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Teurer Pingusson-Leerstand: Sicherung des Ex-Kultusministeriums kostet Steuerzahler 96 000 Euro pro Jahr

Noch immer ist unklar, was aus dem Pingusson-Bau in Saarbrücken werden soll. Foto: Bilderwerk/Stadtarchiv

Noch immer ist unklar, was aus dem Pingusson-Bau in Saarbrücken werden soll. Foto: Bilderwerk/Stadtarchiv

Saarbrücken , deine Bauruinen: wie auf einer Perlenschnur sind sie längs der Stadtautobahn aufgereiht, die leerstehenden Gebäude: HTW-Hochhaus, Pingusson-Denkmal (ehemaliges Kultusministerium) und Museums-Erweiterungsbau. An letzterem wird freilich mittlerweile tüchtig weiter gebaut – ein Minister, Ulrich Commerçon ( SPD ), hat die Rettung des verschrieenen „Murksbaus“ zur vornehmsten Aufgabe seiner ersten Amtszeit erklärt. Und es läuft. Auch für die sanierungsbedürftige französische Botschaft der 1950er Jahre, das Pingusson-Hochhaus, macht sich der Kultusminister stark, weiß sogar Finanzminister Stephan Toscani ( CDU ) an seiner Seite.

Doch nichts geht. Seit sechs Jahren nicht. Und auch in absehbarer Zeit nicht. Das jedenfalls legt die jüngste Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Fraktion der Linken zum Stand der Dinge beim von Henri Pingusson geschaffenen Baudenkmal nahe. Dessen Weiternutzung, liest man sinngemäß in der Drucksache 15/1662 vom 18. Januar, hänge auch an der Sanierungsvariante und deren Kosten . Doch die wiederum seien nur kalkulierbar auf der Basis eines Nutzungskonzeptes.

Absurdistan? Im Dokument heißt es wörtlich: „Die Frage (nach den Sanierungskosten, Anm. der Red.) kann nicht zuverlässig pauschal beantwortet werden. Die Kosten hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab“. Und: Die „erforderlichen Sachverhaltsermittlungen“ seien noch nicht „vollumfänglich“ abgeschlossen. Das im Sommer 2014 in Auftrag gegebene Betongutachten für die Fassade liege zwar vor – geschätzter Sanierungsaufwand: zwei Millionen Euro –, doch nun müssten weitere „Prüfungen“ durch die Bauverwaltung und Untersuchungen folgen, weil der Rechnungshof dies gefordert habe.

Man kennt diese Argumentation seit Monaten. Nicht fest legt sich die Regierung, ob das Gebäude womöglich veräußert wird, auch nicht, ob das Kultusministerium wieder zurück zieht, obwohl es dazu einen Kabinettsbeschluss gibt.

Klarheit schafft die Antwort nur in ganz wenigen Punkten. Definitiv ausgeschlossen wird eine Nutzung des Gebäudes durch die Hochschule für Technik und Wirtschaft. Konkret und neu ist auch die Angabe der Kosten , die der Leerstand verursacht: 8000 Euro pro Monat werden für „Erhalt und Verkehrssicherung“ aufgewandt.

Für die Linken-Abgeordneten Barbara Spaniol und Astrid Schramm ist das inakzeptabel angesichts der Miete (rund 120 000 Euro monatlich), die das Land für die Alte Post aufbringe, wo das Kultusministerium jetzt untergebracht ist. Sie sprechen von einer „abenteuerlichen“ Ratlosigkeit der CDU /SPD-Regierung.

Auch der Präsident der Saar-Architektenkammer Heiko Lukas, der eine städtebauliche Gesamtlösung für das Areal (2,5 Hektar) unter Bürgerbeteiligung fordert, hält den Stillstand für „nicht nachvollziehbar“ und „nicht hinnehmbar“. Das ausufernde Weiterprüfen bezeichnet er als „rätselhaft“. Vor allem, so Lukas, schädige der Leerstand die Substanz und verteuere die Sanierung.

 

Meinung:
 

Schämt euch!

Von Cathrin Elss-Seringhaus

Wo ein politischer Wille ist, gibt es meist auch einen Finanzierungsweg. Zumindest aber: Klarheit über Kosten . Doch statt Fakten liefert die Landesregierung seit Jahren Nebelkerzen-Statements. Sie bezeugen eine provokante Saumseligkeit und Entschlusslosigkeit, die nicht nur unnötig Steuergeld kostet, sondern die Regierungschefin auch Autorität. Längst hätte Annegret Kramp-Karrenbauer , die Sachwalterin der Frankreichstrategie, eine eigene Pingusson-Strategie vorlegen müssen. Stattdessen dreht sich ein Perpetuum mobile immer neuer Gutachten um eines der bedeutendsten Denkmäler des Landes. Es ist eine Schande.
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