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Trauma nach Busunfall: Saarbrückerin gründet Selbsthilfegruppe

Saarbrücken. Am 6. August 2009 änderte sich das Leben von Frau B. Sie war mit dem Bus eines saarländischen Unternehmens auf Österreich-Rundreise, als in der Nähe von Wien ein Lkw mit Bus kollidierte. Der Bus wurde über die Leitplanke auf die Gegenfahrbahn geschleudert, kippte auf die Seite und schlitterte noch 100 Meter weiter. Ein Toter, drei Schwer- und 17 Leichtverletzte waren die Bilanz dieses Unfalls. „Mir gehen die Bilder nicht aus dem Kopf, ich habe die Situation wieder und wieder erlebt und mich so ausgeliefert und ohnmächtig gefühlt“, beschreibt Frau B. die seelischen Folgen.

Posttraumatische Belastungsstörungen

Allein der Anblick eines Busses hat sie lange Zeit in Angst und Schrecken versetzt. Erst in der Therapie hat sie gelernt, wieder in einen Bus zu steigen, auch wenn sie das große Überwindung kostet. Wie Frau B. leiden viele Personen, die an einem Unfall oder einer Katastrophe beteiligt waren, an Erinnerungen und Symptomen, die ihre Lebensqualität und ihren Alltag erheblich einschränken. Man spricht von posttraumatischen Belastungsstörungen.

Das hat Frau B. zum Anlass genommen, eine Selbsthilfegruppe zu gründen für Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Das Ziel dieser Sitzungen liegt für Frau B. auf der Hand: „Dass es uns endlich wieder besser geht.“ Bisher hat sich die Gruppe einmal getroffen. „Jeder erzählt, warum er da ist. Und jeder möchte auch den anderen helfen.“, erklärt die Rentnerin. Dabei seien die Betroffenen auch froh, wenn sie auf Leute treffen, denen es genauso gehe wie ihnen selbst.

Albträume, Panikattacken und Schmerzerinnerung

Doch woran erkennt man, dass man möglicherweise ein Trauma hat? „Die Betroffenen leiden unter anderem an Symptomen wie bruchstückhaften Erinnerungen, Vermeidungsverhalten, Albträumen, Panikattacken und Schmerzerinnerung“, sagt Susanne Münnich-Hessel, Psychotherapeutin von Frau B. aus Kleinblittersdorf. Daher sollte man erst einen Therapeuten zu Rate ziehen, bevor man sich einer Selbsthilfegruppe anschließt. „Denn man muss darauf achten, dass keine Retraumatisierung erfolgt.“ Eine Therapie sei in der Regel unumgänglich, wenn die Folgeerscheinungen des Traumas nicht von selbst abklingen.

Allerdings sei es schwierig, einen Therapeuten zu finden, meint Frau B., da die meisten Psychologen und Arztpraxen überlaufen seien. Oft müsse man zu lange warten, bis man einen Termin bekomme. „Es gibt zu wenig Therapeuten und Psychologen“, sagt Frau B.

Rezept gegen das Trauma: „Reden, reden, reden.“

Hat man letztendlich doch einen Therapeuten gefunden, sei das Ziel der Behandlung die Stabilisierung des Patienten. „Sinn der Therapie ist es, dass die Menschen sich wieder im Alltag zurechtfinden“, erklärt Münnich-Hessel. Dabei müsse man sehr behutsam vorgehen. Für Frau B. hat jedoch auch die Selbsthilfegruppe einen hohen Stellenwert. Diese sei hilfreich, weil man sich gegenseitig zuhöre. Auch an die Angehörigen hat Frau B. einen Wunsch: „Sie sollten etwas sensibler reagieren.“

Ihr persönliches Rezept gegen das Trauma heißt „Reden, reden, reden.“ Ihre Therapeutin setzt teilweise andere Schwerpunkte. „Die Angehörigen sollten die Betroffenen unbedingt zu einer Therapie ermuntern und nicht zu oft über das Trauma reden, wenn die diese darauf panisch reagieren.“ Im Gegenzug sollten sie aber gesprächsbereit sein, wenn die Betroffenen von sich aus über das Trauma reden.

Auf einen Blick

Die neue Selbsthilfegruppe trifft sich jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat, jeweils 18 Uhr, in der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland (KISS), Futterstraße 27, Saarbrücken. Infos unter Tel. (06 81)960 21 30 oder im Internet unter :: www.selbsthilfe-saar.de. chr

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