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Theater-Streit: Was will Saarbrückens Ballett-Chefin wirklich?

Marguerite Donlon (rechts) ist am Freitag (15.02.2013) mit ihrer Idee einer »European Dance Company« bei Kultusminister Ulrich Commerçon (SPD) gescheitert. Intendantin Schlingman (links) fühlte sich übergangen.

Marguerite Donlon (rechts) ist am Freitag (15.02.2013) mit ihrer Idee einer »European Dance Company« bei Kultusminister Ulrich Commerçon (SPD) gescheitert. Intendantin Schlingman (links) fühlte sich übergangen.

Saarbrücken. Es läuft das Stück: eine kulturpolitische Idee geht baden. Was zu einer anregenden Debatte hätte werden können – die Vision der Weiterentwicklung der Saarbrücker Tanz-Company, wird unter den hohen Wellen begraben, die der offen entbrannte Machtkampf zwischen der Generalintendantin Dagmar Schlingmann und ihrer Ballettchefin Marguerite Donlon ausgelöst hat. Was will Donlon, jenseits einer eigenen, vom Kulturminister bereits abgelehnten eigenen Tanz-Intendanz? Grob gesprochen: eine mit dem europäischen Siegel aufgewertete Company als saarländisches Markenprodukt. Dass die Ballettchefin ihr Company-Projekt dazu nutzen wollte, für sich und ihre Sparte im SST Autonomie zu erreichen, wird durch das Papier, das der SZ schriftlich vorliegt, unzweifelhaft belegt.



Doch welche Inhalte transportiert es darüber hinaus? Donlon schwebt eine „Kulturinstitution europäischen Ausmaßes“ mit Sitz im Saarland vor. Letztere soll sich aktiv Gastspiel- beziehungsweise Produktions-Kooperationspartner im europäischen Umfeld suchen, vorzugsweise in der Großregion. Vier Produktionen pro Jahr (wie bereits jetzt, am SST) sind vorgesehen. In den Partnerstädten werden Jugendtanzprojekte initiiert, die alle zwei Jahre im Saarland bei einem Jugendtanztheater- Festival gezeigt werden.

Zusätzlich nimmt das Ensemble pro Spielzeit zwei Eleven aus deutschen Tanzhochschulen und zwei aus europäischen Partnerstädten auf (Nachwuchsförderung). Im Rahmen eines Internationalen Tanzfestivals – das bereits gegründete N.O.W Dance Saar- Festival taucht nicht auf (?) – soll es auch in Zusammenarbeit mit den künstlerischen Hochschulen einen Wettbewerb geben: Video, Choreografie, Komposition.

Eher angepasst als utopisch

Das alles klingt weder umstürzlerisch noch utopisch, eher angepasst – an EU-Förderrichtlinien. Ein Knackpunkt: Der bisher am SST vorhandene Personalapparat müsste für all dies um 10,5 Stellen und um sechs Tänzer- Positionen erweitert werden. Trotzdem, so heißt es im Konzept, was kaum nachvollziehbar ist, würden dem Saarland nicht mehr Kosten erwachsen. Der Spielzeit-Etat beliefe sich auf 2,3 Mio. Euro: dem bisherigen SST-Ballett-Budget (1,35 Mio.) und den Einnahmen (950 000 Euro). Dieser Rechnung widerspricht der kaufmännische Direktor des SST, Matthias Almstedt: Donlon lasse die Kosten für Orchester, Technik, Garderobe und Kasse außen vor.

Auf Donlons inhaltliche Vorschläge ging bisher freilich noch niemand ein. Wäre manches nicht auch in der alten SST-Struktur realisierbar? Zumal die European Dance Company laut Papier weitgehend genau jenen breitenwirksamen Erfolgskurs fortsetzen würde, den die Donlon-Company bereits jetzt fährt: internationale Tourneen, Inklusion (Projekte mit Laien, Senioren, Behinderten), Publikums-Motivation (öffentliche Proben, Einführungen), Jugendarbeit und Talentförderung (Tanzgruppe iMove, Tanz-Stipendium für besonders Talentierte, SubsTanz-Abende).

Auffällig: Donlon „verkauft“ all dies – ihre bisherige zehnjährige Arbeit am SST – so offensiv, als wolle sie sich bewerben. Das klingt so: „Zeitgenössisch, innovativ, publikumsnah. Das Saarland hat in der Donlon Dance Company ein Tanzensemble, das für hohe Qualität steht, für eine enorme Auslastung und eine Breitenarbeit, die in Deutschland vorbildlich ist.“ Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Konzept wohl vor allem auch andernorts überzeugen sollte. Was wäre, wenn das finanzstarke Luxemburg Geschmack fände an einer European-Dance- Truppe?

Von Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) hörte man gestern im Rahmen der Landes- Pressekonferenz erneut, er habe unverändert großes Interesse an der Fortsetzung von Donlons Arbeit. Über eine Verlängerung ihres Vertrages müsse man allerdings nicht heute sprechen, sondern frühestens im Sommer 2014. Der Minister schloss aus, dass es von Seiten der Intendanz zu einer vorzeitigen Vertragsauflösung komme. Commerçon, der am Vormittag aus anderem Anlass eine SST-Personalversammlung besucht hatte, berichtete von unterstützenden Signalen aus der Belegschaft für seine Haltung: „Es war zu spüren, dass die Mitarbeiter keine Heraushebung einer Sparte und keine Neustrukturierung der Spitze wollen.“
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