A8 Saarlouis Richtung Neunkirchen Zwischen AS Friedrichsthal-Bildstock und Dreieck Friedrichsthal Gefahr durch ungesicherte Unfallstelle, Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn (20:04)

A8

Priorität: Sehr dringend

7°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
7°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Thilo Ziegler wird wider Willen zu einer Art Musikfestival-Monopolist an der Saar

Ein Blick auf das  „Electro Magnetic“-Festival, das die Massen in die Hütte lockte.

Ein Blick auf das „Electro Magnetic“-Festival, das die Massen in die Hütte lockte.

Dass er des Öfteren, ehe er antwortet, ausgiebig schweigt und jedes Wort wägt, hat weniger damit zu tun, dass Thilo Ziegler fürchtet, er könnte am Ende zu viel ausplaudern. Vor allem über das neue Saarbrücker Popkultur-Festival, das er im Auftrag von Kulturminister Commerçon bis Frühjahr 2017 aus der Taufe heben soll (wir berichteten). Darüber hat er sich sowieso Stillschweigen auferlegt. Bedächtigkeit scheint vielmehr Teil seines Naturells zu sein. Ziegler, insoweit das Gegenteil eines Blenders, will, dass alles Hand und Fuß hat. Mit der Haltung baute er ab 1999 schon „ Rocco del Schlacko “ auf. Aus einem Gymnasiastenspleen wurde dann das größte saarländische Musikfestival.

Redet man länger mit Ziegler (35), fällt auf, wie sehr ihn diese „Rocco“-Genese geprägt hat. Sie schulte seine bodenständige, auf Erdung ausgerichtete Art, Dinge zu denken und zu organisieren. Ob er nun vom alljährlichen Auf- und Abbau eines zehn Kilometer langen Bauzauns in Püttlingen erzählt oder vom nötig gewesenen Erdaushub in den dortigen Sauwiesen, um das Gelände mit 3000 Tonnen Schotter festivalfester zu machen. Ziegler personifiziert, wenn man so will, den Saarland-Slogan „Großes entsteht im Kleinen“. „Rocco“ (Etat: 2,5 Millionen Euro) lebe nicht zuletzt von gut 20 kleinen Sponsoren, betont er. Vom örtlichen Müllentsorger bis zur Baumaschinenfirma, die statt Kohle beherzt Sachleistungen geben.

Dass seine Diplomarbeit als Raum- und Umweltplaner „Der nachhaltige Umgang mit Großveranstaltungen“ heißen sollte, passt gut ins Bild. Auch wenn Ziegler sie dann nie schrieb, weil er 2006 von Beruf Konzertveranstalter wurde. Einer, in dem man mehr oder weniger immer irgendwie arbeite. Je nach Rechenart managt Ziegler inzwischen drei bis vier Festivals, was ihn langsam zu einer Art Monopolisten macht: „Rocco“, dazu seit 2012 „Electro-Magnetic“ in Völklingen, dort seit vergangenem Sommer auch das „Urban Art Hip-Hop“ und ab 2017 erstmals ein öffentlich subventioniertes Event . Gefragt, wie sein Alltag aussieht, sagt er: „Ich frage mich, ob es einen Unterschied macht, ob ich auf dem Sofa oder im Büro sitze oder unter der Dusche stehe.“ Vor allem, seit er 2014 zusätzlich noch ins Konzertgeschäft einstieg und 40- 50 Gigs im Jahr macht. Man dürfe sich da keinen Fehler erlauben, weil man sonst schnell wieder bei Null anfange. Um etwa bei Konzerten im Saarbrücker E-Werk die notorischen Umbau-Mehrkosten (Bühnenverlängerung/Trapez-Aufhängung für Bühnen equipment) aufzufangen, brauche man alleine 500 Zuschauer extra. Gar nicht erst zu reden von der aus der Zeit gefallenen alten Schachtel Saarlandhalle, die modernen Tourneeansprüchen nicht mehr genügt.

„Es ist ein hartes Geschäft, Künstler hierher zu holen“ – der Satz ist irgendwann wohl unausweichlich. Ist das vollmundige Poprat-Pamphlet, das aus dem Saarland ein einig' Popland machen will, insoweit nicht Traumtänzerei? Ziegler, selbst einer der 22 Gremienköpfe, sieht die Sache längerfristig. Und verneint, dass das neue, ministeriell protegierte Festival 2017 auch die Probe aufs Exempel des Poprat-Vorstoßes sei. „Ein Festival schafft noch keine Infrastrukturen – ein Musikzentrum, einen Studiengang oder eine 8000er-Halle.“ Zur rechten Zeit den rechten Riecher zu haben, ist die Crux im Veranstaltergeschäft. Bei Festivals ist es die Gesamtabstimmung, findet Ziegler. „Ich muss es so machen, dass es allen taugt: dem Publikum, den Kooperationspartnern, den Künstlern.“ Eine Art Strategiespiel, das ihm zu liegen scheint. Er ist Dienstleister aus Überzeugung. Dass er zuhören und Ratschläge annehmen kann, kommt ihm zugute. „Ich werd' jetzt über Land fahren und mit vielen Leuten reden.“ – Bodenhaftung bleibt sein Prinzip.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein