A6 Metz/Saarbrücken - Kaiserslautern AS Saarbrücken-Fechingen in beiden Richtungen Gefahr durch Personen auf der Fahrbahn (22:47)

A6

Priorität: Sehr dringend

2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Taxifahrer-Streik: Ärger über eigene Kollegen

St. Wendel. So kann's nicht weiterlaufen. Darum gehen St. Wendeler Taxifahrer auf die Straße – und ließen dort ihre Kunden eine Stunde während der auftragreichen Nachtschicht stehen. Streik. Sie fühlen sich missachtet. Die Wut ist groß, beschreibt Walter Hoffmann die Stimmung unter seinen Kollegen. Auf Landratsamt, Polizei, eigensinnige Kollegen.

Der 58-Jährige aus Oberlinxweiler ist einer der Chauffeure, die die Schnauze voll haben. Weil Fremde in ihrem Revier trotz Verbots wilderten. Nur ortsansässige Unternehmen dürfen an den Taxiständen in St. Wendel auf Kunden warten. „Das sind sieben Betreiber“, sagt er. Zu Stoßzeiten mit über 15 Wagen: besonders in den Nächten am Wochenende, wenn die Disco Flash Partygänger in die Kreisstadt lockt.

Damit gehen die Probleme los. Denn laut Hoffmann zieht das auch Taxiunternehmer aus anderen Landkreisen an. Die dürfen aber nur in ihrem Gebiet Fahrten anbieten. Ausgenommen: zuvor telefonisch vereinbarte Aufträge. „Seit einem halben Jahr ist das ganz extrem.“ Aus Merzig-Wadern, Neunkirchen, sogar aus Saarbrücken reihten sich Fahrer dort ein, wo nur St. Wendeler Betreiber was verloren haben. Hoffmann: „Und die Polizei und der Landkreis schauen zu.“



Das sieht Dietmar Böhmer von der Polizeibezirksinspektion in der Kreisstadt anders. „Die St. Wendeler Taxifahrer haben Recht, dass keine Fremden hier ihre Dienste anbieten dürfen.“ Es habe wiederholt Kontrollen mit Ermittlern in zivil gegeben.  Der 59-Jährige: „Aber der Nachweis ist kaum zu führen.“ Bevor Polizisten den Taxifahrer mit fremder Autonummer auf St. Wendels Bann stoppen, habe er sich längst mit seinen Fahrgästen verbrüdert. Die behaupten, ihn telefonisch geordert zu haben – völlig legal. Schon sei er aus dem Schneider.

Auch Fatma Schlaup entgegnet. Die Sprecherin der St. Wendeler Kreisverwaltung: „Unsere Straßenverkehrsbehörde hat im Juni die Verkehrspolizeiinspektion in Dudweiler beauftragt, eine ganze Nacht zu kontrollieren. Aber es wurden keine Verstöße festgestellt.“ Das bedeute zwar nicht, dass es keine gibt. Nur die seien eben durch die Absprachen mit den Kunden kaschiert.

Das stellt auch Werner Hartmann fest, Chef des Verkehrskommissariats 3 in Dudweiler. Ihm sei das Problem bekannt, dass übrigens nicht nur ein St. Wendeler sei. Überall im Saarland stritten Taxifahrer um Pflichtfahrbereiche. &rahkv; Soll dieser Zores dem Kunden nicht einerlei sein? Klares Nein von Hartwig Schmidt (40) vom Landesverband Verkehrsgewerbe Saarland (LVS) in Saarbrücken. Der dortige Personenverkehr-Geschäftsführer, dessen Organisation 140 der landesweit 300 Taxiunternehmen vertritt: „Das seit 1960 geltende Gesetz über die Pflichtfahrbereiche gibt Kunden Sicherheit.  Denn in diesen Zonen sind die Taxifahrer verpflichtet, Menschen mitzunehmen.“ Bei einer Liberalisierung befürchtet er, dass Anbieter nach rein wirtschaftlichen Interessen Fahrten auch ablehnen.



Um das bisherige Bereichssystem zu vereinfachen, arbeiteten das Saar-Umweltministerium als Landesverkehrsbehörde, die Landräte sowie der LVS an einem Pflichtfahrbereich fürs gesamte Land. In dem könnten alle Saar-Taxifahrer frei auf Kundenfang gehen. Bisher sind es acht Gebiete, die das einschränken: die fünf Landkreise, der Regionalverband plus die Städte St. Ingbert und Völklingen.

Weniger davon angetan ist Michael Arnold, Ansprechpartner für den Verkehrsbereich bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) des Saarlandes. Er hält ein einheitliches Gebiet für kritisch. Der 36-Jährige: „Ich sehe Gefahr für den ländlichen Raum.“ Denn bei einem einzigen Gebiet würden Unternehmer in die Ballungszentren wegen des dort höheren Kundenaufkommens ausweichen.

Stichwort

Das Personenbeförderungsgesetz regelt in Paragraf 47 den „Verkehr mit Taxen“. Der legt fest, wer wo Kunden mitnehmen darf. Das Gesetz gibt vor, dass Taxistandplätze ausgeschildert sein müssen. Es bestimmt, dass nur Taxibetreiber aus dem entsprechenden Ort an jenen Haltepunkten ihre Wagen platzieren dürfen. Das verbietet allerdings nicht, dass ein Fahrgast telefonisch ortsfremde Betreiber bestellt. hgn 
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein