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„Tafel“ schickt Gerichts- Vollzieher

Die acht saarländische „Tafeln“ berichten von einem Wettkampf um Lebensmittel. Die frühere Quierschieder „Tafel“, der die Namensnutzung untersagt wurde, trete weiter bei Spendern als „Tafel“ auf.

Von SZ-Redakteur Michael Jungmann

Völklingen/Quierschied. Die Querelen wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der früheren „Tafel“ in Quierschied bereiten den Verantwortlichen der acht saarländischen „Tafeln“ in Saarbrücken, Völklingen, Homburg, Neunkirchen, St. Wendel, Saarlouis, Dillingen und Wadern große Probleme. Gegen drei Vorstandsmitglieder des Quierschieder Vereins, dem - wie berichtet - vom Bundesverband der „Tafeln“ in Berlin die Nutzung der Namensrechte untersagt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdacht der Unterschlagung von Spenden. In diesem Zusammenhang ist von Selbstbedienung die Rede.
Bei einem Treffen der „Tafel“-Vertreter am Donnerstag in Völklingen mit Bernd Neizert, dem für das Saarland zuständigen Vertreter des Bundesverbandes, wurde beklagt, dass der Quierschieder Verein offenbar weiter mit der Visitenkarte „Tafel“ bei Geschäften Lebensmittel-Spenden einsammelt. Die offiziellen „Tafeln“ gingen dann mitunter leer aus. Neizert dazu: „Das darf nicht sein. Wir haben den Verein abgemahnt. Er darf weder auf Visitenkarten und Briefbögen, noch auf Fahrzeugen das Tafel-Logo führen. Im Wiederholungsfall wird ein Zwangsgeld angedroht. Das Schreiben wurde per Gerichtsvollzieher zugestellt.“ Neizert berichtete, dass sich ein Rechtsanwalt gemeldet habe, der dem Entzug der Namensrechte widersprochen habe.
Neizert informierte die Vertreter der Saar-„Tafeln“ gestern auch, dass ein großer Pizzahersteller seine Spenden an die Tafeln eingestellt habe. Die Begründung: Gespendete Pizzen seien „definitiv verkauft“ worden. Angeblich wurden in der Vergangenheit in Quierschied fünf Euro pro Karton kassiert. Die Vertreter der acht saarländischen Tafeln kommentierten dies gestern mit dem Hinweis: „Wir garantieren: Alle Spenden gehen an Bedürftige.“
Um der alten „Tafel“ in Quierschied das Wasser abzugraben wurde zwischenzeitlich ein neuer Verein gegründet, der nach Neizerts Angaben den Namen „Tafel“ führen darf. Erster Vorsitzender ist Siegfried Monz. Ihm stehen 18 ehrenamtliche Helfer zur Seite. Dem neuen Verein, der jetzt die Spender gezielt informiert, wurde gestern von allen Saar-„Tafeln“ Starthilfe und Rückendeckung zugesagt. Ab Dienstag, 3. Februar, will Monz aus einer Garage heraus mit der Lebensmittelausgabe beginnen. Bis dahin werden Bedürftige aus dem Fischbachtal von den „Tafeln“ in Neunkirchen und Saarbrücken mit betreut.




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Meinung

Gefahr für den guten Namen


Von SZ-Redakteur Michael Jungmann

Ob die Selbstbedienungs-Vorwürfe gegen Verantwortliche der Ex-„Tafel“ in Quierschied zutreffen, muss möglicherweise irgendwann ein Strafrichter entscheiden. Noch ermittelt der Staatsanwalt. Der Bundesverband der „Tafeln“ hat bereits seine Konsequenzen gezogen, dem Verein mangels Nachweis der Gemeinnützigkeit die Namensrechte entzogen, was aber offenbar nicht akzeptiert wird. Jetzt droht ein Wettrennen um Lebensmittel zwischen alter und neuer „Tafel“ zu Supermärkten. Die Spender haben die Qual der Wahl, wem sie ihre Waren anvertrauen. Verlierer in diesem Streit sind die Hilfsbedürftigen und die aufrichtigen ehrenamtlichen Helfer. Zudem steht der gute Ruf der „Tafeln“ auf dem Spiel.


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