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„Tat & Rat“: Projekt in Neunkirchen hilft straffälligen Jugendlichen

Sie sind verpflichtet zu kommen, weil sie kriminell waren. Sie haben geklaut oder andere verletzt. „Häufig auch mehrfach“, sagt Psychologe Hans Gall vom Projekt „Tat & Rat“. Eigentums- und Gewaltdelikte sind die häufigsten Straftaten, sagt er, weswegen das Gericht Jugendliche zwischen 14 und 21 dem Projekt des Diakonischen Werks zuweist. Andernfalls müssen sie in den Knast. „Das Projekt ist eine Sanktionsalternative zum Jugendarrest“, sagt Justiz-Staatssekretärin Anke Morsch. Bei „Tat & Rat“ werden straffällig gewordene Jugendliche aus dem Raum Neunkirchen und St. Wendel sozialpädagogisch betreut und nehmen an handwerklichen und kreativen Arbeitskursen teil. So sollen sie in ein rechtstreues Leben zurückfinden. „Das Projekt ist sehr viel konstruktiver als die Strafe in der Arrestanstalt. Es wirkt länger und nachhaltiger“, sagt Morsch. Ein Arrest könne bis zu vier Wochen dauern, die Regel läge aber deutlich darunter. An „Tat & Rat“ nehmen die Jugendlichen, je nach Beschluss, zwischen sechs und zwölf Monaten teil. Mit bis zu zehn Mädchen und Jungen arbeiten die Projektmitarbeiter an Wochenenden in der Gruppe zusammen.

Während der Woche besuchen Jugendliche mit Betreuungsweisungen das Projekt. Für sie ist eine längerfristige Einzelbetreuung vorgesehen. Oft belasten die jungen Menschen viele Dinge über das Delikt hinaus, von Armut bis zu den schlechten Aussichten auf eine Ausbildung. „Die Jugendlichen kommen verstärkt am Nachmittag zu Gesprächen – auch solche ohne eine Betreuungsweisung “, erzählt Heike Petersen, Diplompädagogin und Projektmitarbeiterin, „die Anzahl der Einzelgespräche ist sehr gestiegen“.

2011 wurden 116 Jugendliche dem Projekt zugewiesen, 2012 waren es zwar nur 98, doch „es war auffällig, dass dies Jugendliche mit wesentlich intensiverem Betreuungsaufwand waren“, sagt Gall. 23 von ihnen kamen mit Betreuungsweisungen. In diesem Jahr sind unter den bislang 83 aufgenommenen jungen Menschen bereits 20 mit Betreuungsweisung. Morsch bestätigt: „Die Fallzahlen haben permanent zugenommen, die Problemfelder werden komplexer“. Mittlerweile erreichen das Projekt mehr Anfragen, als es bedienen kann.

Dabei musste das Diakonische Werk 2012 eine halbe Stelle kürzen. Das Geld war knapp. Nun gab es eine erneute Finanzspritze vom Ministerium der Justiz. Morsch überreichte dem Diakonischen Werk einen Zuwendungsbescheid über 63 000 Euro. Im vergangenen Jahr flossen 3000 Euro mehr. „Das Land muss viel sparen“, so Morsch. Sie bezeichnet die Differenz als „symbolische Kürzung von drei Prozent“ und ein „deutliches Signal unseres guten Willens, in Zeiten, in denen wir durch die Bank 15 Prozent sparen müssen“. Damit der Träger verlässlich planen könne, versuche das Ministerium das Niveau zu halten.

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