogen. Das bedeutet unter dem Strich einen Wanderungsgewinn des Saarlandes von 234 Personen. Noch bis 2009 waren mehr Italiener in ihre Heimat abgewandert als von dort zugewandert waren (siehe Infografik). Weit über 20 000 Italiener leben an der Saar. Das Saarland ist damit das einzige Bundesland, in dem die Italiener die größte nationale Minderheit noch vor den Türken sind.

Der gewählte Vertreter der Italiener im Saarland, Giovanni Di Rosa, glaubt, dass die Zuwanderung aus Italien in Wirklichkeit noch viel höher ist, als es die Zahlen des Statistischen Amtes besagen. Er verweist darauf, dass viele Einwanderer zunächst nicht gemeldet seien. Zudem bezögen sich die Zahlen der Statistiker auf 2012. Der Zuwanderungsstrom habe sich aber in diesem Jahr beschleunigt, weil sich die Krise in Italien zugespitzt habe. Di Rosa schätzt, dass im vorigen und in diesem Jahr insgesamt 1500 Italiener ins Saarland zugewandert sind. Die Arbeitslosenquote in Italien liegt derzeit bei über zwölf Prozent – längst noch nicht so hoch wie in den anderen Euro-Krisenländern, aber doppelt so hoch wie vor sechs Jahren.

„Die Bevölkerung leidet“, schrieb jetzt das „Handelsblatt“, „Hunderttausende Arbeitsplätze sind verloren gegangen.“ Eine weitere Ursache für die Abwanderung aus Italien sieht Di Rosa, der der linken Demokratischen Partei (PD) angehört, im Regierungsbündnis der PD mit der konservativen Partei von Ex-Premierminister Silvio Berlusconi: „Die große Koalition erstickt die Demokratie.“ Steffen Kröhnert vom Berlin- Institut für Bevölkerungsentwicklung sagte der SZ, einiges deute darauf hin, dass man bei der Zuwanderung von Italienern ins Saarland von einer „Kettenmigration“ sprechen könne: „Wenn es Migrationsdruck gibt – wie jetzt durch die schlechte wirtschaftliche Lage –, gehen die Menschen dorthin, wo schon Landsleute leben. Weil es da Kontakte gibt, weil man sich auskennt. Und wenn schon zahlreiche Italiener im Saarland leben, dann ist es plausibel, dass von den zuwandernden Italienern ein höherer Anteil ins Saarland kommt.“

Nina Neubecker, Zuwanderungsexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, glaubt nicht, dass der saarländische Arbeitsmarkt dadurch belastet wird. Studien für Deutschland hätten für den Zeitraum 2005 bis 2009 einen sehr hohen Akademikeranteil unter den Zuwanderern aus Südeuropa festgestellt. Dieser Anteil sei höher als bei frühereren Zuwanderergenerationen aus diesen Ländern und sogar noch höher als in der deutschen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) scheinen diese Einschätzung bisher zu bestätigen: Die Zahl der im Saarland sozialversicherungspflichtig beschäftigten Italiener ist im Zeitraum von 2008 bis 2012 von 4944 auf 5473 gestiegen. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der arbeitslos gemeldeten Saar-Italiener von 1165 auf 1048 zurück.


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