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Trick-Betrüger: Schlug die Camorra im Saarland zu?

Trickbetrüger, die wahrscheinlich für die neapolitanische Camorra erbeiten, treiben mit gefälschten Lederjacken ihr Unwesen.

Trickbetrüger, die wahrscheinlich für die neapolitanische Camorra erbeiten, treiben mit gefälschten Lederjacken ihr Unwesen.

Saarbrücken/Saarlouis. Die Experten des Landeskriminalamtes (LKA), die sich um Organisierte Kriminalität (OK) kümmern, sind sich ziemlich sicher: Das ist die Handschrift der italienischen Mafia. Konkret führen die Spuren, die mysteriöse Lederjacken-Betrüger bei ihrem kriminellen Handwerk in den letzten Monaten hinterlassen haben, nach Neapel und damit zu einem Verbrechersydikat, der so genannten Camorra. 27 Fälle sind im Saarland im letzten Jahr bekannt geworden. 2009 waren es sechs, 2008 elf Fälle. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass nur ein Bruchteil der tatsächlichen Betrugsfälle überhaupt bei der Polizei angezeigt wurde, das Dunkelfeld also extrem groß ist. Auch in anderen Bundesländern, beispielsweise in Hamburg, sind die Betrüger in Mafia-Diensten nachweislich aktiv.

 Vorwiegend alte Menschen  auf der Straße angesprochen

Kriminalhauptkommissar Hans Peter Pauly, Vizechef des OK-Dezernates beim LKA, beschreibt die Masche der Trickbetrüger: „Die Straßenhändler sprechen unter Vortäuschung, dass sie jemanden aus ihrer Familie kennen oder ein ehemaliger Arbeitskollege seien, vorwiegend alte Menschen auf der Straße an, um diesen dann Lederjacken-Imitate zu verkaufen.“ Der redegewandte Verkäufer versichere, dass es sich bei den Jacken um hochwertige Kleidungsstücke handele, die er wegen einer persönlichen Notlage verkaufen müsse. So wurde argumentiert, man brauche Bargeld für die Rückfahrt nach Italien. Die redegewandten Männer waren in einem hellblauen Fiat Bravo mit italienischem Kennzeichen unterwegs. Das Auto war in Neapel als Mietwagen zugelassen.

Jacken richen nach Teer und sind  sechs bis sieben Euro wert

Den LKA-Ermittlern ist beispielsweise bekannt, dass die aus Italien stammenden Täter, die mitunter auch im Duo auftreten, eines ihrer Opfer dazu überreden konnten, mit ihnen an einen Geldautomaten zu fahren. So kaufte der Mann letztlich drei der angeblichen Lederjacken für 900 Euro. In einem anderen Fall sollen 5000 Euro gezahlt worden sein. Die Kriminalisten schätzen, dass die Jacken mit dem unangenehmen Teergeruch sechs bis sieben Euro wert sind.

Lösemittelrückstände und Weichmacher

Recherchen ergaben, dass die Billigjacken in China produziert wurden und wohl in großer Stückzahl an Auftraggeber in Neapel geliefert wurden. Eine Untersuchung beim Landesamt für Verbraucherschutz ergab: Die angeblich wertvolle Lederjacke war zu 100 Prozent aus PVC (Kunststoff). Zudem wurden Schadstoffe wie Lösemittelrückstände und Weichmacher festgestellt. Die Sachverständigen stufen die untersuchten Kleidungsstücke deshalb als „gesundheitsbedenklich“ ein.

Wahrscheinlich haben sich nur wenige Opfer der Trickbetrüger überhaupt bei der Polizei gemeldet. Die OK-Ermittler bitten deshalb weitere Betroffene und auch mögliche Zeugen umgehend um Hinweise an die nächste Polizeidienststelle oder unter der Telefonnummer (06 81) 962 33 33.

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