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Trauer-Stimmung an der Saar-Uni überschattet Tag der offenen Tür

Studierende und Mitarbeiter der Saar-Uni trugen die Volluniversität bei einem Trauermarsch symbolisch zu Grabe.

Studierende und Mitarbeiter der Saar-Uni trugen die Volluniversität bei einem Trauermarsch symbolisch zu Grabe.

  Studierende und Mitarbeiter der Universität des Saarlandes (UdS) haben die Volluniversität beim Tag der offenen Tür symbolisch zu Grabe getragen. Nur wenige Besucher waren am Samstag auf dem Uni-Campus zum Feiern aufgelegt: Die im Raum stehenden massiven Kürzungspläne von Land und Uni-Leitung sorgten überwiegend für Wut und Trübsal. Zwar ist noch nichts endgültig, doch sollen laut einem uni-internen „Konzept zur finanzierungsbedingten Neuaufstellung der Universität des Saarlandes“ mehrere Fachrichtungen wegfallen, darunter etwa die Geographie und die Slavistik.

Hans-Peter Dörrenbächer, Professor für Kulturgeographie, warb dennoch mit einem kleinen Stand für seine Fachrichtung, für die sich Interessierte bislang noch einschreiben können. „Ich bin betrübt. Es wurde nicht inhaltlich argumentiert, sondern lediglich danach geschaut, wann und wo Stellen frei werden“, sagte er und meinte weiter: „Bei der Wissensgenerierung zu sparen, bedeutet, an dem Ast zu sägen, auf dem wir sitzen.“ Zwar könne das Saarland Erdkundelehrer „importieren“, diese wiesen dann aber keine regionalen Kenntnisse auf. „Der Bezug zu unserer Region wird im Unterricht verloren gehen“, fürchtet Dörrenbächer.

Beim Trauerzug auf dem Uni- Campus stellten vor allem Geisteswissenschaftler kritische Fragen: Was wird aus den Immobilienpreisen, wenn viele, dann ehemalige Universitätsmitarbeiter wegziehen? Was, wenn knapp 5000 Studierende weniger im Land sind? Auf was muss sich der regionale Kulturbereich einstellen, wenn es weniger Geisteswissenschaftler gibt? Wie entwickelt sich das Stadtbild? Steigt der Altersdurchschnitt, wenn weniger Studierende im Anschluss an ihr Studium im Saarland sesshaft werden?

Philologie-Professor Peter Riemer, der beim Trauerzug mitging, warnte vor finanzpolitischen Fehlentscheidungen: „Wenn die Bafög-Entlastung des Landes nicht in den Grundhaushalt der Uni investiert wird, ist das ein Fehler“, sagte er. Dies sei zu beachten, wenn der Bund künftig die komplette Bafög-Finanzierung übernehme.

Trotz der allgegenwärtigen Sorgen konnten Interessierte am Tag der offenen Tür aber auch allerhand Kultur, Technik und Naturwissenschaft erleben. Kulinarisch bot die Studentengruppe „Mochila“ südamerikanische Fruchtsäfte aus fairem Handel an. Nicht weit entfernt standen die „Saar Veggies“ mit einem Angebot veganer Köstlichkeiten. Studierende der Kulturwissenschaften luden zu einer „spaziergangswissenschaftlichen Begehung“ des Saarbrücker Campus, bei der auch einige unübliche Wege auf dem Uni-Gelände erkundet wurden. Das Leibniz-Institut für Neue Materialien demonstrierte den Besuchern Kristallchemie.

Und die Informatiker vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz zeigten unter anderem die „intelligente Küche“, die auf Zuruf die gewünschte Menge an Teewasser ausgibt oder Schritt für Schritt das Rezept für eine Tomatensuppe vorliest.

„So könnten Blinde unterstützt werden“, sagte der Informatiker Ulrich Schäfer. Alles in allem ein widersprüchlicher Tag aus Freude und Schwermut.

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