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Theaterschiff: Saarbrücker Kulturort der besonderen Art

Die Péniche Maria- Helena liegt unterhalb der Alten Brücke auf der Saar.

Die Péniche Maria- Helena liegt unterhalb der Alten Brücke auf der Saar.

Sie zieht dort schon seit einigen Jahren die Blicke auf sich – mit dem auffälligen roten Laderaum, den Holzplanken und der typischen langen Form der alten Frachtkähne. Bemerkenswert ist, dass die Maria- Helena mittlerweile ein Theaterschiff ist, und dazu noch das einzige Theaterschiff Deutschlands, das motorisiert ist.

Die Péniche wurde 1911 in Straßburg gebaut, die Familie Fontaine aus Saarlouis gab das Treidelschiff in Auftrag, das damals noch von Pferden gezogen wurde. Die Zeit des Zweiten Weltkriegs überstand die Maria- Helena nur schwer, sie wurde beschlagnahmt, gesprengt und versenkt, wieder gehoben und neuerlich beschlagnahmt. 1955 wird sie ihren Besitzern zurückgegeben, der Familie Lahr. Im selben Jahr wird das Schiff motorisiert, damals in der Werft in Luisenthal. Bis 1991 ist der alte Frachtkahn vorwiegend auf französischen Flüssen und Kanälen unterwegs, beladen mit Kies, Zucker, Erbsen, Bier oder Stahl. Als Hans Lahr, seit 1965 Eigentümer, in Rente geht, liegt das Frachtschiff still. Das ändert sich 2006, als Frank Lion von dem Schiff hört und sich trotz der hohen Renovierungskosten dazu entschließt, es zu sanieren. „Ich glaube, ich hätte es mein ganzes Leben bereut, wenn ich es nicht gemacht hätte.“

Seit 2007 dient die Maria-Helena Frank Lions Theater Compagnie als Spielstätte. „Besonders schön ist, dass die Maria-Helena 2008 vom damaligen Bundespräsidenten ausgezeichnet wurde als ,Ausgewählter Ort 2008’ im Rahmen der Initiative ,Land der Ideen’“, erzählt Lion. Mittlerweile hat sich das Theaterschiff in Saarbrücken etabliert.

„Wir führen unsere eigenen Kinder-Theaterstücke auf, werden dazu häufig von Grundschulen und Kindergärten gebucht. Und wir organisieren auch einzelne Konzerte, allerdings sollten die dann schon was Besonderes sein“, sagt der Schiffseigentümer. Man kann das Theaterschiff auch privat mieten. „Aber da achte ich sehr auf die Qualität, denn ich möchte kein Event-Manager sein, sondern Regisseur eines Theaterschiffs.“ Und dann ist er auch noch jedes Jahr mit seinem Schiff unterwegs. „Wir reisen so zwei bis drei Monate im Jahr samt der Theater Compagnie, meistens im Saarland, aber auch auf der Mosel.“

Die Maria-Helena ist auch Industriedenkmal. „Jeder, der auf die Maria-Helena kommt, fragt auch nach ihrer Geschichte“, berichtet Lion. Häufig erklärt er die Besonderheiten seines Schiffs. „Da fallen immer noch Getreidekörner oder Sand aus den Luken.

Bis heute wirkt sich das Vorleben der Maria-Helena aus.“ Schließlich ist sie auch ein Zeitzeugnis für die Schifffahrt. So sieht das auch Peter Lupp vom Regionalverband. Daher wurde die Maria- Helena in die Broschüre über die Kulturorte des Regionalverbandes aufgenommen. „Das Thema der Binnenschifffahrt ist hier immer präsent, und mit Frank Lion steht ein Kulturschaffender an Bord, der sich sehr um eines der für unsere Region typischen Treidelschiffe verdient gemacht hat“, sagt Lupp.

„Daher ist dieser Ort ein Kulturort, wie wir es uns vorstellen: hochwertige Kulturangebote, Bezug zur Geschichte, Strahlkraft nach außen“, fasst er zusammen. Aber trotzdem wollen die beiden auch an die Zukunft denken. „Eine Ausstellung über die Lebenswelt der Schiffer oder die Geschichte der Saarschifffahrt können wir beide uns gut zusätzlich hier vorstellen, bevor die letzten Erinnerungen verloren gehen.“

AUF EINEN BLICK

Das Theaterschiff liegt unterhalb der Alten Brücke am Saarufer. Die Péniche Maria-Helena, 1911 gebaut, wurde 2006 von Frank Lion auf der letzten saarländischen Werft, Wirotius in Rilchingen- Hanweiler, zum Theaterschiff umgebaut. Seither ist sie Spielstätte der Theater Compagnie Lion. Seit 32 Jahren ist Frank Lion Regisseur, häufig Autor und Kopf der Theater Compagnie Lion, die sich auf Kindertheater spezialisiert hat. Das aktuelle Stück heißt „Paulinchen reist zum Regenbogen“. nba

www. theaterschiff-maria-helena.com

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