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Tod eines Herz-Patienten: Nardini-Klinikum unter Beschuss

Zweibrücken. Das Nardini-Klinikum habe versucht, Ermittlungen gegen sich zu unterbinden, Personal- und Organisationsprobleme bis heute nicht gelöst: Es sind harte Vorwürfe, die Alexander Peters formuliert, der Anwalt einer damals 32-jährigen Assistenzärztin, gegen die die Zweibrücker Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung ermittelt hatte. Am 13.?Juli 2007 war in der Klinik ein Patient nach einer zunächst erfolgreichen Herzoperation gestorben, während sie Nachtdienst schob. Vergangene Woche stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen eine Geldauflage ein (wir berichteten). Die Geldauflage habe er lange abgelehnt, schreibt Peters – sie aber nun akzeptiert, da die Ärztin einer öffentlichen Gerichtsverhandlung nicht mehr gewachsen gewesen wäre.Inzwischen habe die Frau im Nardini-Klinikum gekündigt.

Peters sieht die Schuld für den Tod des Herzpatienten weiter bei der Klinik mit ihren „katastrophalen organisatorischen Verhältnissen“. Damit diese durch weitere Ermittlungen nicht aufgedeckt werden, habe die Klinikspitze die Ärztin gedrängt, eine Verfahrenseinstellung mit Geldauflage zu akzeptieren, Peters sieht in der Klinik eine „defizitäre Organisationsstruktur der Abteilung und deren personelle Unterbesetzung“ im Jahre 2007, als der Patient nach einer Linkskatheter-Operation nachts an nicht bemerkten inneren Blutungen starb. Da sei die junge Ärztin in ihrer 24-Stunden-Schicht für über 130 Patienten der Inneren Abteilung zuständig gewesen, die wegen Überbelegung im ganzen Krankenhaus verteilt gelegen hätten. Auch hätte sie sich um die Notaufnahme, Intensivstation und die internistischen Notfälle aller Stationen kümmern müssen. Der gestorbene Patient habe wegen der Überbelegung der Intensivstation auf dem Flur gelegen. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt wundert sich zudem, dass die Inhalte der Patientenakte, „schlicht nicht zum verstorbenen Patienten gepasst“ hätten. „Auf unerfindlichem Weg“ seien nicht zugehörige, EKGs, anonyme Protokolle und andere falsche Befunde in die Patientenakte gelangt. Unbekannte hätten nach dem Tod die Patientenkurve handschriftlich nachdokumentiert. Das sei weder Gutachtern noch Staatsanwaltschaft aufgefallen Bis heute hätten sich im Nardini-Klinikum „Personalsituation und Organisation zugunsten der Patienten nicht entscheidend verbessert“, nennt Peters entsprechende Aussagen der Klinik im Merkur „irreführend und fehlerhaft“. Es gebe immer noch „regelmäßig Überlastungsanzeigen“ von Ärzten. Peters verweist zudem darauf, dass das Amtsgericht auf der Geldauflage bestanden habe, weil seine Mandantin den Patienten nicht an die Uniklinik Homburg verlegt habe. Das bringe die heutigen Assistenzärzte in eine schwierige Situation, schreibt Peters: „Werden sie in Zukunft nach dieser Vorgabe verfahren und Patienten verlegen dann gefährden sie ihren Arbeitsplatz gleichsam zweifach: Zum einen werden sie massiven Druck der Klinikleitung erfahren und zum anderen wird eine sinkende Belegung zumindest Personaleinsparungen zur Folge haben.

Widersetzen sie sich dagegen der richterlichen Vorgabe, liegt es nahe, dass bei künftigen Todesfällen ihnen als dem kleinsten Rad am Wagen die Anklage aufgrund solcher Umstände droht, die aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen des Klinikträgers vorgegeben werden.“

Die Krankenhaus-Spitze will dazu auf Merkur-Anfrage wegen der noch laufenden Ermittlungen gegen die damaligen Klinik-Verantwortlichen konkret nichts sagen, bestreitet aber die anderen Vorwürfe. Geschäftsführer Günther Merschbächer und der Kaufmännische Direktor Christoph Wagner: „Wir weisen den Vorwurf der Manipulation der Patientenakte entschieden zurück. Wir haben der Staatsanwaltschaft bereitwillig und unverzüglich alle angeforderten Unterlagen zur Verfügung gestellt.“ Außerdem verwahrten sich die beiden gegen die Unterstellung, die Klinik hätte auf eine Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage für die Ärztin gedrängt: „Die Einstellung eines Verfahren unterliegt strengen, von der Strafprozessordnung vorgegebenen Regeln, die – soweit es das Verfahren gegen die Ärztin betrifft – keinerlei Beteiligungsrechte des Arbeitgebers vorsehen.“

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