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Trierer Bischof will die Täter zur Kasse bitten

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann (47) ist seit gut einem halben Jahr Missbrauchsbeauftragter der deutschen katholischen Bischofskonferenz. Im Bistum Trier muss er darüber hinaus ein 40-Millionen-Euro-Sparprogramm umsetzen. Mit Ackermann sprachen die SZ-Redakteure Guido Peters und Oliver Schwambach.

Bundespräsident Christian Wulff hat mit seiner Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland“ eine heftige Debatte ausgelöst. Rüttelt das an den Grundfesten des christlich-abendländischen Verständnisses?

Ackermann: Ich hätte es vorsichtiger formuliert: Nicht der Islam schlechthin, sondern die hier lebenden Muslime, auch mit ihrer Religion und ihrer Kultur, sind ein Teil Deutschlands. Das im Zusammenhang mit den Fragen der Integration zu benennen, ist richtig und wichtig.

Zum Thema Missbrauch: Die katholische Kirche hat sich dazu durchgerungen, den Opfern sexuellen Missbrauchs eine Entschädigung zu zahlen. Warum ist bisher nichts über die Summe der Entschädigung gesagt worden?
Ackermann: Nein, nicht durchgerungen... Wir haben klar gesagt, wir wollen uns beteiligen an der Anerkennung des erlittenen Unrechts. Dies allerdings nicht reduzieren auf einen reinen Geldbetrag. Die Bischofskonferenz hat deshalb ein Modell vorgelegt, das vier Elemente vorsieht: die Einrichtung eines Präventionsfonds, aus dem Projekte zur Vorbeugung gegen Missbrauch finanziert werden, die Übernahme von Therapiekosten, die finanzielle Entschädigung sowie besondere Hilfen in Härtefällen. Wir haben bisher noch keinen Betrag festgeschrieben, weil wir dies im Verbund mit anderen betroffenen Institutionen klären wollen.

Ist nicht zu befürchten, die Kirche schiebt die Entscheidung auf die lange Bank?
Ackermann: Nein. Wir drücken uns um keine Entscheidung. Wir haben ja als erste einen Vorschlag auf den Tisch gelegt und schlagen ein ganzes Maßnahmepaket vor. Der Runde Tisch sexueller Kindesmissbrauch, der am 1. Dezember tagt, sollte über die Frage der materiellen Hilfen möglichst zeitnah entscheiden.



Gibt es ein Einvernehmen darüber, dass die Entschädigung nicht aus dem Kirchensteueraufkommen gezahlt wird, denn damit würden ja alle Gläubigen zur Kasse gebeten?
Ackermann: Das soll in der Tat nicht sein. Doch egal aus welchen Vermögenstiteln wir das Geld nehmen: Es ist Vermögen der kirchlichen Gemeinschaft, also aller Gläubigen. Wir haben in dem Modell aber auch festgelegt, dass zuerst einmal der Täter in die finanzielle Verantwortung genommen werden soll.

Angesichts der Missbrauchs-Fälle gab es eine Austrittswelle aus der katholischen Kirche. Hat sich dies mittlerweile wieder beruhigt?
Ackermann: Die Zahl der Austritte geht mittlerweile wieder zurück. In diesem Jahr sind es im Bistum bisher rund 6000.

Sie haben zwei besondere Aufgaben auf sich genommen: das Thema Missbrauch und das Sparpaket im Bistum. Berührt Sie das persönlich? Wie gehen Sie damit um?
Ackermann: Die Kontakte, die ich mit Missbrauchs-Opfern hatte, waren für beide Seiten sehr kräfteraubend, aber zugleich auch sehr offen und vertrauensvoll. Das Erschütterndste für mich war die Tatsache, dass der Vertrauensvorschuss, den Seelsorger genießen, auf perfide Weise missbraucht wurde. Ich muss allerdings auch sagen: Für den Kostensenkungs-Entwurf im Bistum wurde ich mit viel mehr Kritik bedacht als in meiner Funktion als Missbrauchsbeauftragter.



Hat die große Missbrauchs-Debatte nicht auch gezeigt, dass in der Kirche eine intensive Diskussion über Fragen der katholischen Sexualmoral längst überfällig ist?
Ackermann: Ja, da haben wir Gesprächsbedarf. Welche Antworten geben wir Menschen, wo das Leben nicht geradlinig nach dem hohen Ideal des christlichen Menschenbildes verläuft? Zum Beispiel das Thema der geschiedenen Wiederverheirateten. Da haben wir keine wirkliche pastorale Antwort. Das kann nicht sein.

Gilt das auch für den Zölibat?
Ackermann: Ich halte nichts davon, jetzt eine Diskussion über die Entkopplung von Priesteramt und Zölibat vom Zaun zu brechen. Vielmehr muss es darum gehen, wie man unter den heutigen Bedingungen zölibatär gut gelingend leben kann. Da muss ich den Priestern helfen.

Zum Bistum: Mit spitzem Rotstift sollen jährlich 40 Millionen Euro eingespart werden. Wären manche Einsparungen nicht hinfällig, wenn das Bistum Teile seines Vermögens versilbern würde?
Ackermann: Wir machen das bereits und wollen Immobilien auch weiterhin veräußern. Doch sakrale Gebäude und Pfarrheime lassen sich meist nicht allzu gut vermarkten. Bei Grundstücken ist das zum Teil anders. Wo dies nötig und möglich ist, werden wir darauf zurückgreifen.

Apropos Sparen: Wie sieht es um die geplante Schließung des Jugendtreffs Café Exodus und der Katholischen Hochschulgemeinde in Saarbrücken aus?
Ackermann: Das Sparprogramm wird Ende Oktober vorgestellt. Bis dahin bleibt noch etwas Spannung.

Droht bei der Zusammenlegung von Pfarreien nicht die Seelsorge auf der Strecke zu bleiben, wenn der Priester vor Ort fehlt?
Ackermann: Die stärkere Vernetzung der Gemeinden ist nicht nur dem fehlenden hauptberuflichen Personal geschuldet. Auch angesichts der schwindenden Kirchenbindung vieler Gläubiger geht es darum, die Kräfte zu bündeln. Trotzdem bleibt der schwierige Spagat zwischen Bündelung der Kräfte einerseits und lokaler Präsenz andererseits. Denn es muss auch künftig eine „katholische Klingel“ vor Ort geben.

Kurzer Blick auf Saarbrücken: Wird die Basilika St. Johann ein geistliches Zentrum?
Ackermann: Lassen Sie mich vorerst mal sagen: Wir werden dort einen besonderen Akzent setzen. Die Basilika ist als Gottesdienst- und Bet-Kirche ein besonderer Punkt in der Innenstadt.
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