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Totenstille auf den Saarbrücker Friedhöfen

Vandalen haben auf dem Friedhof in Alt-Saarbrücken gewütet. Der Gedenkort ist heute ein Park. Fotos: Traudl Brenner

Vandalen haben auf dem Friedhof in Alt-Saarbrücken gewütet. Der Gedenkort ist heute ein Park. Fotos: Traudl Brenner

An den Tagen vor Allerheiligen hat es früher auf unseren Friedhöfen gewuselt: Da haben die Hinterbliebenen, also Kinder und Enkel der Verstorbenen, die Gräber auf den Winter vorbereitet, alles schön sauber gemacht, die Bepflanzung abgedeckt, Blumen mitgebracht. Ehrensache war das.

Und heute? Wir haben uns am Wochenende mal umgesehen – natürlich nicht auf allen 22 Saarbrücker Friedhöfen, aber immerhin auf einigen. Und festgestellt: Da hat sich die Welt gründlich verändert. An den Tagen vor Allerheiligen – wunderbares Wetter, Sonne, warm – sind nur sehr wenige, meist ältere Leute bei der Grabpflege anzutreffen. Die paar Männer hier und da waren Mitarbeiter von Gartenbauunternehmen.

Dann – die große Ausnahme – schafft ein älteres Ehepaar schwer an einem Familiengrab. Jaja, sagen sie, das sei früher alles anders gewesen, da hätten sich die Familien viel mehr selbst um die Gräber gekümmert. Das sei aber aus der Mode gekommen.

„Überhaupt: Gucken Sie sich doch mal an, wie viele Gräber aufgegeben sind“, sagt die Frau.

Und in der Tat: Zahlreiche Lücken gibt es in den Gräberreihen. Wo früher Gräber waren, wölben sich Maulwurfshügel.Und auf zahlreichen alten Grabsteinen kleben Zettel mit dem Hinweis, die Liegezeit sei abgelaufen. Ganze Felder liegen ungenutzt. Frische Blumen finden sich übrigens nicht auf den Gräbern. „Die kann man erst zu Allerheiligen bringen, sie werden sonst geklaut“, sagt eine Frau, die ein paar Felder weiter ein Grab winterlich abdeckt.

Carmen Dams, die Leiterin des Amtes für Stadtgrün und Friedhöfe, bringt es auf den Punkt: Das Bestattungsverhalten habe sich total verändert in den letzten zehn bis 15 Jahren. Nur noch ältere Leute kümmerten sich um ihre Gräber . Und die preiswertere Urnen-Bestattung laufe der Erdbestattung den Rang ab – günstig, praktisch, keine Grabpflege mehr nötig. Da sei buchstäblich eine Kulturrevolution im Gang, sagt Dams.

Zunehmend würden Gräber aufgelöst, ganze Bereiche der Friedhöfe müssten in Parkanlagen umgewandelt werden, weil nur noch ein Viertel der Fläche belegt sei. Negative Begleiterscheinung auch für die Stadt Saarbrücken : Dadurch seien die Gebühreneinnahmen erheblich weggebrochen.

Stichwort „Friedhöfe werden zu Parkanlagen“: Auf dem ehemaligen Alt-Saarbrücker Friedhof, der in einen Park umgewandelt wurde,ist die ganze Anlage demVandalismus zum Opfer gefallen. Die historischen Grabsteine sind zum erheblichen Teil zerschlagen und umgekippt. Ist das Teil der Kulturrevolution?

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