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"Totalausfall": Kritik an Saar-Wirtschaftsminister wird immer lauter

Saarbrücken. Der saarländische Wirtschaftsminister Christoph Hartmann (FDP) ist täglich irgendwo anders. Gestern vereinbarte er mit seinem luxemburgischen Amtskollegen Jeannot Krequé, dass man künftig enger zusammenarbeitet. Heute fährt er nach Herzogenaurach, um den Chefmanager der Schaefflergruppe, Jürgen M. Geißinger, davon zu überzeugen, keine Arbeitsplätze aus Homburg zu verlagern, sondern an der Saar noch welche zu schaffen – das Tagesgeschäft eines Wirtschaftsministers.

Dass Hartmann am Samstag einen besonders wichtigen Termin schwänzte – nämlich die Einweihung der neuen Saarstahl-Schmiede – nimmt man ihm allerdings übel. Mit 450 Millionen Euro, die in dieses Industrieprojekt flossen, war es die größte Investition an der Saar seit Jahrzehnten. Stattdessen sah er im Berliner Olympiastadion zu, wie Bayern München die Meisterschale entgegennahm. „Zumal er vorher noch gewarnt worden ist, nicht zum Fußball zu gehen, sondern nach Völklingen“, heißt es aus FDP-Kreisen.

SPD: Ein Totalausfall

„Fußball statt Job – Hartmanns beispielloser Affront gegenüber Wirtschaft und Arbeitnehmern“, giftete gestern die SPD-Opposition. Dies sei „ein weiterer Beleg dafür, dass Hartmann als Minister ein Totalausfall ist“.

„Man weiß nicht, wofür er steht“

So hart wollen Wirtschaftskreise mit ihm nicht ins Gericht gehen. Doch das Grummeln über die bisherige Leistung und manchen Auftritt des 37-Jährigen ist unüberhörbar. „Viele Dinge werden angekündigt, aber im Ministerium nicht abgearbeitet“, lautet ein Kritikpunkt. „Man weiß nicht, wofür er steht“, sagt ein anderer Wirtschaftsvertreter.

„Im Wirtschaftsministerium passiert gar nichts“, bringt es jemand aus dem Umfeld der Behörde auf den Punkt. „Die politische Führung hat keine Ideen und gibt auch keine Strategie vor.“ Man räumt allerdings auch ein, dass der Handlungsspielraum eines Landes-Wirtschaftsministers bei der angespannten Haushalts-Situation „natürlich begrenzt ist“.

Doch auch bei Terminen agiert Hartmann nach Meinung von Beobachtern unglücklich. So sei er bei der 20-Jahr-Feier zum Patentinformationszentrum (PIZ) Saar nur kurz hereingeschneit und direkt wieder verschwunden. „Die Leute fühlen sich durch diese Auftritte nicht respektiert und ernst genommen.“

„Hartmann auf dem Weg vom Parlamentarier zum Minister in seinem Amt noch nicht angekommen"

Inzwischen ist Hartmann dünnhäutig geworden. Beim insolventen Automobilzulieferer Halberg Guss kritisierte er in der Landtagssitzung vergangene Woche „schwankende Krankenstände“ als Teil des Problems. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der Arbeitnehmer und eine Unverschämtheit“, kontert Hans Peter Kurtz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall-Verwaltungsstelle Saarbrücken und Aufsichtsratsmitglied von Halberg Guss.

„Die Mitarbeiter hängen sich richtig rein, haben Angst um ihren Arbeitsplatz – und dann das“, schimpft Kurtz. Eugen Roth, Chef des DGB Saar, ist da milder. Er meint, dass „Hartmann auf dem Weg vom Parlamentarier zum Minister in seinem Amt noch nicht angekommen ist“.
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