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Tote in Sauna-Landschaft: Prozess gegen Bauunternehmer

Im Keller dieses Hauses explodierte bei Arbeiten an einer Sauna-Landschaft aus Draht und Bauschaum
ein Gas-Luft-Gemisch. Zwei Arbeiter starben, zwei wurden schwer verletzt.

Im Keller dieses Hauses explodierte bei Arbeiten an einer Sauna-Landschaft aus Draht und Bauschaum ein Gas-Luft-Gemisch. Zwei Arbeiter starben, zwei wurden schwer verletzt.

Saarbrücken/St. Ingbert. Es sollte ein Ort der Ruhe und Entspannung in dem Wohnhaus in St. Ingbert werden. Doch die geplante Salzgrotten- Sauna wurde zur tödlichen Falle. Beim Ausbau der beiden Kellerräume und der Modellierung der Badelandschaft mit Bauschaum gab es eine Explosion, dann brach Feuer aus. Zwei Bauarbeiter starben in den Flammen, zwei wurden extrem schwer verletzt. Das Ganze passierte am 4. Dezember 2009. Die beiden früheren Chefs der Bauarbeiter sitzen deshalb seit gestern auf der Anklagebank des Landgerichts. Den Gesellschaftern eines Bauunternehmens im Ruhrgebiet wird die Verletzung von Vorschriften zur Bausicherheit und fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Eine Grotte aus Bauschaum

Die Angeklagten – sie sind heute 47 und 48 Jahre alt – wiesen ihre Verantwortung für den Tod und die schweren Verletzungen ihrer früheren Mitarbeiter zurück: Die polnischen Bauarbeiter im Alter von Mitte zwanzig bis Mitte dreißig seien auf mehreren früheren Baustellen in ganz Deutschland über die Gefahren des eingesetzten Bauschaumes informiert worden. Aber sie hätten wohl einen Fehler gemacht oder die vorhandene Lüftungsanlage nicht richtig genutzt. An diesem Punkt hakten die Richter und die Staatsanwältin immer wieder nach und arbeiteten heraus: Die beiden Angeklagten aus dem Ruhrgebiet hatten sich 2006 selbstständig gemacht und einen Lehrgang für Existenzgründer besucht.

Ob es dabei auch um Bausicherheit gegangen war, wissen sie nicht mehr. Jedenfalls spezialisierten sie sich auf den Bau von Salzgrotten – eine Sauna- und Badelandschaft in Form einer Grotte mit Salzkristallen. Das Ganze bauten sie mit Drahtgeflechten und Bauschaum aus Dosen. Dieser Schaum ist eigentlich zur Abdichtung von Fenstern oder Türen gedacht. Und er darf nur in gut gelüfteten Räumen genutzt werden. Die Arbeit vor Ort übernahmen polnische Arbeitskolonnen.

Explosionsgefahr durch Gase

Die Angeklagten erklärten, alles habe gut funktioniert. Etwa 2009 hätten dann einige Arbeiter über Kopfschmerzen geklagt. Darauf habe man sich eine Lüftungsanlage mit Ventilator besorgt – so etwas Ähnliches, wie es zur Entlüftung feuchter Räume benutzt wird. Aus Sicht der Anklagevertreterin erfüllt dieses Vorgehen nicht einmal ansatzweise die Sicherheitsvorschriften am Bau. Es habe keine Ortsbegehung vor Aufnahme der Arbeiten gegeben, keine Gefahrenanalyse, keine Risikoeinschätzung, keine Regelung der Schutzmaßnahmen, keine Besprechung mit allen Arbeitern.

Vor Ort seien bis zu 200 Dosen Bauschaum eingesetzt worden – in dem kaum belüfteten Keller mit einer für Gefahrstoffe ungeeigneten Lüftungsanlage und unter Einsatz einer behelfsmäßigen zusammengebastelten Lichtinstallation. Gegen 20 Uhr am 4. Dezember 2009 sei daraufhin das bei der Arbeit entstandene Gas-Luft- Gemisch explodiert. Und zwei Männer seien gestorben, zwei schwer verletzt worden. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

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