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Todesfälle von Demenzkranken geben Staatsanwaltschaft Rätsel auf

Im Zusammenhang mit den jüngsten drei Todesfällen bei demenzkranken Patienten in saarländischen Einrichtungen prüft die Staatsanwaltschaft eine mögliche Mitverantwortung Dritter. Nach Recherchen gibt es dafür durchaus Anhaltspunkte, die nun abgeklärt werden.

Die Todesfälle hatten sich in den Saarbrücker Sonnenberg- Kliniken der Saarland Heilstätten GmbH (SHG), einem Heim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Merzig und einem Pflegeheim des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Illingen ereignet. In der SHG-Einrichtung wurde eine 87-jährige Demenzpatientin vermutlich von einer ebenfalls verwirrten 78-Jährigen erstickt. In dem Merziger Awo-Heim kam ein 75-jähriger demenzkranker Mann im heißen Wasser einer Badewanne ums Leben. Und im Illinger ASB-Heim verstarb eine 76-jährige demenzkranke Frau nach dem Verzehr eines Stücks Kuchen an einer Lungenentzündung.

Im Fall des 75-jährigen Mannes, der in der Badewanne zu Tode kam, steht nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft nicht endgültig fest, ob er ertrunken, verbrüht oder durch einen Stromschlag zu Tode gekommen ist. Er stand am 16. Mai halbnackt in einem als Bad eingerichteten Raum, der nach Darstellung der Awo nur noch als Abstellkammer genutzt wird, und wollte baden. Der Pfleger, der ihn dort antraf, kleidete ihn an und schickte ihn wieder auf sein Zimmer. Kurz darauf muss der Mann aber wieder in den Raum zurückgekehrt sein. Jedenfalls lag er eine dreiviertel Stunde später tot im heißen Wasser der Wanne. Als der Pfleger die Tür öffnete, bot sich ihm ein fürchterlicher Anblick: Der Raum stand in dichtem Wasserdampf, die Neonröhrenlampe war von der Decke heruntergefallen, ein Stromkabel hing mit nicht isolierten Enden von der Decke bis in eine Höhe von 1,50 Meter über die Wanne herab, die am Überlaufen war, und der Mann lag bis auf die Schuhe vollständig bekleidet darin – mit dem gesamten Körper einschließlich des Kopfes unter Wasser.

Nach SR-Angaben hatte die Wanne keinen Verbrühschutz. Bei einer späteren Befüllung mit heißem Wasser wurden laut Staatsanwaltschaft 56,7 Grad gemessen. Die Obduktion ergab, dass der Mann schwerste Verbrühungen und sogar eine „Verkochung der Unterhautgewebeschichten“ erlitt. Unklar ist, wieso er offenbar zumindest zeitweilig nicht beaufsichtigt wurde, nachdem ihn der Pfleger in sein Zimmer zurückgeschickt hatte. Ebenso bedarf es der weiteren Aufklärung, warum der nach Einschätzung der Anklagebehörde „potenziell gefährliche“ Raum mit der Wanne für die dementen Heimbewohner „frei zugänglich“ war.

Schwierig gestalten sich die Ermittlungen auch im Fall der schwer dementen 76-Jährigen, die nach dem Verzehr von Kuchen verstarb. Ihr Sohn wirft dem Personal vor, sie beim Essen nicht beaufsichtigt zu haben, obwohl sie nicht mehr alleine habe essen können. Er verweist darauf, dass das Personal die Frau mit nach hinten hängendem Kopf bewusstlos im Rollstuhl aufgefunden habe.

Im Fall der mutmaßlich von einer ebenfalls verwirrten Mitbewohnerin erstickten 87-Jährigen geht die Staatsanwaltschaft Hinweisen nach, wonach die Tatverdächtige schon gegenüber dem Personal und Mitpatienten einer anderen Klinik handgreiflich geworden sei. Nach den bisherigen Ermittlungen hat das schwer demente Opfer in den Wochen vor seinem Tod „ständig geschrieen“. Daher ist zu klären, ob man die beiden Frauen – zumal ohne besondere Sicherungsmaßnahmen – überhaupt hätte zusammenlegen dürfen.
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