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Tragisches Unglück in St. Ingbert beschäftigt jetzt Justiz

. Am 4. Dezember 2009 verlor Ira Kreutzberger mit einem Schlag ihre Existenz. Die damals 47-Jährige saß auf der Couch in ihrem Haus in der St. Ingberter Nelkenstraße und sah fern, als eine Explosion plötzlich vor ihren Augen die Terrassentür aus den Angeln riss und in den Garten schleuderte. Die komplette Inneneinrichtung des Hauses verkohlte, Kreutzbergers Studio für medizinische Fußpflege und Fachkosmetik ging in Flammen auf.

Am schlimmsten aber: Im Keller starben zwei Menschen, zwei weitere wurden bei dem Unglück schwer verletzt. Kreutzberger wollte für therapeutische Zwecke eine Salzgrotte in ihrem Keller einrichten lassen und beauftragte ein Bauunternehmen aus dem Ruhrgebiet. Dieses schickte vier polnische Arbeiter als Subunternehmer, die die Salzgrotte im Stil einer Tropfsteinhöhle bauen sollten. Aus Draht und Bauschaum wollten die Arbeiter Stalaktiten formen. Während der Arbeit mit 130 Dosen dieses Schaumes bildete sich ein explosives Gas-Luft-Gemisch, das zwei der vier Arbeiter zum Verhängnis wurde. Das Haus in der Nelkenstraße wurde unbewohnbar. Die Eigentümer der Bottroper Baufirma wurden Anfang des Monats in Saarbrücken wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Die schreckliche Explosion ereignete sich vor drei Jahren, doch das Haus in der Nelkenstraße steht immer noch leer und ist unbewohnbar. Ira Kreutzberger muss mit ihren zwei Kindern in einer Mietwohnung leben. Ihre Geschäfte gehen nicht gut, da sie medizinische Fußpflege nur im Hausbesuch und Fachkosmetik überhaupt nicht mehr anbieten kann. Der Grund: Seit der Explosion streitet Kreutzberger mit ihrem Gebäudeversicherer, der DEVK. „Das Studio für Kosmetik und medizinische Fußpflege war top eingerichtet, das Haus insgesamt so gut wie neu renoviert“, erzählt sie. Die DEVK schickte einen Gutachter, der den Substanzschaden mit 219 400 Euro veranschlagte. „Das waren mehr als 100 000 Euro zu wenig“, sagt Kreutzberger. Sie ließ ein Gegengutachten anfertigen. Ihr Gutachter ermittelte einen Schaden in Höhe von 350 400 Euro. Eine außergerichtliche Einigung zwischen Kreutzberger und Versicherung scheiterte im Dezember 2011. Nach Angaben der Betroffenen lehnte die Versicherung eine erneute Prüfung der einzelnen Schadensposten ohne Begründung ab. Kreutzberger zog vor Gericht und strengte ein selbstständiges Beweisverfahren an. Das Gericht bestellte einen eigenen Gutachter, der den Explosionsort erneut untersuchte.

312 600 Euro wies der neutrale Gutachter als Beträge als Neuwertschaden aus, hinzu kamen noch Mehrkosten infolge behördlicher Auflagen. Das Verfahren läuft noch. Ira Kreutzberger ist erbost über das Vorgehen ihrer Versicherung: „Wie kann es sein, dass der Gutachter der DEVK den Schaden um so viel geringer einschätzt wie zwei andere Gutachter?“ Außerdem drängt für die 50-Jährige die Zeit, am 4. Dezember diesen Jahres endet die Drei-Jahres-Frist für die Neuwertentschädigung. „Wenn ich bis zu diesem Datum nicht zeige, dass ich willig bin, wieder aufzubauen, bekomme ich den vollen Schaden nicht erstattet“, erzählt Kreutzberger. Die Unternehmerin glaubt, dass die Versicherung das Verfahren in die Länge zieht, um so Kosten zu sparen.

Vor wenigen Tagen hat die DEVK Kreutzberger eine Fristverlängerung eingeräumt. „Es gehe nicht darum den Vorgang zu verschleppen“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Im Übrigen wollte sich die Versicherung nicht zu einem laufenden Verfahren äußern.

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