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Taugen Elektrofahrräder für Saarbrücken?

Auch Smart steigt im ersten Halbjahr2012 erstmals in die Produktion von Elektro-Fahrrädern ein.

Auch Smart steigt im ersten Halbjahr2012 erstmals in die Produktion von Elektro-Fahrrädern ein.

Saarbrücken. In den 90ern hießen sie Elektrofahrräder. Heute E-Bikes oder Pedelecs. Nicht nur die Technik hat sich verbessert, auch die Optik. Ich bin skeptisch: Elektro-Räder sind was für Senioren, Menschen mit Einschränkungen oder Tretfaule, denke ich. Seit 2005 haben sich die Verkaufszahlen in Deutschland von rund 25 000 auf etwa 200 000 in 2010 verachtfacht. Ein Boom, keine Frage. Unsere städtische Müllabfuhr, der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE), hat vergangene Woche zwei Elektroräder in Betrieb genommen. Die Deutsche Post nutzt sie schon seit Anfang der 90er.

„Im 66er Postleitzahlengebiet werden 170 E-Bikes eingesetzt“, sagt Pressesprecher Heinz-Jürgen Thomeczek, um „schwierige topografische Verhältnisse“ auszugleichen und Postzustellern „über 50 Jahren die Arbeit zu erleichtern“. Mit meiner Annahme, den Parcours zu meistern, ohne zu treten, liege ich falsch. Daniel Walter, Fachmann bei „Tolle Räder“ in der Vorstadtstraße 45, erklärt: „Sie müssen treten. Ohne Ihr Zutun springt der Elektromotor nicht an. Ist ja kein Mofa.“ Dann zeigt er mir mein Testrad. Es ist von Cube, schwarz, cool, sieht aus wie ein Mountainbike und hört auf den Modellnamen „Epo“. Im Gegensatz zum gleichnamigen Dopingmittel ist mein Rad legal und für den Straßenverkehr zugelassen, schmunzelt Walter. „Das Rad hat einen Hinterradmotor“, sagt er, „der Akku ist in der Sattelstütze versteckt und hat etwa eine Reichweite von 70 Kilometern.“ Drei Stufen stehen zur Wahl.



„Bei 25 km/h schaltet sich der Motor ab. Sie können schneller fahren, aber dann nur durch Eigenleistung.“ Die Bedienung ist simpel, den Schub merkt man sofort. Von hinten scheint mich eine unsichtbare Hand anzuschieben. Nicht unangenehm oder ruckartig, sondern weich und gleichmäßig. Mein Tacho zeigt 33 km/h. Vom Motor hört man keinen Mucks. Ich biege ab in die Feldmannstraße. Vor mir rackert sich ein junger Mann ab. Er fährt Schlangenlinien. Und ich? Mich schiebt der Motor. Ich fahre an dem staunenden Radfahrer vorbei. Meine Spur ist wie an einem Faden gezogen. Der Tacho zeigt 31 km/h. Drei Bauarbeiter in einem Kleinlaster kurbeln ihr Seitenfenster runter, um mir für meine sportliche Fitness zu gratulieren. „Chapeau!“, rufen sie. Es ist immer noch Fahrradfahren, trotz Motor – auch körperlich, aber bei weitem nicht so anstrengend wie mit einem normalen Rad, und es macht sehr viel Spaß! Am Staden biege ich falsch ab. Vor mir liegt eine steile Treppe. Jetzt dämmert mir auch ein Nachteil. E-Bikes sind „viel schwerer als gewöhnliche Fahrräder“, hatte mich Christian Buric, Pressesprecher des ADAC Deutschland, gewarnt. Über 20 Kilo wiegt mein Rad, fast doppelt so viel wie gewöhnliche Trekkingräder. Ich drehe um. „Gute Elektro-Räder sind meist auch teuer“, so Buric. Meins kostet bei „Tolle Räder“ über 2500 Euro. „Mit den E-Bikes bewegen wir uns außerdem in einer rechtlichen Grauzone.



Helmpflicht? Benutzung von Fahrradwegen? All das muss noch geklärt werden.“ Und natürlich erreicht man mit E-Bikes höhere Geschwindigkeiten, die auch die Unfallgefahr erhöhen können, meint der ADAC. „By Schulze“, Vorstadtstraße 53, leihe ich mir ein weiteres EBike. Diesmal in klassischer Form mit tiefem Einstieg. Chef Markus Schulz hat sich mit seinem Geschäft auf E-Bikes spezialisiert. Er empfiehlt mir ein Kompaktrad von „Flyer“, „weil es ein Familien- und Alltagsrad ist. Kinder, Oma und Eltern können damit fahren“. Der Anschub ist bei den Modellen mit Mittelmotor nicht mehr so stark, aber den Anstieg am Triller bezwinge ich in weniger als drei Minuten. Ein schwitzendes Pärchen auf ihren Rennrädern ruft mir lachend „Schiebung!“ hinterher. „Nicht nur Senioren kaufen E-Bikes“, sagt Schulz „sondern auch viele Berufspendler, die nicht verschwitzt zur Arbeit kommen möchten. Familien, die einen Anhänger montieren, um ihre Kinder damit zu transportieren. Und viele, die einfach mehr Fahrradfahren wollen. Unser ältester Kunde ist 92 Jahre alt.“ Am nächsten Tag habe ich Muskelkater. Von wegen nur was für Faule, denke ich.
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