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Timo Boll freut sich auf das Turnier in Saarbrücken

Der Weltranglistenerste Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und die schwedische Tischtennis-Legende Jan-Ove Waldner sind am Start. Das energis Masters in der Joachim-Deckarm-Halle am Samstag bietet feinsten Sport.

Der Weltranglistenerste Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und die schwedische Tischtennis-Legende Jan-Ove Waldner sind am Start. Das energis Masters in der Joachim-Deckarm-Halle am Samstag bietet feinsten Sport.

Herr Boll, was bedeutet Ihnen der kurzweilige Titel des Weltranglistenersten?
Timo Boll: Ich war ja schon 2003 die Nummer eins, also ist jetzt die Freude nicht so groß wie damals. Trotzdem sehe ich es als Lohn meiner konstant guten Leistungen im vergangenen Jahr.

Sie sind jetzt schon seit längerer Zeit extrem gut in Form. Liegt das hauptsächlich daran, dass Sie von Verletzungen verschont geblieben sind?
Boll: Das ist sicher einer der Hauptgründe. Wenn ich über einen längeren Zeitraum fit bin, kann ich auch Top-Leistungen bringen. Das war in meiner Karriere bislang immer so. Deshalb hatte ich dieses tolle Jahr und konnte Siege gegen die Chinesen einfahren.

Stimmt es, dass die Chinesen im Training Spieler einsetzen, die Ihre Spielweise kopieren, damit sich Chinas Spitzenspieler perfekt gegen Sie vorbereiten können?
Boll: Ich bin natürlich deren Hauptkonkurrent. Deshalb werden Spieler abkommandiert, die versuchen, meine Spielweise zu kopieren. Beispielsweise Chen Qi (Nummer 14 der Weltrangliste, Anm. d. Red.), der auch Linkshänder ist. Das geht natürlich nur bis zu einer bestimmten Qualität. In Deutschland versuchen wir das auch, aber wir haben nicht die Möglichkeiten, die die Chinesen besitzen. Ich kann nicht zu Christian Süß sagen, er soll spielen wie Ma Lin (amtierender Olympiasieger und achtfacher Weltmeister, Anm. d. Red.).

Die Chinesen dominieren seit Jahrzehnten die Tischtennis-Szene. Was macht sie, abgesehen vom riesigen Reservoir an Spielern und dem großen Trainingseifer, so stark?
Boll: Natürlich spielt die Masse eine große Rolle. Aber sie haben auch ein Wahnsinns-Sportsystem. Dort gibt es eine sehr frühe Auslese der Talente. Die Kinder werden schon mit acht oder neun Jahren zu Profis und trainieren dann zwei bis drei Mal am Tag.

Hätte Sie eine derartige Förderung noch weiter gebracht?
Boll: Ich kann mich über das deutsche System nicht beschweren. Ich wurde früh entdeckt und habe das Maximale herausgeholt. Der Sport wird in Deutschland nicht immer als Chance gesehen, sonder eher als Risiko. Die Schule hat hier Vorrang. Das ist auch richtig so. In China herrscht einfach eine andere Denkweise. Dort fallen auch viele Talente, die es nicht schaffen, hinten runter.

Sie haben jetzt fast alles gewonnen, was man gewinnen kann. Wird man dann nicht irgendwann satt? Oder wird stattdessen die Gier nach dem, was noch fehlt – etwa eine Olympische Einzelmedaille – immer größer?
Boll: Die fehlenden Titel halten bei mir die Motivation hoch. Sie sind auch der Grund, warum man weiterarbeitet wie ein junger Spieler, der noch viel vor Augen hat.

Wie lange wollen – und können – Sie denn noch auf Spitzenniveau spielen?
Boll: Das kommt bei jedem auf den Körper an. Die Chinesen sind aufgrund ihres harten Trainings schon mit Ende 20 am Limit. Ein Europäer hat mit 29 bis 33 Jahren seine beste Zeit. Ich will bis Mitte 30 auf Topniveau spielen.

Es heißt, in den Rückschlagspielen befinden sich die Weltklassespieler auf gleichem Niveau. Über Sieg oder Niederlage entscheidet meist die mentale Stärke. Spielt der Kopf im Tischtennis auch eine derart große Rolle?
Boll: Einerseits will man sich in seinen Gegner reinfühlen. Im Spiel geht alles viel zu schnell, um nur zu reagieren. Also muss man versuchen, die Aktionen der Gegner vorauszusehen. Deshalb muss ich mit der Konzentration auch immer auf der Höhe sein.

Und auf die mentale Anspannung bezogen?
Boll: Es muss eine gesunde Mischung aus Anspannung und Entspannung herrschen. Das ist aber auch abhängig von der Tagesform. Manchmal kann einen nichts aus der Fassung bringen, an anderen Tagen ist man vielleicht müde und deshalb anfälliger.

Kann dabei ein Mentaltrainer helfen?
Boll: Ich habe schon einmal mit einem gesprochen. Aber das hat mir nicht viel geholfen. Ich denke, ich bin ein mental starker Spieler.

Gibt es im deutschen Lager jemanden, der irgendwann in Ihre Fußstapfen treten könnte?
Boll: Wir haben einen sehr guten Nachwuchs und haben im Moment fünf deutsche Spieler unter den Top 25 der Welt. Wir sind so stark wie nie. Und Leute wie Dimitrij Ovtcharov und Patrick Baum sind noch sehr jung, davon sollten wir noch lange zehren können.

Dimitrij Ovtcharov war in eine Dopingaffäre verwickelt, weil er in China verseuchtes Fleisch gegessen haben soll. Hat man jetzt hin und wieder ein ungutes Gefühl beim Essen in China?
Boll: Darüber habe ich mir bisher nie große Gedanken gemacht. Natürlich war das ein großer Schock. Dass so etwas durch reine Nahrungsaufnahme passieren kann, ist schwer vorstellbar. Für dieses Problem gibt es aber auch keine richtige Lösung. Wir können uns ja nicht unser eigenes Essen mitbringen. Ich muss darauf vertrauen, was einem gegeben wird, und hoffen, dass es ein Einzelfall war.

Sie treten als Titelverteidiger beim energis Masters an. Was macht das Turnier für Sie so interessant?
Boll: Das energis Masters ist mittlerweile fest in meinem Terminkalender eingeplant. Ich war ja auch fast immer dabei. Es ist ein schönes und gut organisiertes Turnier, die Zuschauer sind nahe dran, und die Stimmung in der Halle ist gut. Das macht das Turnier aus, und dadurch kommt auch das starke Teilnehmerfeld zusammen. Natürlich spielt es auch eine Rolle, dass es ein Preisgeldturnier ist. Aber ich könnte auch in Slowenien bei einem Turnier mitspielen, bei dem es mehr Geld zu gewinnen gäbe. Dort hätte ich aber nicht dieses Ambiente.

Können Spieler wie Sie von den „Alten“ wie Jan-Ove Waldner oder Mikael Appelgren noch etwas lernen?
Boll: Ich nehme Hilfe generell gerne an. Vor allem Jan-Ove Waldner weiß oft, wie die Chinesen denken und wie sie planen. Er kann mir dann hilfreiche Tipps geben. Diese Jungs haben ja schon alles durchgemacht.

Auf Einen Blick
Zwölf Tischtennisspieler treten am Samstag zur siebten Auflage des energis Masters in der Saarbrücker Joachim-Deckarm-Halle an. In der Gruppe spielen Timo Boll, Chen Weixing (Österreich) und Steffen Fetzner, in der Gruppe B Dimitrij Ovtcharov, Li Ping (China) und Jan-Ove Waldner (Schweden). Patrick Baum, Jörgen Persson und Mikael Appelgren (beide Schweden) schlagen in Gruppe C auf, Gruppe D wird von Werner Schlager (Österreich), Zoran Primorac (Kroatien) und Wang Xi (China) gebildet. Die Gruppenersten erreichen das Halbfinale. Das Turnier beginnt um 11 Uhr, das Finale ist für 16.15 Uhr angesetzt. Das Masters ist mit insgesamt 20 000 Euro dotiert, der Sieger kassiert 10 000 Euro. red

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