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Tiefe Gräben tun sich auf über Nacht: Ludweiler Bürger erleben immer noch Nachwirkungen des früheren Bergbaus

Umzäuntes Risiko: Jagdpächter Bernd Müller vor einer Bruchspalte mitten auf dem Weg.

Umzäuntes Risiko: Jagdpächter Bernd Müller vor einer Bruchspalte mitten auf dem Weg.

Wenn man in Ludweiler an der neuen Photovoltaikanlage entlang ins Waldgebiet Richtung Großrosseln geht, folgt man einem Trampelpfad bergab. Er führt durch einen von Wald umgebenen Graben. Der schmale Weg wird gern genutzt, denn über ihn kommen Spaziergänger ins Waldgebiet zwischen Ringstraße und Eichenkopf. Das ist das Jagdrevier von Bernd Müller aus Ludweiler. Und in diesem Revier tun sich ständig tiefe Gräben auf. Quasi über Nacht, berichtet Müller, entstehen bergbaubedingte Bruchspalten. Sie sind zum Teil mehrere Meter tief, Bäume kippen um; andere Spalten sind kreisrund und haben die Tiefe einer Baugrube.

Das Phänomen der Erdspalten ist hier nicht neu. Gelbe Warntafeln weisen seit Jahren auf das Risiko hin. Das Bergbauunternehmen RAG nimmt sich der Gefahrenstellen an. „Die Löcher sind mit stabilen Bauzäunen abgesichert, und diese sind fest verankert. Da kann man nicht meckern“, sagt Jagdpächter Müller.

Trotzdem sorgt er sich wegen der Größe der Löcher. Momentan sind zwei mächtige Bruchspalten am Wegesrand zu sehen, eine ist direkt auf dem Trampelpfad zur Solaranlage – also für Spaziergänger mitten auf der Strecke.

Bei der RAG kümmert sich die Tochtergesellschaft RAG Montan Immobilien um diese Bruchspalten. Unternehmenssprecherin Traudel König erläutert: „Durch das Sandsteingebirge in diesem Bereich und den früheren untertägigen Bergbau kommt es zur Spaltenbildung in dem gesamten Gebiet. Das Phänomen ist bekannt und wird von uns genau im Auge behalten. Jedes Loch wird abgesichert und später auch verfüllt.“ Auch die aktuellen Löcher würden in Kürze zugeschüttet und der Waldboden damit wieder eingeebnet.

Genauer kann das Axel Schäfer von der Markscheiderei der RAG erklären: „Diese Löcher tun sich nicht urplötzlich auf. Man muss keine Angst haben, dass man irgendwo einbricht, wenn man im Wald spazieren geht. Es ist vielmehr so, dass bei starkem Regen loses Material im Boden durch Spalten nach unten weggeschwemmt wird. Die Spalten entstehen also langsam durch Absenken des Materials. Da bei Regenwetter kaum Leute spazieren gehen, hat das folgenden Effekt: Man wandert bei schönem Wetter durch den Wald und sieht kein Loch. Nach tagelangem Regen geht man wieder dort vorbei und sieht eine tiefe Spalte. Man glaubt dann, diese sei urplötzlich entstanden – aber das ist nicht so.“

Alle Spalten seien auch früher schon einmal verfüllt worden, entstünden aber neu. Jetzt baue man vor dem Verfüllen Vlies ein, das den Boden abdichte. Diese Lösung sei dann dauerhaft, sagt Schäfer. Die RAG werde alle Spalten dauerhaft beseitigen, sobald das Wetter es zulasse, mit schwerem Gerät zu arbeiten. Die Spalten würden ausgebaggert, das sei derzeit im aufgeweichten Waldboden schwierig. Alle frischen Spalten blieben bis dahin abgesichert. Grubenspalten haben schon in der Vergangenheit für Aufregung gesorgt. So spürte ein Spieler im Mai 2006 mitten im Fußball-Lokalderby zwischen Großrosseln und Karlsbrunn, wie plötzlich der Rasen unter ihm nachgab. Ursache war eine rund 20 Zentimeter breite Bruchspalte, die nach starkem Regen zu Tage getreten war. Die damalige Deutsche Steinkohle AG (DSK) ließ das Loch mit einem Betonpropfen stopfen. Gleich 16 Kubikmeter Beton wurden im März 2007 benötigt, um eine Spalte neben der Raffineriestraße, der Landstraße 163, zu füllen.

Weil sich Nachsenkungen zeigten, wurde die Strecke zwischen Klarenthal und Velsen zeitweise gesperrt. Ursache hier wie im Sportplatz-Fall laut DSK: tektonische Störungen, die auf den Kohleabbau der früheren Grube Velsen (1963 geschlossen) zurückgehen. Spaziergänger im Ludweiler Waldgebiet am Eichenkopf stießen schon in früheren Jahren auf Erdspalten im Boden.
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