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Teures Tholeyer Bad: Jetzt sollen alle zahlen

 Schaumbergbad in Tholey

Schaumbergbad in Tholey

Der St. Wendeler Landrat und die Bürgermeister der acht Kommunen im Kreis sitzen zusammen an einem Tisch. Regelmäßig treffen sie sich. Es gibt feste Themen. Stichwort: interkommunale Zusammenarbeit. So auch vergangene Woche. Was genau besprochen wurde, ist nicht bekannt. Aber um eines ging es nicht: das Bäder-Konzept und Zuschüsse des Kreises für das Tholeyer Schaumbergbad. Dafür ist dies jetzt Thema im Kreistag. Wo die Bürgermeister als Eigentümer der Bäder nicht dabei sind.

Zum Hintergrund: Im Mai hat der Tholeyer Gemeinderat einstimmig eine Resolution verabschiedet. Darin wurde ein „Masterplan Bäder im Saarland“ gefordert (wir berichteten). Und die Idee präsentiert, dass die Kosten der Bäder künftig von drei Schultern gestemmt werden sollten: der Kommune, in der das Bad steht, dem Kreis und dem Saarland.

Auf diese Resolution hat jetzt der Landkreis St. Wendel reagiert. In den Unterlagen zur Kreistagssitzung am kommenden Montag findet sich der Tagesordnungspunkt „Beteiligung des Landkreises St. Wendel an den Betriebs- und Investitionskosten des Erlebnisbades Schaumberg“. Darin wird erklärt, dass im Fall von Tholey nicht auf ein Bäder-Konzept gewartet werden könne. Der Vorschlag der Verwaltung: Ab dem Haushaltsjahr 2016 beteiligt sich der Kreis an Betriebs- und Investitionskosten des Schaumbergbades. Das heißt, über die Kreisumlage würden sich auch alle Kommunen im St. Wendeler Land an der Finanzierung des Tholeyer Bades beteiligen.

Zahlen und Fakten: Das Schaumbergbad schlägt jährlich mit einem Defizit von zirka 900 000 Euro zu Buche. Darin enthalten ist auch das Minus, das die Gastronomie regelmäßig einfährt. Seit 2011 hat die Gemeinde kräftig an der Sparschraube gedreht und somit 600 000 Euro eingespart. Doch das ist angesichts der leeren Kassen noch nicht genug.

Warum ausgerechnet das Schaumbergbad sofort unterstützt werden soll, begründet Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt ( CDU ) mit dessen überregionalen Bedeutung. Lediglich 20 Prozent der jährlich knapp 200 000 Besucher kämen aus der eigenen Gemeinde. 27 Prozent der Badegäste stammen aus Kommunen im Landkreis St. Wendel , 39 Prozent aus dem übrigen Saarland.

Ist das tatsächlich eine Sonderstellung? Zum Vergleich die Zahlen des Weiselbergbades in der Gemeinde Freisen. Auch hier stammen nach Angaben von Bürgermeister Karl-Josef Scheer ( SPD ) nur 20 Prozent der Badegäste aus der Gemeinde Freisen. Die übrigen Besucher kommen aus dem Ostertal, den Kreisen Birkenfeld und Kusel. Bäder seien nunmal defizitär. Das sei überall so. Wobei der Freisener Verwaltungschef nicht verstehen kann, dass das auch für die Gastronomie gilt. „Wir haben die Cafeteria verpachtet und verdienen damit Geld.“ Solche Überlegungen gibt es auch in Tholey, umgesetzt wurden sie allerdings noch nicht.

Es ist Scheer deutlich anzumerken: Er ist sauer. Über die Kreisumlage soll seine Gemeinde künftig das Schaumbergbad mitfinanzieren. Und was ist mit dem eigenen Bad? Was den Verwaltungschef aber noch mehr ärgert, ist die Tatsache, dass alle Bürgermeister sowie der Landrat zusammengesessen haben und dieses Thema nicht angesprochen worden sei. Rückendeckung gibt es von den Amtskollegen Werner Laub (Marpingen, SPD ), Theo Staub (Namborn, SPD ) und Franz-Josef Barth (Nonnweiler, parteilos). Auch sie kritisieren, dass ein „Grundsatzbeschluss ohne vorherige Diskussion mit den Bürgermeistern und Gemeinderäten durch den Kreistag gepeitscht werden soll“. Dies stehe im Gegensatz zu allen Bemühungen für mehr interkommunale Zusammenarbeit und belaste das Vertrauensverhältnis zwischen Kreis und Gemeinden. Das sieht Stephan Rausch ( CDU ), Bürgermeister in Oberthal, ähnlich. Als er von dem Tagesordnungspunkt erfuhr, hielt er dies zunächst für einen Scherz. „Das Thema gehört unter dem Stichwort interkommunale Zusammenarbeit auf die Agenda und nicht versteckt auf die Tagesordnung des Kreistags, und das Umfeld weiß nichts davon“, so Rausch. Der Verwaltungs-Chef spricht nach dieser Aktion gar von einem „Damoklesschwert, das über der interkommunalen Zusammenarbeit schwebt“.

Dass das Thema Schaumbergbad auf der Tagesordnung des Kreistags landete, sei dem Antrag der Tholeyer geschuldet. Wie Landrat Udo Recktenwald ( CDU ) erklärt, habe Tholey das Recht darauf, dass sich der Kreistag zeitnah mit dem Antrag befasse. „Zunächst haben wir uns in der Verwaltung Gedanken gemacht und einen Vorschlag ausgearbeitet. Dem muss der Kreistag aber nicht folgen.“

Dass die Bürgermeister aus Freisen, Namborn, Nonnweiler und Marpingen eine Finanzierung der Betriebskosten des Schaumbergbades von Seiten des Kreises ablehnen, bedeutet nicht, dass sie sich gegen ein Bäder-Konzept sperren. Im Gegenteil. „Wir streben gemeinsam mit der SPD-Kreistagsfraktion den Erhalt aller Bäder durch die Entwicklung eines kreisweiten Konzepts an“, sagt Werner Laub ( SPD ). Die Kommunalpolitiker regen außerdem die Diskussion über eine kreisweite Bäder-GmbH an, die dann alle Bäder betreibe.

Ein Konzept, das alle Bäder miteinbezieht, hält auch Nohfeldens Bürgermeister Andreas Veit ( CDU ) für sinnvoll. Wobei in diesem Zusammenhang auch überlegt werden müsse, welche Bäder man in welcher Größe tatsächlich brauche. Dass Tholey möglicherweise schon im nächsten Jahr ohne Konzept finanziell unterstützt wird, hält Veit für angemessen. „Tholey ist das einzige öffentliche Bad mit Erlebnischarakter. Im Zusammenhang mit der Jugendherberge sehe ich auch den touristischen Aspekt. Ich halte es für gerechtfertigt, wenn der Kreis sagt, hier begünstige ich Tholey. Das heißt nicht, dass die anderen Bäder auf Dauer außen vor bleiben.“

Landrat Recktenwald unterscheidet zwischen Schwimmbädern wie St. Wendel oder Freisen, in denen das Schwimmen im Vordergrund stehe, und dem Schaumbergbad. Letzteres sei eher dem Bereich Tourismus zuzuordnen. Deshalb werde über die Tholeyer Resolution entschieden.

Folgen jetzt weitere Anträge von anderen klammen Gemeinden mit Bädern? Vorreiter Schmidt aus Tholey könnte das verstehen. Er geht davon aus, dass „wenn andere Bäder auf den Kreis zukommen, dieser eine Lösung finden wird“. Recktenwald signalisiert die generelle Bereitschaft, sich über ein Bäder-Konzept auch an den Schwimmbädern in anderen Kommunen zu beteiligen. „Es muss in diesem Konzept auch definiert werden, welche Bäder wir wo brauchen und wer das entscheidet.“ Somit sei dieses Konzept eine knifflige, aber auch notwendige Angelegenheit, dessen Realisierung sich nicht über Jahre hinziehen dürfe. „Und wenn es diese angedachte Drittelbeteiligung des Kreises an den Bädern gibt“, so rechnet Recktenwald vor, „bekämen die betroffenen Kommunen 33 Prozent vom Kreis, Tholey nur 25 Prozent“. Von Benachteiligung könne also keine Rede sein. Benachteiligt sind nur die Gemeinden mit wenig eigener Infrastruktur. Aber die zahlen dann für die Möglichkeit ihrer Bürger, in der Nachbarkommune ins Schwimmbad zu gehen.

Auch St. Wendels Bürgermeister Peter Klär ( CDU ) betreibt ein Hallenbad. Eine mögliche Finanzspritze für Tholey sieht er entspannt: „Es ist gut, dass man hilft, wo es geht.“ St. Wendel selbst habe gerade beim Freibad von der Unterstützung des Landkreises profitiert. Finanzielle Hilfe von Außen gab es in Oberthal nicht, als der Gemeinderat 2011 das Freibad aus Kostengründen aufgeben musste. „Ich habe selbst ein Bad geschlossen und soll nun ein anderes Bad über Umwege finanzieren“, sagt Rausch. Das könne er den Oberthaler Bürgern nicht vermitteln.

 

Meinung:
 

(Zu) harte Probe für die Solidarität?

Von SZ-Redakteurin Evelyn Schneider

Ein Bürgermeister kämpft für seine Gemeinde, für sein Bad. Das ist sein Job. Ein Landrat möchte einer Kommune in seinem Kreis helfen. Das ist richtig.

Doch darf dabei eines nicht vergessen werden: Wenn sich der Kreis finanziell beteiligt, sind auch die Kommunen mit im Boot. Über Umwege. Denn jede Gemeinde zahlt aus ihrem Budget Geld an den Landkreis für dessen Arbeit. Das ist Soldidarität, könnte man sagen. Richtig. Aber zu dieser Solidarität, zu dem Miteinander gehört auch die Offenheit. Doch in diesem Fall werden die Bürgermeister vor vollendete Tatsachen gestellt. Ein Beschluss zur Finanzierung des Tholeyer Bades ist vorbereitet. Die Meinung der Verwaltungschefs in acht Kommunen dazu für den Kreis anscheinend nicht von Belang.

Das Schaumbergbad ist eine Attraktion, ja. Aber versteht der Oberthaler, warum sein Bad geschlossen wurde und nun mit dem Geld der Kommune ein anderes gerettet wird? Einem Bäder-Konzept vorzugreifen und ein Bad so herauszuheben, versteht im ersten Moment niemand. Warum die Eile? Das schafft böses Blut: bei Bürgermeistern und Bürgern. Wer Ja sagt zu einem Bad, muss auch mit den Kosten leben. Dass eine Solidargemeinschaft eingreift, ist prinzipiell eine gute Idee. Doch dann muss sie auch allen helfen.

 

Zum Thema:
Die Bäder im Landkreis St. Wendel : Es gibt Hallenbäder in St. Wendel , Nonnweiler und Marpingen, Kombibäder stehen in Tholey und Oberkirchen. Außerdem gibt es das Naturbad in Primstal. Das Freibad in St. Wendel öffnet am 24. Juli. Das Bad Aqua Mundo gehört zum Ferienpark am Bostalsee und ist in privater Hand. In Oberthal gab es bis 2011 ein Freibad. evy  
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