-1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
-1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
-1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Teure Platten aus Saarbrücker Bahnhofstraße kommen weg

Bald ein Bild der Vergangenheit? Die Saarbrücker Bahnhofstraße am 10.09.2013.

Bald ein Bild der Vergangenheit? Die Saarbrücker Bahnhofstraße am 10.09.2013.

Die guten Nachrichten zuerst: Diesmal soll alles in der Bahnhofstraße preisgünstig, stabil und pflegeleicht werden. Und diesmal bezahlen die Stadt und ihre Stadtwerke (SWS) auch alles selbst. Alles, was nötig ist, um die Gas- und Wasserleitungen in der Bahnhofstraße zu sanieren. Und alles, was sie brauchen, um die Fußgängerzone anschließend wieder fein zu machen. Diesmal bleiben die Eigentümer der Immobilien in der Bahnhofstraße ungeschoren – denn die Stadt will diesmal kein Geld gemäß „Straßenausbaubeitragssatzung“ (Strabs) kassieren.

All das war nicht immer so: Als die Bahnhofstraße 1994 bis 1997 für rund 14 Millionen DM zur Fußgängerzone umgebaut wurde, mussten die Anlieger etwa 5,5 Millionen (40 Prozent) davon übernehmen. Allein 8,3 Millionen gingen fürs Pflaster drauf. In der Mitte liegen simple graue Beton-Verbundsteine. Links und rechts davon sind Beton- Verbundsteine mit einer drei Zentimeter dicken Oberschicht aus brasilianischem Granit, genannt Rosa Tupin. Unter den Kolonnaden ist der Betonsockel unterm Tupin sechs Zentimeter dick, vor den Kolonnaden elf Zentimeter. Unter den Verbundsteinen vor den Kolonnaden ruhen 70 Zentimeter Schotter. Saarbrückens damaliger Baudezernent Horst Wagner hatte die Platten ausgesucht; Quadratmeterpreis zwischen Viktoria- und Dudweiler Straße 620 DM – davon 550 DM allein für den Tupin.

Der Verband der Baustoffindustrie im Saarland (VBS) kritisierte Tupin als zu teuer und empfindlich. Um das Gegenteil zu beweisen, ließ Wagner am 5. Dezember 1995 einen Löschzug der Berufsfeuerwehr mit vier Autos, darunter Drehleiter und ein 18-Tonnen- Großtanklöschfahrzeug, von der Viktoriastraße durch die Bahnhofstraße zur Sulzbachstraße rollen. Das Pflaster hielt. Schon im Dezember 1994 – als gerade mal die Kolonnaden fertig waren – kritisierten Bürger, dass der Tupin schnell fleckig wurde und Kaugummis dort außerordentlich gut hafteten. Dazu erklärte Wagner: „Ich habe noch nie eine Stadt gesehen, in der gehenderweise so viel gegessen wird wie in Saarbrücken.“

Er empfahl der Bevölkerung, „mehr Sensibilität für den öffentlichen Raum zu entwickeln“. 1998 ließ die Stadt von Spezialisten demonstrieren, dass man die Kaugummis durchaus entfernen kann – mit Trockeneis (minus 80 Grad kalt), das auf die Gummis gestrahlt wird; einmal Bahnhofstraße sauber machen mit dieser Technik hätte damals 200 000 DM gekostet. Viermal wären pro Jahr nötig gewesen. 2010 erklärte die Stadt, dass sie pro Jahr 90 000 Euro für die Kaugummis in der Bahnhofstraße lockermachte. Bei den jetzigen Bauarbeiten in der Bahnhofstraße will die Stadt die Fehler der 90er Jahre nicht wiederholen.

Erst reparieren die SWS ihre Gas- und Wasserleitungen. Parallel dazu verschwinden die Tupin-Platten, die jetzt noch auf der „Fahrbahn“ liegen – also zwischen den Kolonnaden und den grauen Betonplatten in der Straßenmitte. Dann wird der Tupin erst mal durch Asphalt ersetzt. Und wenn 2015 alles andere fertig ist, kommt über den Asphalt ein neuer Boden. Wie der aussieht, ist noch nicht klar. Entscheiden soll diesmal aber nicht das Baudezernat, sondern der Stadtrat – versichert die Stadt. Fest steht: Nach den Erfahrungen mit dem Tupin werden es keine Platten mehr sein – zu zerbrechlich. Im Gespräch ist unter anderem das Material, das auch auf dem Rabbiner-Rülf-Platz liegt, es heißt Possehl.

Es gilt als sehr robust, rutschfest und kostet gerade mal etwa 45 Euro pro Quadratmeter. Nur in Sachen Kaugummi ist Possehl genauso problematisch wie Tupin. In der Mitte der Bahnhofstraße bleibt der graue Beton. Und unter den Kolonnaden bleibt der Tupin, dort fahren ja keine Autos. Wenn doch was kaputtgeht, lässt es sich künftig preisgünstig ersetzen. Denn die Stadt wirft den Tupin, den sie an der Fahrbahn ausbaut, nicht weg, sondern lagert ihn im Bauhof Mitte in der Fichtestraße und im Bauhof West in Gersweiler. Dort liegen bereits einige hundert Platten.


Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein