A6 Kaiserslautern Richtung Metz/Saarbrücken Zwischen AS Rohrbach und AS Sankt Ingbert-Mitte Gefahr durch defekten LKW (06:35)

A6

Priorität: Sehr dringend

11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Totes Baby: Hilbringens Ortsvorsteher fassungslos

Hilbringen. Ein freundliches Wort haben die beiden Verkäuferinnen an der Hilbringer Tankstelle für alle Kunden übrig – zwischen Tankfüllungen abkassieren, Snacks, Kaffee oder Zigaretten verkaufen. Doch über die Tragödie um das tote Baby schweigen sie sich aus. „Es ist ja noch nichts geklärt“, meint die ältere des Duos zu dem grausigen Fund am frühen Montagmorgen. Nur wenige Meter von der Tankstelle entfernt hatten vier mutmaßliche Autoknacker gegen 3.30 Uhr den Leichnam in einem Fahrzeug entdeckt. „Die drei Männer im Alter von 22, 25 und 28 Jahren und eine 19-jährige Frau haben den toten Jungen, etwa sieben Monate alt, in einem Rucksack entdeckt“, sagt Polizeipressesprecher Georg Himbert auf SZ-Anfrage.

Das Grauen erregende Bild dürfte sich bei den Vieren eingebrannt haben. „Drei Notfallseelsorger haben die jungen Leute betreut, bis sie zur Vernehmung zur Kripo gebracht wurden“, berichtet Ruth Betzholz- Röder, Sprecherin der Notfallseelsorge und Krisenintervention im Kreis Merzig- Wadern. „Es reicht manches Mal schon aus, wenn einer da ist, der zuhört“, sagt sie. Auf den Inhalt der Gespräche will sie allerdings nicht eingehen. Während die Polizei noch bei Dunkelheit ihre Ermittlungen aufnimmt und Spuren sichert, leuchten zehn Mann der Freiwilligen Feuerwehr Hilbringen das Gelände aus. „Als Ersatz für das Tageslicht“, wie Löschbezirksführer Rüdiger Bell sagt. „Es war kein einfacher Einsatz – nicht nur wegen der Eiseskälte von minus zehn bis minus zwölf Grad.“ Auch bei den Einsatzkräften sitzt der Schock über den grausigen Fund tief. „Wir waren bis 8.10 Uhr vor Ort, mehr als vier Stunden.“

„Es ist grausam“

Die Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst habe sie gesehen, als sie gegen 4.30 Uhr zur Arbeit gefahren sei, erzählt die sympathische Verkäuferin der Bäckerei- Filiale Marxen in Hilbringen. „Erst später habe ich von Kunden erfahren, dass vier junge Leute auf dem Gelände ein totes Baby aufgefunden haben“, berichtet die Frau, die ihren Namen nicht nennen will. An Spekulationen will sie sich nicht beteiligen – ebenso wie Imbiss- Besitzer Thomas Wenzel. „Es ist schlimm, ja grausam“, meint er. Seine Mitarbeiterin Edelgard Kostian nennt diese Tragödie unfassbar. „Natürlich kennt man die Gründe nicht. Da muss man erst die Obduktion abwarten. Aber es gibt doch Babyklappen oder andere Institutionen, die im Notfall helfen. Wenn das Kind doch nur an einer Haustüre abgelegt worden wäre und man geklingelt hätte. Dann wäre es vielleicht noch zu retten gewesen“, meint sie. Auch Nicole Mühlstätt, die mit ihrem Töchterchen in der Bäckerei Meguin einkauft, kann das Geschehene nicht nachvollziehen.

„Mein Mann hat mich heute Morgen angerufen. Er hat diese schreckliche Nachricht auf dem Weg zur Arbeit aus dem Radio erfahren. Es ist einfach grausam. Von solchen Dramen hört man, aber dann ist es weit, weit weg. Und jetzt geschieht so etwas in unmittelbarer Nachbarschaft.“ Die Bäckerei-Verkäuferin, die ebenfalls ihren Namen nicht nennen will, ergänzt: „Viele Mütter, mit denen ich heute gesprochen habe, sind entsetzt. So was ist ganz, ganz schlimm.“ Tief erschüttert beschreibt Hilbringens Ortsvorsteher Stefan Dorbach seine Gefühlslage und die der Hilbringer: „Zum einen bin ich erschüttert, dass es überhaupt zu einem solchen Ereignis kam, obwohl es viele unterschiedliche Hilfs- und Unterstützungsangebote von Behörden und Sozialeinrichtungen für werdende und junge Mütter und auch für Menschen in besonderen Ausnahmesituationen gibt. Zum anderen aber auch, dass sich dies in unserem Stadtteil zugetragen hat.“ Jedem Bürger und vielen Durchreisenden sind nach seinen Worten sowohl die Tankstelle als auch die dort beschäftigten Mitarbeiter bekannt. „Auch die eingesetzten Beamten der Polizei, die Feuerwehrleute und die weiteren beteiligten Personen sind allen bekannt. Sie müssen das Erlebte verarbeiten“, sagt Dorbach, selbst Feuerwehrmann. „Wir sind in Gedanken alle bei dem kleinen Erdenbürger, der jetzt sicher als Engel beim lieben Gott weilt.“
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein