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Triererin wacht in Messie-Wohnung tagelang neben Leiche der Mutter

Die geistig Behinderte wurde in einer vermüllten Wohnung mit der toten Mutter gefunden.

Die geistig Behinderte wurde in einer vermüllten Wohnung mit der toten Mutter gefunden.

Trier. Elisabeth S. ist überzeugt, dass ihrer 24-jährigen Nichte Christina ein „langer und unfassbarer Leidensweg“ hätte erspart werden können, wenn das Trierer Amtsgericht, das Trierer Ordnungsamt und die Betreuungsbehörde eher reagiert hätten. Den traurigen Höhepunkt am Mittwoch, 19. September 2012, beschreibt in nüchternen Worten ein dem „Triererischen Volksfreund“ vorliegendes Dokument des Trierer Ordnungsamts. Demnach hatte sich der erst kurz zuvor vom Amtsgericht eingesetzte hauptberufliche Betreuer Sorgen gemacht. Am Freitag und am Montag hatte er erfolglos versucht, Christina K. und ihre Mutter zu besuchen. Am Mittwoch quillt der Einsatzmeldung zufolge der Briefkasten über, und aus der Wohnung dringt übler Gestank. Der Betreuer klettert an einem Baugerüst hinauf und bringt das Mädchen dazu, die Wohnungstür zu öffnen. In einem anderen verwahrlosten und zugestellten Zimmer findet er die Mutter „in leblosem Zustand neben ihrem Bett“. Dem äußeren Erscheinungsbild nach sei sie bereits ein bis zwei Tage tot; die komplette Wohnung sei mit Unrat so zugestellt, dass ein normales Betreten kaum möglich sei. Die Küche befinde sich in einem „seuchenrelevanten Zustand“, heißt es in der Einsatzmeldung weiter.

Aus Sicht von Elisabeth S., bei der Christina inzwischen lebt, hätte das ihrer Nichte erspart werden können. Im Februar 2011 meldet Frau K. ihre Tochter Christina bei den Werkstätten der Lebenshilfe ab. Fortan bleibt sie bei der Mutter zu Hause. Elisabeth S. beginnt, sich Sorgen zu machen, zumal ihre Schwester zunehmend verwirrt wirkt – und ihre Nichte teilnahmslos. Bereits Ende April 2012 hatten Ordnungsamt und Betreuungsbehörde einen anonymen Hinweis bekommen, dass Frau K. mit hoher Wahrscheinlichkeit ein „Messie“ sei. Elf Wochen nach Eingang des anonymen Hinweises bestätigt das Gesundheitsamt am 17. Juli, dass Frau K. unter einem „Messie-Syndrom“ leidet. Bevor es an jenem 17. Juli bei einem „Überraschungsbesuch“ gelingt, in die Wohnung zu kommen, sind dem Schreiben des Gesundheitsamts zufolge zahlreiche Versuche gescheitert. Organische Ablagerungen finden sich in der Wohnung nicht. Daher gibt es laut Gesundheitsamt keine Grundlage, eine „Ordnungsverfügung gemäß Infektionsschutzgesetz“ zu erteilen. Im Juli erhält Elisabeth S. die Nachricht, dass ihre Schwester ins Krankenhaus muss, und bietet an, Christina bei sich aufzunehmen. Daher ernennt das Amtsgericht sie am 13. Juli für die Dauer des Aufenthalts ihrer Nichte zur zweiten Betreuerin. Bei der Übergabe habe sich Christina in einem „hygienisch sehr bedenklichen Zustand befunden“. Am 6. August reist Christina mit ihrer Mutter, die zwei Tage zuvor zur Besichtigung eines Wohnheims für Christina nach Ostfriesland gekommen war, wieder nach Trier. Elisabeth S. informiert die Rechtspflegerin über den Zustand ihrer Schwester und die neuesten Vorkommnisse.

Im Laufe des Augusts lässt Frau K. Christinas Umzugstermine verstreichen. Nach Auskunft der Stadtverwaltung versuchen Betreuungsbehörde und Rechtspflege in den kommenden Wochen mehrfach, die beiden Frauen zu Hause zu besuchen. Auch uniformierten Mitarbeitern des Ordnungsamts sei am 12. September nicht geöffnet worden. Sie sehen keinen Grund, sich gewaltsam Zugang zu verschaffen.

„Am 13. und 14. September telefonierte ich während einer Reise zu unserem Sohn in die Schweiz letztmalig mit der Rechtspflegerin. Ich flehte sie an, etwas zu tun“, sagt Elisabeth S. Dann endlich habe das Gericht am 14. September einen amtlichen Betreuer bestellt, der diese Aufgabe anstelle der Mutter übernehmen sollte. Auch den neuen Betreuer ruft Elisabeth S. am 14. September an, „um die Dringlichkeit seines unverzüglichen Einschreitens zu verdeutlichen“. Das ist der Freitag, an dem er erstmals vergeblich versucht, die Frauen zu besuchen. Zu diesem Zeitpunkt dürfte Frau K. noch gelebt haben. Fünf Tage später wird der Betreuer dann ihre Leiche finden.

Wenige Tage, nachdem sie aus der Wohnung befreit worden ist, zieht Christina zu ihrer Tante und ihrem Onkel nach Ostfriesland. Ein Arzt diagnostiziert Mangelerscheinungen. „Wir werden jeden Tag mit einer traumatisierten jungen Frau konfrontiert, die an den schmerzhaften Erlebnissen fast zerbricht“, sagt Elisabeth S.. Christina weine auch heute noch täglich. „Sie erzählt, wie sie der toten Mutter die Augenlider angehoben hat, um zu sehen, ob sie nur schläft. Sie erzählt, wie sie versuchte, die leblose Mama zur Toilette zu bringen, da sie in ihrem Tod inkontinent wurde. In Zukunft soll Christina in betreutes Wohnen umziehen. Bis dahin bleibt sie bei ihren Verwandten, die die Hilfe des pädagogischen Dienstes in Anspruch nehmen.
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