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Tätowierer: Ulrich Zimmer gibt Einblicke in seine Kunst

»Ich hatte schon immer Spaß am Zeichnen und wollte gerne etwas Künstlerisches, Kreatives machen. Irgendwann habe ich in Trier einen Tätowierer kennengelernt, der mir alles beigebracht hat. So kam dann eins zum anderen«, sagt Zimmer, der vor neun Jahren sein erstes Tattoo gestochen hat.

»Ich hatte schon immer Spaß am Zeichnen und wollte gerne etwas Künstlerisches, Kreatives machen. Irgendwann habe ich in Trier einen Tätowierer kennengelernt, der mir alles beigebracht hat. So kam dann eins zum anderen«, sagt Zimmer, der vor neun Jahren sein erstes Tattoo gestochen hat.

Saarbrücken. Es sei ein schöner Schmerz, sagt Marco, eher im Spaß und beobachtet geduldig, wie Ulrich Zimmer die Innenseite seines linken Oberarms immerzu mit einem Bündel Nadelspitzen bearbeitet. „Es fühlt sich an, als würde man mit einem Stift über einen Sonnenbrand streichen“, beschreibt der 39-Jährige das Gefühl, das er bereits gut kennt. Zum Wolpertinger, der sich auf seinem Arm wohlfühlt, den beiden Schiffen, die über seine Brust segeln, dem Hahn, der auf seinem Fuß stolziert, und all den anderen Tattoos, die Marcos Haut in bunten Farben zieren, soll heute ein weiteres Motiv hinzukommen. „Es wird ein Hirschkäfer. Ulrich meint, das würde gut passen“, lautet seine Erklärung für die Motivwahl. Ulrich Zimmer fügt hinzu: „Außerdem wollte ich schon immer mal einen Hirschkäfer stechen.“ Beide müssen lachen. Sie kennen sich schon lange. Marco hat sich vier seiner Tattoos von Zimmer stechen lassen. Er mag seinen Stil und seine Arbeitsweise, vertraut ihm und schätzt die Atmosphäre in dem Studio in der Saarbrücker Johannisstraße. Dort schmücken etliche von Zimmers Tattoo-Zeichnungen die Wände. Skateboard-Decks, die er und andere Künstler entworfen haben, sind aufgereiht. Alte Möbel verleihen eine gemütliche Stimmung.

Feste Prinzipien

„Ich hatte schon immer Spaß am Zeichnen und wollte gerne etwas Künstlerisches, Kreatives machen. Irgendwann habe ich in Trier einen Tätowierer kennengelernt, der mir alles beigebracht hat. So kam dann eins zum anderen“, sagt Zimmer, der vor neun Jahren sein erstes Tattoo gestochen hat. Ein Om-Symbol. Und zwar bei sich selbst. „Dabei habe ich mir ein Loch ins Bein gebohrt, weil ich mit der Maschine zu lange auf einer Stelle geblieben bin.“

Dass Tätowierer kein anerkannter Lehrberuf ist und im Grunde jeder ein Tattoo-Studio eröffnen kann, sieht Zimmer gelassen. „Wo und von wem man sich ein Tattoo stechen lässt, bleibt ja jedem selbst überlassen“, sagt der 37-Jährige. Nicht nur Marco weiß Zimmers Kunst zu schätzen, wie ein Blick in dessen Terminkalender belegt. Wer sich von ihm tätowieren lassen will, muss lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Auf Monate hin ist Zimmer ausgebucht. Dabei macht er keinerlei Werbung, sondern setzt auf Mundpropaganda seiner Kunden. Zurückhaltung aus Überzeugung. Auch was seine Kunst betrifft, hat Zimmer feste Prinzipien. „Ich würde nie jemandem ein Tattoo machen, hinter dem ich nicht stehen kann. Faschistische Symbole würde ich beispielsweise niemals stechen.“ Zwar arbeitet er auch nach Vorlagen, am liebsten mag er es jedoch, wenn Kunden mit einer Idee zu ihm kommen und er eine Zeichnung nach eigenen Vorstellungen anfertigt. So war es auch im Falle von Marcos Hirschkäfer. Über die Wahl der Farben haben sich beide vorab unterhalten, danach hat Zimmer die Vorlage gezeichnet und auf eine Blaupause kopiert, die wie ein Abziehbild auf Marcos Haut übertragen wurde.

Vor dem ersten Stich müssen alle Tattoo-Utensilien, die mit Marco in Berührung kommen, sterilisiert werden. „Nadeln sind selbstverständlich Einmal-Produkte“, sagt Zimmer, für den die schwarzen Gummihandschuhe zur Arbeitskleidung zählen. Mit einer elektrischen Spulen-Maschine, an deren Ende sich bis zu 13 kleine, gebündelte Nadeln befinden, bringt er Farbe unter Marcos Haut. Für die Konturen verwendet er weniger Nadeln, für die größeren Flächen mehrere. Wie viele genau, will er nicht verraten. „Da hat jeder Tätowierer so sein Geheimnis.“

Eine summende Pistole

Immer wieder taucht er die Nadeln in kleine Farbdosen – ebenfalls Wegwerf-Produkte –, drückt sie danach in die Haut, damit die Tätowier-Maschine, die einer kleinen Pistole ähnelt, unter lautem Summen dafür sorgen kann, dass sich die ausgewählte Stelle in ein buntes Kunstwerk verwandelt. Knapp zwei Stunden dauert die Prozedur, lediglich unterbrochen für eine kurze Pause, die Zeit für einen Espresso und eine Zigarette lässt. Zum Schluss wird das Tattoo mit Vaseline eingerieben und mit Folie abgedeckt. „Damit nichts in die Wunde kommt“, erklärt Zimmer. Dass Marco mit dem Resultat zufrieden sein würde, war ihm schon vorher klar. Jetzt lautet sein Urteil: „Es ist noch besser, als ich gedacht habe.“ Zimmer reinigt seinen Arbeitsplatz und macht das Licht aus. Marco war heute sein letzter Kunde. Und ein weiterer, der nun ein wenig bunter ist.




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