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Tod nach Faustschlag: Bexbacher enttäuscht über Urteil

Neunkirchen/Saarbrücken. Nichts durfte er sagen. Kein einziges Wort. Dabei hätte er seine Wut und Enttäuschung über das gerade verkündete Gerichtsurteil am liebsten in die Welt hinausgeschrien. „Gerechtigkeit“ hatte sich Jörg Kappler von der Gerichtsverhandlung am Landgericht Saarbrücken erhofft. Gerechtigkeit für seinen Sohn Marcel, der mit 17 Jahren sein Leben lassen musste, weil er von einem ihm unbekannten 15-jährigen Jugendlichen niedergeschlagen worden war. Doch als gerecht empfindet der Bexbacher das Urteil, das am 9. Januar von der Jugendkammer I verkündet worden ist, beileibe nicht. Der 15-jährige Neunkircher ist wegen gefährlicher Körperverletzung, Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Die Jugendstrafe wurde drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. „Das Urteil ist nicht akzeptabel für mich“, sagt Jörg Kappler. Das Gericht habe dem minderjährigen Täter durch die Bewährungsstrafe eine neue Chance geben wollen. „Aber welche Chance hat mein Sohn?“ fragt Jörg Kappler verzweifelt.

Der 49-jährige Gastronom aus Bexbach hat sich an unsere Zeitung gewandt, weil er sich hilflos und allein gelassen fühlt. Seit dem gewaltsamen Tod von Marcel ist nichts mehr, wie es war. Jörg Kappler ist seit vier Monaten in psychologischer Behandlung, weil er mit dem Geschehenen nicht fertig wird. Mit stockender Stimme erzählt er, was sich am Abend des 16. Mai 2011 nach Zeugenangaben vor einem der Personaleingänge des Saarpark-Centers in Neunkirchen zugetragen hat. Wie es zum Streit zwischen Marcel und dem 15-jährigen Schüler kam, der „plötzlich und unvermittelt“ mit der Faust an den Kopf von Marcel schlug, worauf dieser in die Knie sackte und auf den Boden fiel. Dort blieb er regungslos liegen.

Rettungskräfte leiteten noch vor Ort Wiederbelebungsmaßnahmen ein. Doch gegen 21.38 Uhr verstarb der 17-Jährige infolge einer Hirnblutung in der Homburger Universitätsklinik, wo ihn sein Vater gegen Mitternacht identifizierte. Jörg Kappler stellt seinen Jungen nicht auf ein Podest. Freimütig berichtet er, dass der 17-Jährige in einer Clique war, die schlechten Einfluss auf ihn ausgeübt habe.

Er habe auch mal „Knepp gedreht“, ab und zu Haschisch geraucht. „Aber Marcel hätte niemals jemanden geschlagen, er war ein sehr ängstlicher Junge und ging jeder Auseinandersetzung aus dem Weg“, sagt Kappler.

Um Drogen ging es angeblich auch am 16. Mai. Der Tathergang wird im Gerichtsurteil geschildert, das unserer Zeitung vorliegt. Marcel hatte laut Zeugen zwei Mädchen Alkohol und Haschisch gegeben, mit denen der 15-jährige Neunkircher befreundet war. Dieser war von einem Freund per Handy gerufen worden. Er packte Marcel und zwang ihn, sich bei den Mädchen zu entschuldigen, was dieser auch tat. Der Streit schien beigelegt. Doch kurze Zeit später schlug der 15-Jährige zu. Mit den bekannten Folgen. Es war offenbar nicht das erste Mal, dass der Neunkircher Schüler gewalttätig geworden war. In der Schule hatte er in der Pause Mitschüler geschlagen, und im Januar und März 2011 kam es zu weiteren Auseinandersetzungen, bei denen er Gewalt einsetzte. Das Gericht würdigte jedoch, dass der Angeklagte größtenteils geständig gewesen sei und die Tat bereute. Außerdem sei die Jugendstrafe so zu bemessen, dass die erforderliche erzieherische Einwirkung auf den Angeklagten möglich sei. 200 gemeinnützige Arbeitsstunden wurden ihm auferlegt. Außerdem muss er eine bereits begonnene Maßnahme in einem Jugendhof fortsetzen und ein Anti-Aggressions- Training absolvieren.

Argumente des Rechtsstaates, denen Jörg Kappler nicht folgen kann. Als Vater des Opfers, der als Nebenkläger aufgetreten ist, ist für ihn eine Welt zusammengebrochen. „Alles ist wie ein schlechter Traum.“ Halt findet der Bexbacher bei seiner zweiten Ehefrau und der vierjährigen Tochter. Mit der leiblichen Mutter von Marcel liegt er im Rechtsstreit. Am 15. Februar wird Jörg Kappler wie jeden Tag zum Bexbacher Friedhof gehen und um seinen Sohn trauern. „Es Marcelsche“, wie sein Vater ihn nennt, wäre heute 18 Jahre alt geworden

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